Im Rahmen der Globalisierung kommt es immer häufiger vor, dass Menschen mehrere Sprachen erlernen. Vielleicht ist man als Kind in ein anderes Land gezogen und hat dort die Ortssprache gelernt. Oder man trifft eine*n Partner*in, der*die eine andere Sprache spricht. So oder so ist klar, dass es Vorteile hat, mehrere Sprachen zu sprechen, um mit mehr Menschen kommunizieren zu können. Aber macht die Zweisprachigkeit einen auch intelligenter?

Seitdem durch die Globalisierung immer mehr Menschen bilingual aufwachsen, wird diskutiert, inwiefern sich die Zweisprachigkeit auf die eigene Intelligenz auswirkt. Laut "Wall Street Journal" dachte man lange Zeit, dass das Erlernen von mehreren Sprachen während der Kindheit die Gehirnentwicklung hindern könnte. Mittlerweile ist es fast genau andersherum: Forscher*innen denken, dass die Zweisprachigkeit einen wahrscheinlich schlauer macht.

Symbolbild Gehirn

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Zweisprachigkeit und das Gehirn

Im Fokus der Debatte steht dabei die Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, sich zu verändern. Um als zweisprachige Person kommunizieren können, muss das Gehirn je nach Situation eine Sprache aussuchen und die andere hemmen. Dadurch passen sich die Struktur und das neuronale Netz des Gehirns an. Am meisten betroffen ist dabei der präfrontale Kortex, der für kognitive Gehirnprozesse zuständig ist. Über die Zeit können sich aber auch andere Teile des Gehirns anpassen, die eher auf Motorfunktionen ausgelegt sind, wie zum Beispiel die Basalganglien und das Kleinhirn.

Wie diese Veränderungen aber genau aussehen, und welche Auswirkungen sie auf die Gehirnleistung haben, ist schwer zu sagen und variiert von Person zu Person. Es kommt darauf an, in welchem Alter man eine zweite Sprach erlernt, wie man seine beiden Sprachen einsetzt, und wie oft man zwischen den beiden Sprachen wechselt. Denn die Neuroplastizität des Gehirns ist dynamisch, heißt, über die Zeit können kontinuierliche oder neue Erfahrungen für weitere Veränderungen sorgen.

Fazit: Macht die Zweisprachigkeit einen intelligenter?

Sind zweisprachige Menschen also wirklich schlauer als einsprachige Menschen? Bisher schwer zu sagen. Wir wissen, dass sowohl Ein- als auch Zweisprachigkeit die Gehirnstruktur auf unterschiedliche Art und Weise beeinflussen. Wir wissen auch, dass bei bilingualen Menschen bestimmte kognitive Prozesse sowie auch das Arbeitsgedächtnis und die Aufmerksamkeit weiter ausgebaut sein können.

Ansonsten gilt: Nichts genaues weiß man nicht. Um mehr Einssicht in das Thema zu erlangen sind manche Forscher*innen dabei, die unterschiedlichen Erfahrungen von bilingualen Menschen und ihre mögliche Auswirkung auf das Gehirn systematisch darzustellen.

  • Quelle:
  • Noizz.de