Achtung! Don't try this at home!

Wir kennen ihn alle. Den inzwischen nicht mehr allzu neuen Personalausweis. Klein, handlich und aus Plastik. Verschwörer würden sagen: Er heißt Personalausweis, weil wir Personal der BRD GmbH sind. Dass das Quatsch ist, hat NOIZZ hier eindrücklich gezeigt.

Was bis vor einiger Zeit jedoch die wenigsten wussten, ist, dass dieser Ausweis seit der ersten Generation mit einem speziellen Chip ausgestattet ist. Einem RFID-Chip.

Das ist ebenjene Technologie, die bei euren Telefonen NFC (Near Field Communication) heißt. Und das ist die Technologie, die es erlaubt, Bargeldlos zu zahlen und Daten auf eurer Unicard zu speichern. Das Besondere an diesem Chip ist, dass er selbst keine Energie benötigt, sondern seine Energie aus dem Empfänger nimmt. Und natürlich kann er Daten speichern. Ja und?

Ist mir doch scheißegal! So oder so ähnlich könnte dein Statement dazu lauten. Dummerweise bedeutet das auch, dass wenn ich einen technisch ausgereiften Empfänger habe, ich unbemerkt Daten auf diesen Chip, deinen Ausweis, schreiben oder diese Daten auslesen kann.

Mein Problem mit der Polizei

Als Kapitalismuskritiker der Bundesrepublik Deutschland und höchst aktiver Datenschützer passt mir das natürlich überhaupt nicht. Denn ständig werde ich kiffend von der Polizei angehalten und komme in diesem Zuge nicht umhin, diese Gesellen brutal berechtigt zu beleidigen.

Diese verdammten H********e haben nicht das Recht, mich zu kontrollieren! Na ja, die würden dann in ihrer affektierten Reaktion jedenfalls so etwas in meinen Ausweis schreiben, wie:

„Herr Ernst Deslebens wurde mit brutalst illegalen Rauschmitteln beim Autofahren erwischt und beleidigte uns und unsere Mütter zutiefst. Von dieser Erfahrung sind wir nun über alle Maßen traumatisiert und nicht mehr in der Lage, weiterzuarbeiten. Wir bekommen jetzt Rente, und ihr müsst unsere Arbeit erledigen.“

[Mehr dazu: Warum ich immer aus allen sozialen Netzwerken rausgeworfen werde]

Das wird dann gelesen von Polizisten, die mich (natürlich) schon wieder kontrollieren wollen. Und zwar unmittelbar vor der Kontrolle. Die sind natürlich jetzt schon angepisst und vorgewarnt. Also prügeln Sie gleich mit Schlagstöcken auf mich ein. Das find ich dann wiederum weniger geil und fast gar nicht mal so nett.

Die Sache mit dem Chip

Um dieser Misere zu entrinnen, hab ich schon bei meinem ersten Ausweis dieser Generation lange überlegt, wie ich den Chip zerstören könnte. Eine Möglichkeit ist ein EMP. Das ist das, was Neo und seine dummen Freunde in „Matrix“ benutzen, um die Maschinen lahm zu legen. Das kann man sich basteln mit dem Blitz einer Einwegkamera und ein paar Lötskills. War mir aber alles zu stressig. Liegt vielleicht an dem ganzen Rumgekiffe oder so.

Ich hab mich dann jedenfalls für die extrem einfache Variante entschieden: den Ausweis eine Sekunde in die Mikrowelle legen. Dann sieht man hinten in dem silbernen Streifen, dass da so Dingerchens durchgebrannt sind und gut ist.

Hab dann im Nachhinein erfahren, dass das höchsgradig illegal ist. Denn der Ausweis ist Eigentum der Bundesrepublik Deutschland. Und Du kleiner Pisser hast keine Rechte daran. Das ist meiner. Du magst es ja auch nicht, wenn jemand deine kleine SpyCam, die du in der Dusche deiner Nachbarin versteckt hast, findet und kaputt macht!

Der Ausweis, so versicherte mir das glaubwürdige und allwissende Internet, sei aber dennoch weiterhin gültig, da ebenjener in Deutschland ein optisches Dokument sei. Chiillt also hart. Wenn ich darauf angesprochen werde, stelle ich mich einfach dumm und frage: Waaaaas? Welcher Chip? Von was sprechen Sie da? Spionieren Sie mich etwa aus?

Ich lebte also ziemlich glücklich und zufrieden vor mich hin. Bis ich diesen, meinen liebgewonnenen Ausweis verloren habe. Ahhhhh dachte ich mir, fuck. Aber nützt ja alles nix, auf zum Servicecenter, um den ganzen Scheiß neu zu beantragen.

Kurzer Zeitsprung. Ich halte meinen neuen Ausweis in Händen und habe darüber hinaus eigentlich wenig Besseres zu tun. Also ab mit dem Kärtchen in die Mikrowelle. Ich brenn dir deine Augen raus, du Pim***gesicht.

Beim Amt

Kurz darauf bin ich umgezogen. Zweimal. Einmal übergangsmäßig. Das erste Mal war gar kein Problem. Bebberle druff, fertig. Das zweite Mal allerdings, in einer quasi Provinz wohlgemerkt, sah das Ganze anders aus. Sie (die Amtsperson) legt den Ausweis auf ihr Gerät und schaut ziemlich verdutzt.

„Oh, das ist jetzt aber seltsam.“ Ohne mich über irgendetwas aufzuklären, probierte die Dame sämtliche Lesegeräte in dem Gebäude aus. Das hat so gut 20 Minuten gedauert. So etwas hat sie vermutlich noch nie erlebt, dass etwas nicht funktioniert. Und das auf einem Amt! Gut, dass ich nicht schon davor anderthalb Stunden gewartet habe.

„Es tut mir sehr Leid, Ihr Ausweis ist kaputt.“

„Was ist denn daran kaputt?“ frage ich erstaunt, „für mich sieht der noch gut aus.“

„Ja und das, wo der doch so neu ist“, entgegnet mir die wirklich freundliche Dame.

„Ich kann keine Daten von dem Ausweis auslesen und auch keine darauf schreiben.“

„Oh, da weiß ich jetzt auch nicht weiter, ist das denn schlimm?

„Ja wenn andere einmal Ihre Daten auslesen wollen, geht dass ja dann nicht“

„Hmmm ...“

„Wir können den Ausweis einschicken, dann bekommen Sie für 10 Euro einen Ersatzausweis, und wenn es ein Produktionsfehler ist, bekommen Sie dann eine Gutschrift für einen neuen Ausweis.“

„Also ich nehme den Ausweis auch gerne so wieder mit, er hat mir bisher immer treue und gute Dienste geleistet.“

„Na gut, wenn Sie meinen, sollte einmal was sein, können wir ihn ja immer noch einschicken.“

„Ja, genau, so machen wir's!“

Bäm. Und so durfte ich meinen geschändeten Ausweis behalten. Ich bin sicher, dass ich meinem Protest derart Ausdruck verliehen habe, dass dieser zur Revolte, wenn nicht sogar zur Revolution wird!

Ich war ein bisschen stolz. Jetzt habe ich es der Bundesrepublik Deutschland aber gezeigt!

So sind sie, die Machenschaften in der Bundesrepublik Deutschland. Kann es so weitergehen? Dass immer der kleine Mann (oder natürlich die kleine Frau!) auf der Straße ausspioniert wird und in der Datensammelwut das alles auch noch gespeichert wird? Wir wissen nicht, was mit diesen Daten passiert, sie könnten sonstwo hingeschickt werden. Und dann machen sich die Daten wieder eine schöne Zeit, auf meine Kosten! So ungerecht, das alles.

So long, stay critical.

(Das ist) Euer Ernst.

Quelle: Noizz.de