Der ultimative Guide für Leihfahrräder in Berlin

David Schafbuch

Medien, Musik und Mehr
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Wir zeigen dir, wie du dich im Leihfahrrad-Dschungel zurecht findest.

Genau kann es sich niemand erklären, aber vermutlich ist es so gelaufen: Irgendjemand hat in einer unbeobachteten Nacht über Deutschland einen Sack mit Leihfahrrädern ausgekippt.

Seitdem belagern die Räder die Bürgersteige, und die Fußgänger murren vor sich hin, weil ihre Gehwege immer kleiner werden (was bei einer Überbevölkerung mit den Rädern passieren kann, sieht man übrigens in China).

Wie viele Räder es inzwischen genau zum Beispiel in Berlin sind, weiß noch nicht einmal die Senatsverwaltung für Verkehr: Sie schätzte im März 2018, dass sich rund 16.000 Räder in der Stadt tummeln. Es darf aber bezweifelt werden, dass die Zahl noch gültig ist: Seitdem haben mehrere Anbieter angekündigt, ihre Flotte zu vergrößern.

Auch sind schon neue Anbieter auf den Markt gekommen, sodass es langsam schwierig wird, den Überblick zu behalten. Was genau ihr über die einzelnen Anbieter wissen solltet und wie ihr am Beispiel von Berlin vom maulenden Fußgänger zum Leihfahrradfahrer werden könnt, lest ihr hier.

Lidl-Bike

Lange bevor der Leihfahrradhype losgetreten wurde, hatte die Deutsche Bahn schon in ganz Deutschland ihre Call-a-bike-Räder aufgestellt. Inzwischen kooperiert der Bahnkonzern in vielen Städten mit Lidl: 350 Stellplätze hat der Anbieter momentan in Berlin, an denen mehr als 3500 Räder ausgeliehen werden können.

Registrierung: Die Anmeldung erfolgt online. Auf der Homepage könnt ihr aus verschiedenen Tarifen auswählen, anschließend hinterlegt ihr eure Adresse und Zahlungsart.

So kommt ihr aufs Rad: Eine App zeigt euch an, wo die nächsten Räder in eurem Umfeld stehen. Habt ihr ein Rad ausgewählt, erhalten ihr einen Code zum entsperren, den ihr am Rad eintippt. Während der Fahrt könnt ihr auch das Rad kostenlos kurzzeitig abstellen.

Preise: Ihr könnt bei eurer Registrierung grob zwischen drei Tarifen auswählen: Tagespass, Basispass und Komfortpass.

Mit dem Basispass zahlt ihr pro Jahr einmalig 3 Euro Grundgebühr. Danach werden die Gebühren nach Fahrtdauer berechnet. Die erste halbe Stunde kostet 1,50 Euro, jede weitere 1 Euro.

Tagespässe für ein Rad gibt es ab 15 Euro, es ist aber auch ein Tagespass für zwei Räder über den gleichen Account für 30 Euro möglich.

Der Komfortpass kostet monatlich 9 Euro, dafür kostet die erste halbe Stunde auf dem Rad nur 50 Cent und jede weitere 1 Euro. Abgesehen vom Tagespass gibt es verschiedene Ermäßigungen, zum Beispiel für Studenten oder Besitzer von BahnCards.

Rückgabe: Das Abstellen innerhalb des S-Bahn-Rings ist kostenlos überall möglich. Stellt ihr das Rad innerhalb einer gekennzeichneten Rückgabezone ab, erhaltet ihr eine Gutschrift von 50 Cent. Falls ihr ein Lidl-Bike außerhalb des S-Bahn-Rings parkt, zahlt ihr eine Gebühr von 10 Euro.

Praxistest: Die App hilft beim Suchen, allerdings sind die Räder auch in der Innenstadt gut verteilt. Überraschend ist die 7-Gangschaltung. Damit kann keiner der anderen Anbieter mithalten. Richtig Speed könnt ihr mit dem Lidl-Rad aber doch nicht aufnehmen, dafür ist es zu schwer.

Pluspunkte sind die gute Kurvenlage und der Gepäckträger mit Spanngurten. Dagegen nervt lange Registrierung: Zunächst musste man einen Account anmelden, dann kommt eine Bestätigungsmail plus SMS, dann muss mit Codes alles verifiziert werden, ehe es überhaupt an die Leihe geht. Auch die verlief im Test eher holprig: Bis das Rad wieder abgeschlossen war, brauchte es mehrere Versuche.

Fazit: Vom Fahrgefühl zählt das Lidl-Bike zu den besten im Test. Die Registrierung schreckt aber ab und dauert am längsten im Vergleich zu anderen Anbietern. Für Pendler, die einige Meter bis zum Büro oder zur S-Bahn-Station überbrücken wollen, ist das Rad eine gute Alternative.

Deezer-Nextbike

Der Hype um die geliehenen Räder ging mit Deezer los: Seit 2017 fördert der Berliner Senat das System des Leipziger Radverleihers, der auch als Musikstreamingdienst aktiv ist, mit insgesamt 7,5 Millionen Euro. Ende 2018 sollen 5500 Zweiräder des Anbieters in Berlin vorhanden sein, im Moment sollen es rund 5000 an 700 Stellplätzen sein.

Registrierung: Ihr braucht einen speziellen Account für Nextbike, dafür ist eine Registrierung per eigener App, telefonisch oder im Web möglich.

So kommt ihr aufs Rad: Ihr tippt entweder die Nummer des Rads in die App ein, das ihr ausleihen wollt, oder scannt einen QR-Code ab. Ihr erhaltet danach einen Code, mit dem ihr das Schloss öffnen könnt.

Alternativ könnt ihr auch eure Handynummer in den Computer des Rads eintippen. Das Gabelschloss am Rad öffnet sich danach automatisch.

Preise: Falls ihr bei Deezer schon ein kostenpflichtiges Streamingabo habt, sind die ersten 30 Minuten bei jeder Fahrt frei, ansonsten zahlt ihr die erste halbe Stunde einen Euro, danach für jede weitere 1,50 Euro. Daneben gibt es Tages-, Wochen- und Jahresabos ab 3, 15 und 50 Euro. Mit dem Jahresabo lassen sich auch Nextbikes in anderen Städten benutzen.

Rückgabe: Abstellen könnt ihr das Deezer-Bike überall in Berlin innerhalb des S-Bahn-Rings. Allerdings könnt ihr die Räder auch an einem der vielen Radstationen abgeben, die in der App abgespeichert sind. Dort ist das Parken kostenlos. Stellt ihr ein Deezer-Bike an einem anderen Ort ab, werden 50 Cent fällig.

Praxistest: Das Rad ist verhältnismäßig schwer, allerdings leicht zu finden. Die Deezer-Bikes sind omnipräsent in der Stadt, die Entriegelung verläuft ohne Probleme. Die 3-Gangschaltung macht auch schnelleres Fahren möglich, die Bremsen waren dagegen recht schwach. Punkten kann das Rad dagegen mit einem Gepäckträger inklusive Spanngurten.

Fazit: Solides, etwas schweres Bike, das aber keine größeren Schwachpunkte hat. Lediglich die zusätzliche Parkgebühr ist etwas ärgerlich, liegt aber preislich im Rahmen. Sowohl für spontane als auch regelmäßige Nutzer ein gutes Angebot.

Mobike

Anbieter aus China: Mobike Foto: Mobike / Mobike

Der chinesische Anbieter ist seit November 2017 in Berlin. Die Hauptstadt war zu dem Zeitpunkt der 200. Standort weltweit, in der die Räder mit der orange-silbernen Lackierung an den Start gingen.

Nach eigenen Angaben ist Mobike nicht nur das erste Bikesharing-Unternehmen, sondern derzeit auch das größte weltweit. In Berlin startete das Unternehmen mit 700 Rädern, behauptet aber von sich, dass es derzeit der größte Anbieter in der Hauptstadt sei. Wie viele Mobikes es derzeit in Berlin gib, teilte das Unternehmen auf Nachfrage von NOIZZ nicht mit.

Registrierung: Die Registrierung erfolgt über die Mobike-App. Nach der Angabe eurer Handynummer erhaltet ihr einen Code per SMS, mit dem ihr euch anmelden könnt.

So kommt ihr aufs Rad: Die App zeigt euch die nächstgelegenen Mobikes in der Umgebung an. Ihr könnt euch auf der App ein Rad reservieren und es vor Ort per QR-Code auf dem Smartphone entsperren.

Preise: Abgebucht werden die Gebühren von einem Konto in der App, auf das ihr Geld laden müsst. Hier besteht die Wahl zwischen Kreditkarte oder Überweisung. Danach könnt ihr einen Monatstarif zahlen oder jede Fahrt einzeln abrechnen: Die Monatskarte kostet 5,90 Euro. Damit könnt ihr bis zu zwei Stunden am Stück umsonst fahren.

Zahlt ihr nach Fahrt, kostet das Rad pro 20 Minuten zwischen 50 Cent und einem Euro. Davor ist eine Kautionszahlung von 2 Euro erforderlich.

Rückgabe: Mobikes sind nicht an bestimmte Parkplätze gebunden. Auf der App sind aber auch Parkverbotszonen eingezeichnet. Damit die Räder nicht in Innenhöfen verschwinden oder andere Verkehrsteilnehmer behindern, gibt es den Mobike-Score: 550 Punkte hat jeder Nutzer von Beginn an. Euer Wert fällt, wenn ihr zum Beispiel das Rad beschädigt oder nicht ordnungsgemäß geparkt habt. Solche Verstöße können Nutzer mit der App melden. Euer Account wird gesperrt, sobald der Wert unter 100 fällt.

Praxistest: Rein gefühlsmäßig ist kein Anbieter mit mehr Bikes in Berlin vertreten. Die Räder stehen an jeder Ecke, sodass ihr auch ohne App problemlos ein Rad findet. Die Entsperrung klappt auf Anhieb, der Sattel lässt sich mit einem Hebel kinderleicht verstellen. Danach wird es aber weniger angenehm: Die Mobikes haben keine Gangschaltung und wirken im Vergleich eher billig in der Verarbeitung. Erstaunlich stark ziehen dagegen die Bremsen. Im Test brachen bei einer starken Bremsung aber auch gerne die Vollgummireifen aus.

Fazit: Schnelle Anmeldung, reibungslose Registrierung und die große Radflotte machen Mobike interessant für spontane Leihen. Die Qualität der Bikes lässt aber zu wünschen übrig. Maximal für kurze Fahrten geeignet.

Ofo

Der zweite große Player aus China ist Ofo-Bikes mit seinen quietschgelben Rädern. Mit dem Konkurrenten Mobike liefert sich das Unternehmen einen knallharten Wettkampf: Ofo spricht von einer weltweiten Flotte von rund 10 Millionen Rädern, die auf mehr als 250 Städte verteilt sind. Im deutschsprachigen Raum ist Ofo in Wien und Berlin (3000 Räder) vertreten. Genau wie Mobike behauptet Ofo das aktuell größte Unternehmen für Leihfahrräder auf der Welt zu sein.

Laut einem Bericht der Zeit steht das Unternehmen gemeinsam mit weiteren genannten Anbietern aus Asien in der Kritik, sich weniger für die Mobilität, dafür umso mehr für die Kundendaten zu interessieren. Ebenso gab es Berichte, dass das Schloss sich relativ leicht knacken ließe. Laut einem Bericht von Gruenderszene arbeite Ofo allerdings an einer Lösung seiner Sicherheitslücke.

Registrierung: Erfolg per App: Wahlweise könnt ihr einen neuen Account anlegen oder euch per Facebook registrieren, anschließend hinterlegt ihr eure Zahlungsdaten.

So kommt ihr aufs Rad: Die App zeigt euch die freien Räder in eurer Umgebung an. Mit einem Click könnt ihr eines der Fahrräder auswählen und reservieren. Bei dem Ofobike angekommen, müsst ihr per Smartphone einen QR-Code scannen, wodurch sich das Schloss entsperrt.

Preise: Ofo akzeptiert als Zahlungsmittel ausschließlich die Kreditkarte. Die Rechnung ist immer einheitlich: 20 Minuten Fahrt kosten mit den gelben Rädern 80 Cent.

Rückgabe: Wie Mobike sind auch die Ofo-Räder nicht an Abstellstationen gebunden. Die Abstellzone wird in der App durch einen grünen Ring dargestellt und erstreckt sich in Berlin grob über den gesamten S-Bahn-Ring. Das Schloss der Ofos lässt sich von Hand schließen, auf der App muss danach die Fahrt noch als beendet angegeben werden.

Praxistest: Die Leihe funktioniert ohne Probleme, der Sattel hat ebenfalls das sehr angenehme Verstellsystem wie beim Mobike. Das Rad klappert allerdings während der gesamten Fahrt vor sich hin. Bremsen und Gangschaltung wirken eher mitgenommen. Immer wieder fällt ein Gang für einige Sekunden aus. Dem kleinen Korb über dem Vorderrad traut man auch nicht: Größere Sachen wie einen Rucksack lassen sich nicht transportieren.

Fazit: Das Rad fährt sich trotz einiger Mängel angenehm. Die Registrierung ist einfach, der Preis günstig. Wer keine Angst hat, dass seine Daten nach China verschifft werden, sollte über Ofo nachdenken. Sieger im Preis-Leistungsverhältnis.

oBike

Während Mobike und Ofo sich jeweils als größter Player auf dem Markt bezeichnen, nennt sich oBike aus Singapur die „smarteste Bike-Sharing Plattform der Welt.“ In Deutschland ist das Unternehmen aktuell in Berlin, Hannover, München und Frankfurt aktiv. In Berlin ging der Bikesharer im vergangenen November mit fast 700 Rädern in den Bezirken Mitte und Charlottenburg an den Start.

In die Kritik geriet der Anbieter noch im selben Monat: Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks bestand für mehrere Wochen bei dem Anbieter ein Datenleck, wodurch zahlreiche Nutzerdaten im Internet frei zugänglich waren. Inzwischen wurde die Sicherheitslücke allerdings geschlossen.

Die schlechten Nachrichten blieben dem Hersteller aber weiter treu: Noch während der Arbeit an diesem Artikel häuften sich Berichte, dass oBike offenbar pleite sei. Ohne viel vorweg zu nehmen sei gesagt: Gewundert hat es uns nach dem Test nicht.

Registrierung: Erfolgt per App wie in den meisten Diensten: Ihr hinterlegt eure Handynummer, die ihr per SMS-Code bestätigen müsst, anschließend legt ihr ein Passwort fest.

So kommt ihr aufs Rad: Die App zeigt euch die nächstgelegenen Räder an, per Knopfdruck könnt ihr das oBike eurer Wahl für zehn Minuten kostenlos reservieren, nach dem Scannen eines QR-Codes öffnet sich das Schloss automatisch.

Preise: In der Regel verlangt oBike pro 30 Minuten einen Euro. Bevor ihr aber loslegen könnt, ist eine Kaution von 79 Euro fällig, die zurückerstattet werden kann.

Der Preis kann allerdings variieren, je nachdem wie pfleglich ihr mit den Rädern umgeht: Zu Beginn habt ihr 100 sogenannte oBike-Punkte. Parkt ihr das Bike falsch oder vergesst ihr, es abzuschließen, werden euch zum Beispiel 20 Punkte abgezogen. Dafür muss ein anderer Nutzer den Verstoß aber per App melden. Bei krasseren Verstößen wie einem verschuldeten Unfall oder dem Anbringen eines eigenen Schlosses kann euer Wert auch auf Null gesetzt werden.

Der Abzug der Punkte erhöht eure Leihgebühren: Fällt euer Punktestand unter 60, zahlt ihr statt einem Euro pro halbe Stunde ganze zehn Euro. Durch Melden von Falschparkern und defekten Rädern könnt ihr euren Punktestand aber wieder aufbessern.

Rückgabe: oBikes sind nicht an Radstationen gebunden, allerdings sollte ihr beim Parken immer einen kurzen Blick auf die App werfen. Denn dort sind an vielen Stellen Verbotszonen eingetragen, in denen ihr die Räder nicht abstellen solltet. Die Schlösser lassen sich per Hand schließen.

Praxistest: Registrierung, Leihe und Rückgabe sind kein Problem. Das war es aber auch mit den Vorteilen: Vielleicht war es nur Zufall, aber im Test war unser gewähltes oBike im schlechtesten Zustand von allen Rädern. Die Sattelstange war zerkratzt und ließ sich nicht mehr verstellen. Nach wenigen Minuten auf der Straße verliert man die Lust: Das Rad kommt ohne Schaltung, und die Bremsen scheinen permanent an den Reifen zu scheuern, wodurch die Fahrt sowohl die mühsamste als auch die langsamste war.

Fazit: „Smart“ bedeutet nicht gut: Nicht nur in Kombination mit den fast 80 Euro Kaution ist die Qualität der oBikes eine Frechheit. Selbst für kürzeste Strecken seid ihr mit anderen Anbietern deutlich besser unterwegs. Der klare Verlierer im Test - und vermutlich auch zurecht pleite.

Byke

Einer der wenigen deutschen Mitstreiter auf dem umkämpften Markt ist „Byke“. Aktuell ist das Unternehmen mit seinen blauen Rädern im Zentrum Berlins, im Ruhrgebiet (Essen, Mülheim, Duisburg) und im Rhein-Main-Gebiet (Frankfurt und Umgebung) vertreten.

Registrierung: Erfolgt kostenlos über die Byke-App, nachdem ihr eure Handynummer bestätigt habt.

So kommt ihr aufs Rad: Die App hilft euch beim Suchen, eine Reservierung ist allerdings nicht möglich. An dem Rad angekommen, könnt ihr es per QR-Code entriegeln oder ihr gebt eine Nummer in euer Smartphone ein, die sich auf dem Rad befindet. Das Schloss öffnet dann automatisch.

Preise: Aktuell zahlt ihr 50 Cent pro halbe Stunde. Als Zahlungsmethode sind Kreditkarte oder Paypal möglich, mit dem ihr auch ein bestimmtes Guthaben auf euren Account laden könnt. Das Guthaben kann auch zurückgezahlt werden, falls ihr es nicht nutzt.

Byke betont, dass es sich bei dem aktuellen Preis um ein Angebot zum Launch handelt, der sich je nach Region und Werbekampagne ändern kann.

Rückgabe: In Berlin ist das Parken der Räder hauptsächlich in Mitte oder Kreuzberg möglich. Die Geschäftsgebiete in den einzelnen Regionen findet ihr auf der Website des Anbieters. Stellt ihr das Rad außerhalb der Gebiete ab, können Zusatzkosten auf euch zukommen.

Praxistest: Bei keinem anderen Anbieter dauerte die Suche nach einem Rad länger. Verglichen mit der Konkurrenz ist die Radflotte vermutlich die kleinste. Am Rad angekommen dann die nächste Enttäuschung: Byke war der einzige Anbieter, bei dem sich ein Rad trotz mehrere Versuche nicht entriegeln ließ. Die App streikte, das Schloss am Rad war zudem defekt. Am zweiten Rad angekommen, zeigten sich ähnliche Mängel wie bei Mobike oder oBike: Im Vergleich zu den asiatischen Konkurrenten punktet das Byke lediglich mit einer zusätzlichen Schaltung und dem einfachen Sattelsystem. Das Fahrgefühl bleibt aber ähnlich schlecht.

Fazit: Byke weist ähnliche Mängel wie die unterdurchschnittlichen Mobike und oBike auf. Dazu kommt die vergleichsweise geringe Stückzahl, sodass ihr lange nach einem der blauen Fahrräder suchen müsst, da hilft auch der günstige Preis nicht. Mit dem billigen Ofo oder Deezerbike seid ihr definitiv besser dran, auch wenn ihr nur hin und wieder ein Rad für kurze Strecken benötigt.

Donkey Republic

2015 in der Fahrradhochburg Kopenhagen gegründet, ist das Unternehmen inzwischen in zahlreichen Städten Europas vertreten. Die Räder zeichnen sich nicht nur durch ihren orangefarbenen Rahmen aus. Sie stechen auch durch ihre Vorrichtung für Smartphones in der Mitte des Lenkers hervor. In Deutschland gibt es die Eselräder in Hamburg, München, Köln und Berlin, aber auch in Landshut, Freiburg oder Havelberg.

Registrierung: In der App könnt ihr euch entweder per Facebook direkt registrieren oder ihr legt einen eigenen Account an.

So kommt ihr aufs Rad: Die App zeigt euch die nächstgelegenen Räder an. Während ihr es anwählt, wird euch parallel der Preis für die ersten 30 Minuten angezeigt.

Preise: Es besteht die Möglichkeit, jede einzelne Fahrt zu zahlen oder eine Mitgliedschaft abzuschließen: In unserem Test kostete eine 30-minütige Fahrt in Berlin 1,25 Euro. Bei den Mitgliedschaften habt ihr die Wahl zwischen „Regular“ und „Occasional“: Bei einer regulären Mitgliedschaft zahlt ihr monatlich 15 Euro und könnt bis zu 12 Stunden am Tag umsonst die Räder nutzen. Der „Occasional“-Tarif berechnet euch 63 Cent für 30 Minuten und maximal 4,25 Euro für 12 Stunden.

Rückgabe: Spontan aufsteigen und dann das Rad irgendwo stehen lassen funktioniert mit den Donkeys nicht. In der App sind Rückgabeorte mit Zahlen angezeigt, wo ihr die Räder abgeben könnt. Sie geben euch an, wie viele Räder an dem Ort noch Platz haben.

Praxistest: Die Drahtesel fahren sich am ehesten noch wie ein „gewöhnliches“ Fahrrad, auch wenn die Entriegelung des Schlosses etwas gewöhnungsbedürftig ist. Bremsen und Gangschaltungen funktionieren, der Gepäckträger mit zwei Gurten auch. Die Vorrichtung für das Smartphone ist eine nette Idee, lenkt aber beim Fahren eher ab.

Fazit: Gut verarbeitetes Rad, das allerdings durch seine festen Abholpunkte etwas unflexibel in einer Großstadt ist. Wer hin und wieder ein Fahrrad benötigt und mehr Wert auf Qualität als auf Spontanität legt, ist hier richtig.

Lime

Erst im Juni 2017 als Limebike gegründet, hat die Marke mit den grünen Rädern einen rasanten Aufstieg hinter sich: Vor allem im Gründungsland USA ist das Startup schon in zahlreichen Städten und Universitäten vertreten. In Deutschland sind die Limebikes bisher in Berlin und Frankfurt zu finden. Eine Besonderheit: Lime ist derzeit der einzige Anbieter, der auch sogenannte Pedelecs, also Räder mit elektrischer Unterstützung, verleiht. In Berlin sind jeweils 500 „gewöhnliche“ Räder und 500 mit elektrischem Zusatzantreib verfügbar.

Registrierung: Erfolgt per App: Ihr könnt euch entweder mit eurem Facebook-Account anmelden oder bestätigt per SMS über das Smartphone eure Identität.

So kommt ihr aufs Rad: Die App zeigt euch die nächstgelegenen Räder an. Seid ihr angekommen, könnt ihr auf dem Rad einen QR-Code scannen oder ihr gebt die Radnummer in euer Smartphone ein. Das Schloss öffnet sich danach von selbst, als Bestätigung hört ihr ein akustisches Signal.

Preise: Ein Limebike ohne E-Antrieb kostet einen Euro alle 30 Minuten. Mit elektronischer Unterstützung wird eine zusätzliche Gebühr von 15 Cent pro Minute berechnet. Das Geld wird von einem eigenen Konto abgebucht, auf das ihr vorher einen Betrag geladen habt.

Rückgabe: Limebikes haben keinen vorgegebenen Abstellplatz. Allerdings zeigt euch die App auch eigene bevorzugte Parkplätze an, die ihr aber nicht ansteuern müsst. Abschließen könnt ihr die Räder per Hand, danach hört ihr wieder einen lauten Ton und die Fahrt ist beendet.

Praxistest: Wer noch nie auf einem Pedelec saß, sollte bei der ersten Fahrt aufpassen: Der E-Antrieb beschleunigt, sobald ihr in die Pedale tretet. Nach wenigen Minuten hat man sich an die Zusatzpower aber gewöhnt. Allerdings besitzen die grünen Räder keine Schaltung. Rasen könnt ihr also auch mit dem Zusatzantrieb nicht. Der Rest des Rades ist Durchschnitt: Die Bremsen sind ok, der Sattel lässt sich schwer verstellen. Der vordere kleine Gepäckträger ist wie bei der Konkurrenz eher gut gemeint als eine wirkliche Hilfe.

Fazit: Die Pedelecvariante fährt sich sehr angenehm, ist mit den zusätzlichen Minutengebühren aber auch verhältnismäßig teuer. Ohne E-Antrieb ist das Rad eine solide Wahl. Wer ganz entspannt für etwas mehr Kohle durch den Verkehr schweben will, ist hier richtig. Wer nur ein normales Rad braucht, wird eher bei der Konkurrenz fündig.

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