Gibt’s Tannenbäume hinter Gitter?

Der Berliner "Tagesspiegel" beschrieb Weihnachten hinter Gittern zuletzt als "die schlimmste Zeit des Jahres". Die Insassen würden den Tag möglichst schnell hinter sich bringen wollen, die Zeit erinnert sie am meisten an alles, was sie im Gefängnis nicht haben: Familie, Freunde, ein liebevolles Zuhause. Doch jedes Jahr versuchen die Betreiber der Vollzugsanstalten aufs Neue, zu Weihnachten den Gefängnis-Alltag ein wenig aufzubrechen – und für seine Insassen erträglicher zu gestalten.

Selbst wenn alle Gefängnis-Insassen zur Strafe dort sind, werden Weihnachten einige Regeln aufgelockert. Bei der Essensausgabe wird aufgestockt, und der Alltag weicht gesonderten Events, die nur an Weihnachten stattfinden. Um einmal genau zu wissen, was Knastis zu Weihnachten erwartet, haben wir bei dem Pressesprecher der Berliner Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Anti-Diskriminierung, Sebastian Brux, nachgefragt, wie genau Weihnachten im Gefängnis aussieht.

Wichtig vorab: Nicht alle Gefangenen feiern Weihnachten. Das wolle die Senatsverwaltung auch respektieren, gerade in Hinsicht auf die negative Religionsfreiheit. "Die Gefangenen, die es feiern möchten, haben die Möglichkeit, einen Gottesdienst in ihrer Anstalt zu besuchen", sagt Brux gegenüber NOIZZ. Letztes Jahr war sogar der Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, und der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, dabei.

Hinter den Gittern stehen auch Tannenbäume, die sind sogar mit Christbaumkugeln geschmückt. Dominosteine, Butterstollen und Schokoladenweihnachtsmänner werden an Nikolaus an die Gefangenen ausgeteilt, und zum Essen gibt es an den Weihnachtstagen einen besonderen Speiseplan mit Rinderbraten und anderem typischem Weihnachtsessen.

Manche Gefangene haben Glück. Die dürfen zu Weihnachten dank des "Sammelgnadenerweises zum Jahresende" an Weihnachten nach Hause zu ihrer Familie, und müssen erst danach wieder zurück ins Gefängnis. Das sind allerdings in der Regel nur um die drei Prozent. Die überwiegende Mehrheit verbringt das "Fest" schlussendlich mit sparsam geschmücktem Weihnachtsbaum hinter Gittern.

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Quelle: Noizz.de