Unsere Psyche beeinflusst, wie wir uns fühlen – also nicht nur mental, sondern auch unser tatsächliches Kälteempfinden. Wer zu oft und lange nur im Homeoffice arbeitet, kann sich schnell einsam und damit auch kalt fühlen.

Während ich diesen Artikel gerade im Homeoffice vor mich hin tippe, habe ich Kuschelsocken an und ein wärmendes Kirschkernkissen auf meinem Schoß – und natürlich eine Tasse Tee neben mir. Dabei sind es draußen 22 Grad, in meiner Wohnung 20 Grad. Trotzdem friere ich leicht. Das ist gar nicht so ungewöhnlich, wie Psychologe Martin Grunwald von der Universität Leipzig bei "Deutschlandfunk Nova" erklärt.

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Zum einen liegt das natürlich daran, dass wir uns an Homeoffice-Tagen generell etwas weniger bewegen als sonst – es sei denn, du gehörst der Fraktion Frühsport an. Wer nicht morgens zu Bus und Bahn läuft oder sich aufs Rad schwingt, bringt seinen Kreislauf nicht so auf Trab – unser Körper reagiert auf den mangelnden Energieumsatz mit "Mir ist kalt!" Eine Runde um den Block gehen kann also echte Wunder bewirken.

Aber es gibt auch einen psychologischen Effekt

Vielleicht kannst du dein Homeoffice-Frösteln schon mit einem ganz einfachen Trick besiegen: indem du für besseres Licht sorgst. Denn wer sich gleich morgens an den Schreibtisch sieht, ohne echtes Tageslicht und die Sonne gesehen zu haben, dessen innere Uhr spielt verrückt – du bist dann noch immer müde und dir ist dementsprechend auch kälter. Grund dafür sind wieder einmal die Hormone: Wenn es dunkel ist, produziert unser Körper etwa mehr von dem Schlafhormon Melatonin.

Martin Grunwald, der das Haptik-Forschungszentrum an der Uni Leipzig leitet, glaubt aber auch, dass Frieren zum anderen ein Zeichen von Einsamkeit am Arbeitsplatz sein kann. Er beschäftigt sich mit dem, was wir in unserer direkten Umwelt fühlen und wahrnehmen. Im "Deutschlandfunk Nova" erklärt er:

Das Einsamkeitsgefühl ist schon individuell, aber es kann dazu führen, dass man eine kalte Empfindung hat, die sich auf der psychischen Ebene abspielt.

Denn schließlich arbeiten wir Zuhause ganz einsam und alleine, auch wenn wir per Slack und Co. mit den Kolleg*innen verbunden sind. Die Präsenz von echten Menschen, um sich herum zu spüren, kann schon viel ausmachen, denn andere Menschen im Raum produzieren auch: mehr Wärme. Schließlich sind wir Menschen doch eher soziale und gesellige Wesen. Einsam zu sein, kann also auch ein Kältegefühl auslösen. Wieder etwas gelernt.

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  • Quelle:
  • Noizz.de