Schon seit den Fünfzigern wird über Verhütung für Männer nachgedacht.

In Deutschland verhüten über die Hälfte aller Frauen in einer Beziehung mit der Pille, jedes dritte Pärchen mit Kondom. Mit anderen Alternativen wie Spiralen, einem Vaginalring oder der Dreimonatsspritze bleibt Verhütung zum größten Teil Frauensache. In den vergangenen Jahren wurde allerdings endlich vermehrt geforscht zur männlichen Verhütung – nun gibt es ein vielversprechendes Ergebnis.

Forscher in Indien haben jetzt klinische Tests zu einer Verhütungsspritze für Männer abgeschlossen. In mehreren Phasen wurden 303 Männern eine Spritze in die Nähe der Hoden gegeben. Es wurde das Mittel Styrol-Maleinsäureanhydrid injiziert, das die Sperma-Produktion verhindern soll. Das Mittel existiert schon seit den Siebzigerjahren.

Die Spritze war in 97,3 Prozent der Fälle erfolgreich, und keiner der Patienten berichtete von Nebenwirkungen. Das Verhütungsmittel hält für 13 Jahre.

"Das Produkt ist bereit", erzählt einer der Forscher, Dr. RS Sharma, der indischen Tageszeitung "Hindustan Times". Jetzt müsse es nur noch durch eine letzte endgültige Kontrolle der nationalen Medikamentenprüfung in Indien. Es wird circa sechs Monate dauern, bis das Produkt für den Markt zugelassen wird. Dann darf die Produktion beginnen.

Forschungen an Verhütungsmethoden für Männer nehmen Fahrt auf

In den vergangenen Jahren wurden mehrere Forschungen zu alternativen Verhütungsmethoden für Männer durchgeführt. Im Januar 2019 begannen Forschungen zu einem Gel, das Sperma abtöten soll. 80 britische Männer nehmen momentan an der Studie teil.

Im Jahr 2016 wurde ebenfalls eine hormonelle Verhütung für den Mann getestet. Dabei handelte es sich ebenfalls um Spritzen, die den Männern in einem Acht-Wochen-Takt gegeben worden sind. Diese Tests wurden damals wegen Nebenwirkungen wie Akne oder Stimmungsschwankungen abgebrochen.

Bei Frauen, die hormonell verhüten, sind Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme oder Stimmungsschwankungen üblich. Laut einer Studie werden bis zu drei Prozent aller Frauen, die anfangen die Pille zu nehmen, innerhalb eines Jahres depressiv.

Von einem biologischen Standpunkt aus ist es allerdings tatsächlich schwieriger, wirksame Verhütungsmethoden für Männer zu entwerfen, erklärt der Wissenschaftler Rob Stein dem amerikanischen Rundfunkunternehmen "NPR". Außerdem gibt es bei Männern weniger Anhaltspunkte zur Verhinderung einer Befruchtung. Der natürliche Zyklus der Frau hat in dieser Hinsicht einen Vorteil, da er mehrere Möglichkeiten bietet, eine Schwangerschaft zu verhindern. Zudem gibt es bei Frauen nur einen Eisprung jeden Monat, während bei Männern tagtäglich Millionen von Spermien produziert werden.

Als in den Fünfzigerjahren die Pille für die Frau auf den Markt kam, wurde auch die Pille für den Mann als Möglichkeit diskutiert, jedoch nicht weiter ausgearbeitet. Nun scheint die jahrelang im Hintergrund stattfindende Forschung bedeutsame Fortschritte zu bringen.

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Quelle: Noizz.de