Transgender, Transvestit, Transsexuell? Wir erklären dir, was was bedeutet!

Laura Aha

Musik, Serien, Popkultur
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Männlich, weiblich und alles dazwischen: Das Transgendersymbol Foto: Fotolia, nito / Fotolia

Endlich keine Missverständnisse mehr.

Ob durch Schauspielerin Laverne Cox, Model und Playmate Giuliana Farfalla oder Kylie Jenners Vater Caitlyn – die Sichtbarkeit und Akzeptanz von Trans*personen ist endlich in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Oder zumindest auf dem besten Weg dahin. Umso schlimmer, dass immer noch so viel Unwissen und Unsicherheit im sprachlichen Umgang mit ihnen herrscht.

Ja, es ist ein bisschen kompliziert und scheint erst mal anstrengend. Aber: Die Verwendung des richtigen Personalpronomens und die sprachlich korrekte Bezeichnung sind gerade für Trans*personen extrem wichtig. Ihre Geschlechtsidentität wird von der Mehrheitsgesellschaft oft infrage gestellt oder falsch gelesen. Mit unserem Glossar zum Thema „Trans*“ (das Sternchen zeigt, dass Trans* nur ein Teilwort ist) kannst du es besser machen und Fettnäpfchen und Missverständnisse vermeiden:

Transgender

Ganz allgemein bezeichnet man jemanden als Transgender, der sich kaum oder gar nicht mit seinem biologischen (also dem körperlich sichtbaren) Geschlecht, identifiziert und sich „im falschen Körper“ fühlt. Der Begriff setzt sich aus dem lateinischen „trans“ („darüber hinaus“ oder „jenseitig“) und „gender“ („soziales Geschlecht“) zusammen.

„Gender“ ist übrigens ein Begriff aus den Sozialwissenschaften, die zwischen dem biologischen „sex“ und dem sozialen, kulturell geprägten Geschlecht „gender“ unterscheiden. Irgendwie von „Genderwahn“ zu sprechen, ergibt also überhaupt keinen Sinn. Nur so am Rande.

Transgender ist also ein Überbegriff für Menschen, die Geschlechtergrenzen überschreiten. Das suchen sie sich nicht freiwillig aus, sie werden so geboren. Geprägt hat den Begriff Transgender-Aktivistin Virginia Prince in den 1970er Jahren. Sie wurde als biologischer Mann geboren, identifizierte sich aber als weiblich. Trotzdem wollte sie sich ihren „männlichen“ Körper nicht operativ verändern lassen.

Und so geht es vielen: Nicht alle Menschen, die sich als Transgender bezeichnen, wollen auch ihr biologisches Geschlecht ändern lassen.

„We ain’t broken – so stop trying to fix us!“, schrieb Prince. Damit stellte sie sich gegen das (leider bis heute) oft verbreitete Denken, Transgender sei ein medizinischer Fehler, der durch eine Operation behoben werden müsse.

In Deutschland musste man sich sogar noch bis 2011 geschlechtsangleichend operieren und sterilisieren lassen, um auch auf dem Papier das gewünschte Geschlecht eintragen zu dürfen. Das ist jetzt verfassungswidrig.

Transsexuell

Transsexuelle kann man als Untergruppe der Transgender sehen. Auch sie fühlen sich im „falschen“ Körper. Allerdings ist es für viele von ihnen wichtig, ihr biologisches Geschlecht durch Hormonbehandlung und einem chirurgischen Eingriff vom einen in das andere binäre (also das männliche oder weibliche) Geschlecht „umwandeln“ zu lassen. Viele Transgender lehnen diese Operation als „Verstümmelung“ ab.

Anders als Transgender ist Transsexuell kein Überbegriff, da sich viele Transgender nicht als transsexuell bezeichnen würden. Wenn man also über Transgender schreibt sollte man das Wort transsexuell eher vermeiden, außer man wird von der transsexuellen Person darum gebeten.

Andersherum lehnen viele Transsexuelle die Beschreibung als Transgender ab, da damit auch ein uneindeutiges Weder-noch gemeint sein kann. Transsexuelle identifizieren sich aber meist eindeutig als männlich oder weiblich. Transgender wird hingegen auch für Lebensweisen verwendet, die das gängige Mann-Frau-Geschlechter-Modell infrage stellen.

Transmann / Transfrau

Ob man jemanden als Transmann oder Transfrau bezeichnet hängt davon ab, mit welchem Geschlecht sich die Person identifiziert. Ein biologischer Mann der sich als Frau identifiziert, ist eine Transfrau, oder auch „Mann-zu-Frau Transsexuelle“ (im Englischen „male to female“). Andersherum ist jemand, der biologisch als Frau geboren wurden, sich aber als Mann identifiziert ein Transmann („Frau-zu-Mann Transsexuelle oder female to male“).

Dabei ist es egal, ob sich diese Person hat operieren lassen oder nicht. Es gibt eben auch Männer mit Vulven und Frauen, die Penisse haben. So einfach ist das.

Queer

Menschen, die nicht in diese binären Geschlechterkategorien Mann-Frau passen bezeichnen sich selbst häufig als genderqueer oder nichtbinär. Queer ist dabei aber kein Identitätsbegriff, sondern ist eher eine politische Haltung oder Orientierung, die heterosexuelle Normen infrage stellt. „Queer“ kann man mit „seltsam“ oder „verdächtig“ übersetzen. Der Ausdruck wurde früher oft als Schimpfwort gegenüber Schwulen verwendet.

Durch sogenanntes „Reclaiming“ hat sich die Community den Begriff „queer“ nun zurückerobert und positiv besetzt. Als queer bezeichnen sich Menschen, deren Lebensweise von der heteronormativen (also 1 Mann + 1 Frau) abweicht. Also außer Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Intersexuellen, Transgendern, Pansexuellen, Asexuellen und BDSMlern können auch Heteros queer sein, die zum Beispiel durch Polyamorie (die Liebe zu mehr als einem Partner) von der Norm abweichen.

Transvestit

Transvestiten (trans: hinüber; vestire: kleiden) tragen aus verschiedensten Gründen die Kleidung des „Gegengeschlechts“. Dabei spielt die sexuelle Orientierung eigentlich keine Rolle, Transvestitismus gibt es sowohl bei Homos, als auch bei Heteros. Entscheidend ist, dass Transvestiten im Gegensatz zu Transgendern meistens nicht dauerhaft im anderen Geschlecht leben möchten. Früher wurde dafür auch die Bezeichnung „Cross-Dressing“ verwendet.

„Fetischistischer Transvestitismus“ verbindet das Tragen „gegengeschlechtlicher“ Kleidung mit einer sexuellen Motivation. Obwohl Transvestiten oft Männer sind, die Frauenkleidung tragen, gibt es das auch umgekehrt. Während Travestie-Künstler in verschiedene Rollen des anderen Geschlechts (meistens Männer, die Frauen humoristisch darstellen) schlüpfen, ist Drag mit einer festen Rolle verknüpft.

Bekannte Beispiele für Dragqueens sind Olivia Jones oder RuPaul. Es gibt aber auch Dragkings, so wie Jo Calderone, das männliche Alter Ego von Lady Gaga.

Intersexuell

Intersexuelle sind Menschen, bei denen das körperliche Geschlecht medizinisch weder eindeutig männlich noch weiblich ist. Früher wurden solche Kinder meist um operiert, um einem Geschlecht (meist dem weiblichen) zu entsprechen. Intersex-Organisationen kritisieren das als Menschenrechtsverletzung, da die Betroffenen oft ihr Leben lang darunter leiden. Die medizinische Diagnose der „Geschlechtsentwicklungsstörung“ lehnen Intersexuelle ab.

Zwischengeschlechtlichkeit kann sich aber auch auf Trans*personen beziehen. Andere (Selbst)bezeichnungen sind genderqueer, polygender, gender bender, pangender, no gender, gender variant, gender non-conforming oder cross-gender.

"Es kommt nicht darauf an, was Menschen in der Hose haben. Sondern darauf, was in ihren Herzen und Köpfen steckt", fasst Schauspielerin und "Orange is the New Black"-Star Laverne Cox es zusammen. Transgender und Transsexuelle sind ganz normale Menschen, die einfach nur leben wollen, wie du und ich. Daher zum Schluss noch eine kleine Doku-Empfehlung mit Laverne Cox über sieben beeindruckende junge Trans*personen und ihre Geschichte:

Quelle: Noizz.de

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