Wenn jemand sagt: "Asiaten sehen eh alle gleich aus" ist das verdammt rassistisch. Leider steckt in der Aussage wohl eine bittere Wahrheit wie Harvard-Forscher nun herausfanden. Denn: Menschen anderer Ethnien können wir tatsächlich schlechter auseinanderhalten, egal woher wir kommen. Schuld daran ist unser Gehirn.

Dir geht es wahrscheinlich genau so wie uns: Wir wollen alles dafür tun, damit die Gesellschaft toleranter, liberaler und offener wird. Dazu gehört auch weniger Rassismus. Und trotzdem erwischen wir uns manchmal selbst dabei, wie wir uns unterbewussten, rassistischen Stereotypen und Muster fügen und danach handeln. Vieles davon kann man selbst aus dem Weg räumen, indem man sich selbst hinterfragt. Andere Dinge scheinen evolutionsbedingt wohl tief in uns verankert zu sein. So etwa die Gesichtserkennung andere Menschen.

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Die fällt uns nachweislich bei Menschen, die einen anderen ethnischen Background als wir selbst haben, schwerer. Forscher der Elite-Uni Harvard wissen nun auch warum. In einer neu veröffentlichten Studie fanden sie folgendes heraus: Die Hirnregion, die für Gesichtserkennung zuständig ist, setzt bei Gesichtern von Menschen mit "fremdem" Aussehen nicht die gleichen Aktivierungsprozesse in Gang werden, wie wenn wir auf ein neues Gesicht mit demselben ethnischen Aussehen treffen.

Ist Rassismus in unserem Gehirn einprogrammiert?

Eigentlich passiert das im Gehirn, wenn wir jemanden Neues treffen und uns sein Aussehen einprägen:

Jedes Mal, wenn wir einen neuen Menschen treffen, wird in unserem Gehirn die Gesichtserkennung aktiv. Sehen wir dasselbe Gesicht noch einmal, wird dieser Vorgang normalerweise bereits ab dem zweiten Mal unterdrückt. Wir haben uns das Gesicht zur Person gemerkt. Dummerweise ist unser Gehirn anscheinend ziemlich simpel gestrickt. Denn auch, wenn wir verschiedene Menschen anderer Ethnien hintereinander sehen, verzichtet unser Hirn darauf, sich das Gesicht als neu zu merken. Es denkt, es kennt diesen Menschen schon.

Die Forscher kamen zu diesen Ergebnissen, indem sie ihren weißen Studienteilnehmern Fotos mit verschiedenen Gesichtern zeigte. Dabei zeigte sich: Zwei ebenfalls weiße Gesichter konnten die meisten deutlich schneller unterscheiden als etwa zwei Schwarze. Während sich die Studienteilnehmer die Bilder anschauten, wurde die Hirnaktivität im visuellen Verarbeitungssystem gemessen. Bei neuen Schwarzen Gesichtern wurde tatsächlich die Aktivität unterdrückt, fast so, als hätte man dieses Gesicht schon einmal gesehen.

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Woran das liegt, ist hingegen noch nicht erforscht

Manchmal sind wir alle ein bisschen Gesichtsblind.

Es könnte daran liegen, dass wir unser Gehirn darauf konditioniert haben, weil wir eine bestimmte Art von Gesichtern häufiger sehen. Die Forscher vermuten daher, dass unsere Wahrnehmung zu einem gewissen Grad trainiert werden kann. Sprich: Lebst du eine lange Zeit zum Beispiel in Tokio, Peking oder Seoul, wird es dir als Europäer*in wahrscheinlich leichter fallen, auch Unterschiede in asiatisch-stämmigen Gesichtern zu erkennen.

Ausnahmen bestätigen allerdings auch in diesem Fall die Regel: Genauso wie es wirklich Gesichtsblinde gibt, bei denen der Aktivierungsprozess bei einer Gesichtserkennung nicht richtig funktioniert, gibt es auch sogenannte Super-Recognizer. Sie können auch ungewöhnliche Gesichter auf Anhieb sehr gut erkennen.

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  • Quelle:
  • Noizz.de