Probanden sehen plötzlich das große Ganze.

LSD fasziniert die Menschheit, seit der Schweizer Chemiker Albert Hofmann 1943 seine Wirkung entdeckte. Gerade erlebt die Substanz ein Revival – sogenanntes Microdosing wird en Vogue, also die regelmäßige Einnahme kleiner Dosen zur Steigerung zum Beispiel der Produktivität.

>> Die Basler Uni testet gerade LSD – an Menschen

Wie fashionable das Thema zur Zeit ist, zeigt auch ein Blick auf den Büchermarkt. Dort rangiert nicht nur Michael Pollans Monografie "Verändere dein Bewusstsein: Was uns die neue Psychedelik-Forschung über Sucht, Depression, Todesfurcht und Transzendenz lehrt" ganz vorne, sondern auch der neue Roman von Kult-Autor T.C. Boyle, "Das Licht", der die Geschichte von Timothy Leary erzählt, welcher mit LSD die Psychotherapie revolutionieren wollte.

Auch die Wissenschaft widmet sich wieder (oder: immer noch) LSD. Und so hat jetzt eine neue Studie im "Journal of Psychopharmacology" gezeigt, wie diese Substanz sich auf Alkoholismus auswirkt. Untersucht wurden über einen Zeitraum von zwei Jahren nämlich 343 Alkoholiker. Darüber berichtete jetzt das Magazin "Merry Jane".

Ihnen wurden Halluzinogene wie LSD und Psilocybin verabreicht. Die Folge: Sie tranken viel weniger Alkohol, reduzierten ihren Konsum auf durchschnittlich 4,3 Drinks pro Woche, was 83 Prozent weniger sind – ein Effekt, der auch noch lange nach der Einnahme anhielt.

Außerdem hatten die meisten Probanden weniger Entzugserscheinungen und Heißhunger; technisch gesehen waren viele von ihnen nach dem Experiment keine Alkoholiker mehr.

>> LSD-Rekordfund in Deutschland – fast 50.000 Stück!

Einer der Wissenschaftler, der die Studie mit durchgeführt hat, Matthew Johnson, mutmaßt gegenüber "Inverse", dass dies auf die Intensität der psychologischen Erfahrung dieser Drogen zurückzuführen sein könnte. Die meisten Leute würden nämlich mit ihren Süchten fertig, wenn sie mit dem Big Picture konfrontiert würden, das mit der Frage verbunden ist, was im Leben wichtig ist. Es geht also um tiefgründige Selbstreflexion.

Einer der Probanden sagte, die Substanzen würden ihm erlauben, sich wieder vollständig zu fühlen. "Sie haben mich dazu gebracht, mich meinem Gefühlstrauma zu stellen und mir gezeigt, warum wir süchtig sind und wie Süchte uns versklaven – körperlich, psychisch und spirituell. Sucht macht unfähig zu jeder Art menschlichen Wachstums", sagte er gegenüber "Psychology Today".

Bereits 2014 hatten Wissenschaftler des namhaften Johns-Hopkins-Krankenhauses herausgefunden, dass die besagten Substanzen Rauchern dabei helfen können, von ihrer Sucht wegzukommen.

ml

Quelle: Noizz.de