Überall ist Künstliche Intelligenz. Manchmal können wir nicht mal mehr sagen, ob unser*e Chat-Partner*in ein Mensch oder eine Maschine ist. Und im Hollywood-Streifen "Her" verliebt sich Joaquin Phoenix in seine umwerfende Sprachassistentin. Ist es also an der Zeit, Robotern Menschenrechte zu geben? Ein neues Video des "Funk"-Formats "Dinge erklärt" geht der Frage jetzt nach.

Die Frage nach dem Verhältnis zwischen Mensch und Maschine wird gestellt, seitdem es Maschinen gibt – vor allem in der Kunst. Schon bei E. T. A. Hoffmann verliebte sich 1816 in seiner Erzählung "Der Sandmann" Nathanael in Olimpia, die sich später als lebensechter "Automat" herausstellt, was ihn in den Wahnsinn treibt.

Rund 150 Jahre später (1968) stellte der Science-Fiction-Autor Philip K. Dick schon im Titel seines Kult-Romans die Frage: "Träumen Androiden von elektrischen Schafen?". 14 Jahre später machte Ridley Scott aus dem Buch das cineastische Meisterwerk "Blade Runner", und seitdem haben zahlreiche weitere Bücher, Filme und Serien das Thema behandelt – jüngst am erfolgreichsten der Ian-McEwan-Roman "Maschinen wie ich" und die HBO-Serie "Westworld".

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All diese Szenarien sind natürlich noch weit von der Wirklichkeit entfernt: Wenn man sich die Roboter anschaut, die gegenwärtig auf den Technikmessen rumrennen, sieht es nicht so aus, als ob wir uns morgen aus Versehen in einen Androiden verlieben, ohne es zu merken. Es sind immer noch Kinder-kleine Dinger aus weißem Plastik, die aussehen wie überdimensioniertes Spielzeug und sich lautstark und – ja – Roboter-haft bewegen.

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Darüber tröstet selbst die neueste Innovation aus der Erotik-Industrie nicht hinweg: extrem authentische Sexpuppen, die ihre Körpertemperatur der eigenen anpassen (NOIZZ berichtete).

Aber grundsätzlich nehmen wir ja schon an, dass, wenn alles so läuft wie bisher – wir uns also technologisch stetig weiterentwickeln und nicht durch allzu große Kriege, Katastrophen oder ähnliches in die Steinzeit zurückkatapultiert werden –, es irgendwann Maschinen geben wird, die uns Menschen zum verwechseln ähnlich sind. Halt jene Androiden, die wir bereits aus Hollywood kennen.

Bis dahin müssen wir uns mit Künstlicher Intelligenz (KI) begnügen, die nicht so attraktiv ist wie in unsere kühnen Science-Fiction-Träumen. Und die ist mittlerweile geradezu allgegenwärtig – von Siri über Chat-Bots bis hin zu unseren Handykameras. Selbst dieser Text könnte von einer KI geschrieben worden sein ... Na ja ... sooo generisch klingt er hoffentlich nicht. Aber tatsächlich gibt es mittlerweile sogar so etwas wie Roboter-Journalismus – was vor allem in der Daten-getriebenen Sportberichterstattung sinnvoll eingesetzt werden kann.

In Anbetracht dieser Entwicklungen – der Allgegenwart und Vermenschlichung von KI – stellt sich immer brennender die Frage: Müssen wir Robotern irgendwann Menschenrechte zusprechen? Und falls ja: Ab welchem Zeitpunkt wäre es so weit?

"Funk"-Format "Dinge erklärt" geht der Frage nach Menschenrechten für Roboter nach

Diesen – wie gesagt – nicht superneuen aber seit Jahren aktuellen Fragen widmet sich jetzt das charmante, gut gemachte "Funk"-Format "Dinge erklärt – Kurzgesagt" auf YouTube. Der Reihentitel hält, was er verspricht: Das Video schafft es, innerhalb von sechseinhalb Minuten einen riesigen, eigentlich sehr komplexen Sachverhalt oberflächlich aber sachdienlich zu erklären. Nachher weiß man definitiv mehr – beziehungsweise verfügt zumindest über Rüstzeug für ein Party-Gespräch zum Verhältnis zwischen Mensch und Maschine.

"Dinge erklärt" führt zu Anfang das Beispiel eines intelligenten Toasters ein, der das Internet für einen nach Toast-Rezepten durchsucht, einen nach dem Befinden fragt und sich mit einem über die neueste Toast-Technologie austauscht. "Ab wann zählt ein Toaster als Lebewesen? Ab wann wirst du dich fragen, ob er Gefühle hat? Und wenn er welche hat: Wäre es Mord, ihm den Stecker zu ziehen? Könntest du ihn immer noch besitzen? Werden wir unseren Maschinen irgendwann Rechte zugestehen müssen?“ Diesen Fragen wird im weiteren Verlauf des Videos nachgegangen.

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Es geht um Echtheit, um Simulation – und darum, wie es überhaupt zu Rechten kommt. "Der Anspruch auf Recht setzt ein Bewusstsein voraus, egal ob bei Menschen oder Tieren", heißt es im Video. Dabei wüsste keiner so genau, was das überhaupt sei, ein Bewusstsein.

Einige Neurowissenschaftler*innen glauben, so heißt es weiter, dass jedes System, das weit genug fortgeschritten ist, ein Bewusstsein entwickeln kann – sodass irgendwann selbst ein Toaster sich seiner selbst bewusst sein könnte.

Braucht ein Toaster Menschenrechte?

Aber wie sinnvoll wäre es, ihm unsere Rechte zu geben? "Wir spüren Schmerz, sind uns dessen bewusst. Ein Roboter fühlt aber keinen Schmerz", so eine erste Schlussfolgerung der Video-Macher*innen. Für jemanden, der nicht zwischen Freud und Leid unterscheiden könne, seien Rechte unbedeutend. Denn genau darauf würden Rechte abzielen: uns vor Schmerz zu schützen. Es würde immer um die Frage gehen: Ist etwas fair oder unfair?

Würde der besagte Toaster sich zum Beispiel unwohl fühlen, wenn wir ihn einsperren würden? Würde es ihn verletzen, wenn wir ihn beleidigen? Hätte er etwas dagegen, verschrottet zu werden, wenn er doch keine Angst vor dem Tod hat?

Nein? Und wenn wir ihn wie einen Menschen programmieren, wäre er dann menschlich genug, um ihm Menschenrechte zuzusprechen? Wenn Künstliche Intelligenz selbst lernt, Künstliche Intelligenz zu bauen, werden wir Menschen kaum kontrollieren können, wie jene Roboter programmiert sind – so die nicht gerade beruhigend klingende Zwischen-Conclusio im Video.

Schlussendlich würde es bei der ganzen Sache um menschliche Identität gehen. Und diese stütze sich, so "Dinge erklärt", auf unsere Außerordentlichkeit. Dieses Verständnis führte selbst noch im Zeitalter der Aufklärung im 17. Jahrhundert dazu, dass der französische Philosoph René Descartes Tiere als Automaten ansah, also quasi als Roboter. Daraus folgt natürlich, dass man mit ihnen auch umgehen kann wie mit "Dingen".

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Aber was würde denn passieren, wenn wir Robotern Menschenrechte zusprechen würden? Es hätte, das zeigt das Video gut auf, zum Beispiel riesige wirtschaftliche Folgen. Denn Roboter ersetzen ja schon jetzt einen Großteil menschlicher und tierischer Arbeit – auch dort, wo sie Menschen- oder Tier-unwürdig wäre. Würden wir plötzlich von Sklaverei sprechen oder von Massen-Roboter-Haltung?

Die Frage nach (Menschen-)Rechten für Roboter ist deshalb eine solch schwierige philosophische Frage, weil sie danach fragt, was uns Menschen menschlich – also zu Menschen – macht. Wieso haben wir die (Menschen-)Rechte verdient? Und andere – Tiere, Roboter – nicht?

Bis wir diese Frage(n) beantworten können, wird wohl noch ein wenig Zeit ins Land gehen. Während dessen können wir Siri höflich bitten, Netflix zu öffnen und "Blade Runner 2049" abzuspielen. Und ihn*sie lieb fragen, ob sein*ihr Popcorn süß oder salzig sein soll.

Szene aus "Blade Runner 2049": Kann man sich in eine KI verlieben?

ml

  • Quelle:
  • Noizz.de