Wir müssen nicht jeden Quatsch mitmachen, echt.

„Normalzeit“ nennen sie das, was wir am Wochenende wieder in unseren Uhren einstellen sollen. In der Nacht von Samstag auf Sonntag stellen wir sie eine Stunde zurück, von drei auf zwei Uhr.

Wenn wir um sieben Uhr aufstehen, fühlt es sich also an wie acht Uhr am Morgen. Es ist schon hell, Morgenmuffel kommen besser in den Tag, Schüler sind fit für die Schule. Eigentlich eine gute Sache, oder?

Lasst mich da bitte raus.

Ich bin dagegen.

Ich möchte diese „Normalzeit“ nicht. Ich stell gern meine Uhr um, wenn ihr alle drauf besteht. Aber mein Leben? Nö. Ich lebe weiter nach Sommerzeit.

Ich habe eine sehr zuverlässige innere Uhr, die mir einen angenehmen Tagesrhythmus beschert. Es ist eine schöne Uhr, golden mit kleinen Diamanten drin und einem Uhrwerk, auf das seine niedersächsischen Macher stolz sein können.

Ich wache morgens entspannt auf und schlafe abends gut ein. Zwischendurch arbeite ich, kriege irgendwann Hunger, habe irgendwann am Nachmittag keine Lust mehr, abends noch einen motivierten Schub und dann gehe ich ins Bett. Ende, Repeat.

Und zweimal im Jahr kommt irgendeine Regelung aus der Vergangenheit und schlägt mit dem Hammer auf meine schöne kleine goldene Uhr. Peng! Das war’s dann wieder.

Als Kind hat mich das völlig fertig gemacht, wirklich. Vor allem Ende März, wenn es dann heißt: (gefühlt) früher aufstehen und wieder im Dunklen mit dem Rad zur Schule, obwohl ich vorher schon bei Tageslicht unterwegs gewesen war. Ich war unfassbar nervös und übernächtigt.

Unser Problem ist gar nicht die Sommerzeit. Unser Problem ist die Normalzeit, also die Winterzeit. Sie sorgt dafür, dass wir im Winter wertvolle Stunden des Tageslichts bei der Arbeit verbringen. Dabei wäre das in den Randmonaten durchaus vermeidbar, wenn wir einfach bei der Sommerzeit blieben.

Argumente pro und Contra Zeitumstellung stehen hier. Und wir müssen jetzt mal darüber reden, warum wir das eigentlich mitspielen.

Heutzutage ist das für mich natürlich einfacher als als Schulkind. Ich bin Anfang 30 und ich muss gar nix. Aber dafür sehe ich, wie wir ab November alle nur noch im Dunklen nach Hause kommen. Das hat mich zum Nachdenken gebracht.

74 Prozent der Deutschen sind gegen die Zeitumstellung. Für einen Volksentscheid wäre das eine stabile Mehrheit, aber irgendwie tun wir uns schwer damit, so etwas anzusetzen.

Also kommen wieder alle an und geben Tipps für die Zeitumstellung. Sport bla bla, Tage vorher schon anpassen, viel Trinken bla.

Ich brauche keine Tipps für die Zeitumstellung. Ich brauche Tipps dagegen.

Also lasst uns eine Revolution von unten starten! Das geht so:

  1. Wir stellen unsere Uhren ordnungsgemäß um.
  2. Aber unser Leben lassen wir, wie es ist. Stehen also um 6 auf – und weil 6 sich anfühlt wie 7, tut das auch gar nicht weiter weh. Ist nur ein Beispiel, ihr könnt aufstehen, wann ihr wollt. Hauptsache, ihr bleibt bei eurer Sommerzeit.
  3. Mit der gewonnenen Stunde am Morgen tun wir Dinge, die wir sonst abends getan hätten.
  4. Wir bringen möglichst viele Menschen dazu, es ähnlich zu halten, Critical Mass und so.
  5. In Jobs ohne zwingende Arbeitszeit könnten Chefs ihren Mitarbeitern ermöglichen, eine Stunde eher zu arbeiten – und dann noch im abendlichen Herbstlicht nach Hause zu radeln.

Ich weiß, das geht nicht für alle. Wer mit Kundenkontakt arbeitet, der muss bis zum bitteren Ende da bleiben. Und wer spät arbeitet, der braucht die Stunde mehr Schlaf am Morgen, schließlich verliert er sie abends.

Gleichzeitig gibt es erstaunlich viele Jobs, in denen wir viel flexibler sein könnten, wenn wir unsere Zwänge hinterfragen. Und das sollten wir tun, denn wer so arbeitet, wie es gut für Kopf und Körper ist, der macht seinen Job besser, lernt besser – und fühlt sich dabei besser.

Also bitte, macht eure komische „Normalzeit“, wenn ihr es nicht lassen könnt. Aber lasst mich da raus. Ich hab früh angefangen, ich mach früh Feierabend.

Quelle: Noizz.de