So sehen Essstörungen aus: 20 Frauen erzählen ihre Geschichte in Bildern

Julia Beil

Politik, Lifestyle & Mode
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In „I want to disappear“ erzählt eine Fotografin die Geschichte von 20 Frauen mit Essstörungen Foto: Mafalda Rakoš / I want to disappear

„Ich will verschwinden.“

Essstörungen sind oft unsichtbar. Weil Betroffene sich schämen, sich wünschen, dass niemand sie mehr wahrnimmt, weil sie „verschwinden“ möchten. Menschen mit Magersucht, Bulimie, Binge Eating und all den Dazwischen-Krankheiten sind oft einsam, weil sie sich verstecken. Mafalda Rakoš (23) möchte das ändern.

Die Österreicherin ist Fotografin und litt selber unter Anorexie, ungefähr sechs Jahre ist das her. Sie hat jetzt etwas geschafft, das Wenigen gelingt: Mafalda hat 20 Frauen, die an unterschieldlichen Essstörungen leiden, in ihrem Alltag mit der Krankheit begleitet.

Dabei ist sie so nah an sie herangekommen, dass die Frauen ihr schließlich den größtmöglichen Vertrauensbeweis lieferten, indem sie zu ihr sagten: Du darfst meine Krankheit öffentlich machen. Du darfst mein Gesicht zeigen.

In ihrem Bildband „I want to disappear“ („Ich will verschwinden“) zeigt die österreichische Fotografin jetzt Fotos der vielen Gesichter von Essstörungen. Darauf zu sehen sind nicht nur die erkrankten Frauen selbst, sondern all die Orte, Gegenstände und Stimmungen, die diese Krankheiten ausmachen.

Foto: Mafalda Rakoš / I want to disappear

Mafalda: „Für mich zeigt dieses Bild die Ambivalenz hinter dem Essen. Die Messer sehen brutal aus. Es ist wie ein Kampf mit dir selbst, jedes Mal, wenn du eine Scheibe Brot isst.“

Foto: Mafalda Rakoš / I want to diappear

Eine essgestörte Frau entwarf diese „Vermessungsanlage“ für ihren eigenen Körper – der Graph zeigt die Sucht nach Selbstkontrolle, die viele Essgestörte haben.

Foto: Mafalda Rakoš / I want to disappear

Dies ist Mafaldas Lieblingsbild. Es zeigt Marie, sie litt fast sechs Jahre unter Bulimie – Ess-Brech-Sucht. Mafalda mag das Foto aus mehreren Gründen besonders: „Es zeigt, dass vielen essgestörten Mädchen nicht klar ist: Wo ist meine eigene Position im Leben? Wo gehöre ich dazu? Der verzerrte Unterkörper im Wasser spiegelt die verzerrte Wahrnehmung von einem selbst wider.“

Foto: Mafalda Rakoš / I want to disappear

Auch Barbara ließ sich von Mafalda fotografieren. Sie selbst sagt: „Das Schockierendste ist für mich, dass ich irgendwie nie über die Frage nachgedacht habe: ,Wann höre ich eigentlich auf damit, Gewicht zu verlieren?'“

Foto: Mafalda Rakoš / I want to disappear

Wohl eines der hässlichsten Gesichter vieler Essstörungen: die Toilettenschüssel. Eine der Frauen in Mafaldas Buch hat das Foto selbst gemacht und schreibt: „Auf dem Klo kann ich mir Zeit für mich selbst nehmen. Für mich ist das eine Art Stressbewältigung, wenn ich mich selbst schlecht behandle oder total strapaziert bin.“

Foto: Mafalda Rakoš / I want to disappear

Mit Ulrike erlebte Fotografin Mafalda etwas Besonderes. Als sie das Bild von sich selbst sah, war sie überrascht und sagte: „Wow, da ist eine Traurigkeit in mir, die ich selber gar nicht sehen kann.“ Sie habe gedacht, dass sie während der Aufnahme gelacht habe. Doch wer das Foto ansieht, könne sehen, wie sie sich wirklich fühle.

Mafalda Rakoš möchte mit ihrem Buch Menschen sensibilisieren, sie will Essstörungen von einem Tabuthema zu etwas Öffentlichem machen. „Essstörungen sind ganz stark stigmatisiert. Mein Anliegen ist, dem entgegenzuwirken“, sagt sie im Gespräch mit NOIZZ.

Die Zusammenarbeit mit den Frauen war schwierig – und ein langer Prozess. „Manchmal bin ich wirklich gegen Wände gelaufen.“ Doch auch daraus habe sie gelernt: „Ich habe lernen müssen, zu akzeptieren, wenn ich an Grenzen stoße. Ich denke, ich bin eine sensiblere Fotografin geworden.“

Auch die porträtierten Frauen konnten aus dem Projekt lernen, glaubt Mafalda: „Viele Frauen aus dem Buch haben sich selbst gezeigt, wie stark und mutig sie sind. Jetzt ist da diese Freude: Wir haben gemeinsam etwas bewirkt.“

Wer den Bildband bestellen möchte, kann das hier tun.

Quelle: Noizz.de

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