Warum du die Finger von Googles Android-Phones lassen solltest

Alexej Hock

Politik, Musik & Soziales
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Zu jeder Google-App gibt es eine Alternative.

Du schaust auf deinem Android ab und zu YouTube-Videos an, nutzt Google-Maps, um von A nach B zu kommen und lädst dir Apps aus dem Play Store herunter? Klar, das machen ja fast alle. Aber weißt du eigentlich, was du damit jeden Tag von dir preisgibst?

Wir zeigen dir in dieser NOIZZ-Reihe, wie du Stück für Stück deine Privatsphäre zurückgewinnen kannst: Beim Surfen und Mailen, mobil und am Rechner. Das letzte Mal ging es darum, wie schlecht eigentlich WhatsApp ist. Jetzt knüpfen wir uns Android-Smartphones vor.

Marktführer Android

Android dominiert den Smartphone-Markt mit 85 Prozent Anteil und gehört zu Google. Nutzt du die Dienste des Internetriesen, stimmst du auch seiner Datenschutzerklärung zu, egal ob du nur googelst oder Gmail nutzt.

Dabei sammelt Google zum einen die Daten, die du bei der Anmeldung angegeben hast: E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Kreditkartennummer. Nutzt du weitere Dienste, kommen Termine, Mails, Notizen, Sprachbefehle und Suchanfragen dazu.

Zum anderen fließen bei der Benutzung der Dienste nebenbei unzählige Daten an den US-Konzern: Smartphonemodell, Bildschirmgröße oder auch die IMEI-Nummer deines Handys. Dein Android-Gerät kommuniziert ganz selbstständig mit Google und gibt deinen Akku-Stand weiter, welches WLAN du nutzt und ob dein Bildschirm gerade gesperrt ist.

Wenn das noch nicht creepy genug ist: Google speichert auch deine „Telefonieprotokollinformationen“ wie die Anrufernummer, Weiterleitungsnummer sowie Datum, Uhrzeit, Dauer und „Art“ von Anrufen – so heisst es in der Datenschutzerklärung.

Bequemlichkeit vs. Datenschutz

Gut, dafür sind Android-Smartphones auch einfach zu bedienen, kann man argumentieren. Was ist schon schlimm daran, dafür sind die Dienste ja kostenlos!

Ein Irrglaube, denn die Währung der digitalen Welt sind Daten. Denn wir alle handeln im Alltag aus einer persönlichen Motivation heraus. Und wenn Google meine Handlungen kennt, kann der Konzern Rückschlüsse ziehen in Bezug auf unsere Einstellung, Lebenslage und Bedürfnisse.

Je länger wir solche Dienste nutzen, desto schärfer lässt sich aus den Daten das Bild einer Person zeichnen. Wer sich schon immer gefragt hat, was der „gläserne Mensch“ denn eigentlich bedeutet – genau das.

Wir wissen nicht, was in Zukunft mit unseren Daten geschieht

Und was, wenn all diese Daten einer autoritären Regierung in die Hand fallen? Was, wenn du beim nächsten USA-Besuch nicht ins Land gelassen wirst, weil du mit deiner Gmail-Adresse bestimmte Äußerungen getätigt hast?

Daher solltest du dich von dem Gedanken verabschieden, dass all deine Daten wertlose Informationen sind. Das Gegenteil ist der Fall. Und deswegen zeigt NOIZZ dir, wie du den größten Datensammler Google Stück für Stück aus deinem Smartphone verbannst.

Apps & Store

Die Google Play-Dienste sind DIE Schnittstelle für die Datenübertragung von deinem Smartphone an Google. Möchte ein Entwickler, dass z.B. eine Banking-App auf Google Maps anzeigt, wo der nächste Automat ist, greift er auf fertige Programmblöcke von Play. Auch dabei gehen Daten an Google, doch die Codes sind nicht öffentlich.

Für viele datenhungrige Apps gibt es Alternativen. Diese werden im F-Droid Store gesammelt und sind frei und quelloffen. Das heisst, deren Code ist öffentlich einsehbar. So können Programmierer die Apps auf Herz und Nieren testen und Schwachstellen feststellen.

Hier findet ihr OsmAnd statt Google Maps, Firefox statt Chrome, K9 statt Gmail oder auch Signal oder Conversations. Diese Messenger sind sicherer als WhatsApp, wie NOIZZ berichtete. Mehr Informationen zum F-Droid-Store findest du auf dem Blog des IT-Bloggers Mike Kuketz.

Suchmaschine

Klar, die Google-Entwöhnung ist hart. Doch der Bruch muss gar nicht so hart sein. Der Dienst StartPage sucht zwar mithilfe von Google, löscht aber auf dem Übertragungsweg die Metadaten, also die Informationen zu Absender und Uhrzeit.

Einfach mal ausprobieren und als Standard-Suchmaschine einstellen!

Karten

OpenStreetMap beziehungsweise die App OsmAnd ist eine tolle Open Source Alternative zu Google Maps. Ihr könnt Karten für Berlin, Hamburg, Deutschland oder andere Länder auch einfach herunterladen und offline im Urlaub nutzen – praktisch und schnüffelfrei!

Mail

Zwar hat Google im Juni 2017 angekündigt, nicht mehr die Mails aus Gmail-Konten zu scannen, doch es schadet auch aus anderen Grünen keinesfalls, sich auch mit den Mails vom Internetriesen zu lösen.

Mailbox.org und Posteo top, Gmail flop – das war das Fazit des Providertests von Stiftung Warentest. In der Kategorie „Schutz und Privatsphäre“ gewann Mailbox.org mit der Bestnote 1,0.

Privatsphäre kostet: Sowohl Mailbox.org als auch Posteo kosten 1 Euro pro Monat. Doch damit kommt ihr billiger weg als mit euren Daten!

Im F-Droid Store findet ihr das Mailprogramm K9, wo ihr euren neuen Mailbox.org- oder Posteo-Account einrichten könnt.

Für die Profis gibt es dann noch die Möglichkeit, Emails zu verschlüsseln. Doch dazu wird NOIZZ einen eigenen Artikel bringen, stay tuned!

Kalender

Vergesst den Android-eigenen Kalender, denn die Einträge wandern direkt über den Pazifik in die Server von Google. Die Alternative lautet CalDAV. Findet ihr auch im F-Droid-Store!

Für Fortgeschrittene

Ein Google-Betriebssystem zu verwenden und gleichzeitig gegen die Datensammelwut des Konzerns anzukämpfen ist an sich paradox. Wer sich komplett von dem Internetriesen abkoppeln möchte, hat die Möglichkeit, ein Google-freies Android zu installieren: LineageOS, das Nachfolgeprojekt von CynogenMod.

Dieses modifizierte Android beinhaltet anders als dein voreingerichtetes Smartphone nicht den Google Play Store. Doch die Installation ist aufwendig: Du musst dein Handy rooten und verlierst vermutlich deine Garantie.

Doch wer die volle Dröhnung Sicherheit will, findet auf der Herstellerseite eine Liste mit unterstützen Geräten und Anleitungen zur Installation.

Fazit

Auch hier gilt: Je sicherer dein System ist, desto umständlich wird es. Im Endeffekt ist es also eine Sache der Abwägung, wie viel dir deine Daten wert sind.

Bequemlichkeit ist das größte Hindernis, das es zu überwinden gilt. Dabei existieren genug Alternativen zu den bekannten Apps, die den „Originalen“ in punkto Handling in nichts nachstehen. Probiert’s doch einfach mal aus!

Wie man nicht nur auf dem Smartphone, sondern auch auf dem Rechner vor der Datensammelwut großer Konzerne schützt, verraten wir im nächsten Teil dieser NOIZZ-Serie.

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Google Smartphone IT Sicherheit Privatsphäre
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