NOIZZ hat eine Expertin gefragt.

Präventionsmaßnahme oder echte Gefahr? Gestern berichtete NOIZZ von Kinder-Sexpuppen, die auf Amazon verkauft werden. Auf Facebook entstand daraufhin eine hitzige Debatte.

Viele waren der Meinung, dass Kinder-Sexpuppen gefährlich sind. Sie würden die Lust der Pädophilen steigern, sich an echten Kindern zu vergreifen.

Die Kinder-Sexpuppen auf Amazon kosten zum Teil mehrere tausend Euro

Andere Facebook-Nutzer fanden die nackten Puppen wichtig. Denn: Sie könnten als eine Art Ersatz dienen, um Pädophile vom Missbrauch abzuhalten.

Wir fragten Prof. Dr. Aglaja Stirn, Leiterin des Instituts für Sexualmedizin und Forensische Psychiatrie an der Universität Kiel, wie sie die Kinder-Sexpuppen einordnet.

Frau Prof. Dr. Stirn, auf Amazon kann man Kinder-Sexpuppen kaufen. Wussten Sie das?

Nein, das hätte ich nicht gedacht. Ich finde es auch höchst problematisch. Kinder-Sexpuppen sollte man sich nicht so leicht bestellen können.

Auf den Produktbildern werden die Puppen nackt und in unterschiedlichen Posen dargestellt. Was haben Sie gedacht, als Sie die Fotos sahen?

Das ist äußerst kritisch. Die Bilder grenzen an Kinderpornografie. Hätte man reale Kinder so gezeigt, wären die Fotos verboten.

Woher kommen die Puppen?

Diese Art von Sexualität wird vor allem in Japan sehr gemocht. Die Industrie dort entwickelt sich rasant, es werden immer extremere Reize bedient.

Und wie verbreitet sind sie in Deutschland?

Ich schätze, dass bei uns circa hundert Kinder-Sexpuppen im Jahr gekauft werden. Ich fürchte allerdings, dass ihre Beliebtheit steigt. Allgemein wird unsere Gesellschaft immer sexualisierter.

Was genau finden Pädophile an den Puppen attraktiv?

Vor allem das realistische Aussehen. Pädophile reagieren dabei nicht nur auf den Genitalbereich, sondern auf das gesamte Kindchenschema. Dabei spielt auch eine Rolle, dass die Puppen keine Haare im Intimbereich und nur sehr kleine oder gar keine Brüste haben.

Und mit den Puppen haben die Pädophilen dann Sex?

Da gibt es das gesamte Spektrum. Für den einen reichen sie als Masturbationsvorlage. Andere wiederrum geben den Puppen Namen und bauen eine reale Beziehung zu ihnen auf. Die setzen die Puppe dann auf einen Stuhl und sagen: „Das ist meine Freundin“.

Kann dadurch der sexuelle Missbrauch an echten Kindern gefördert werden?

Darüber streiten sich die Experten. Letztlich ist es bei jedem einzelnen Pädophilen immer eine Persönlichkeitsfrage. In Deutschland sind schätzungsweise 250.000 Menschen an Pädophilie erkrankt. Vielen davon reicht die Fantasie völlig aus …

Und wie sieht es bei denen aus, die sich eine Puppe bestellen?

Hier besteht die Tendenz, dass die Hemmschwelle gesenkt wird. Die Sucht nach einem realen Übergriff wird herbeigesehnt. Das ist insbesondere bei Leuten gefährlich, die ohnehin schon an der Grenze zum Missbrauch stehen. Die Studienlage ist allerdings nicht groß genug zu dem Thema.

Das heißt, wir brauchen mehr Forschung zu Kinder-Sexpuppen?

Definitiv. Es gibt viele wichtige Fragen, die beantwortet werden müssen. Und wenn Kinder-Sexpuppen einfach so bei Amazon bestellt werden können, dann erst recht.

  • Quelle:
  • Noizz.de