Die Symptome kommen manchmal nie zum Vorschein.

Warum es meinen Lehrern so unheimlich schwer fiel, uns zu erklären, was beim Anal-Sex zu beachten ist, bleibt mir schleierhaft.

Meinen ersten Sexualkunde-Unterricht bekam ich mit zwölf. Damals stand mein Lehrer vor unserer Klasse, sagte uns, dass Lachen kindisch sei und wir uns jetzt „wie Erwachsene“ verhalten müssten. Dann schob er eine VHS-Kassette aus den frühen 90ern in den Videorekorder des Medienwagen-Fernsehers, und wir sahen einen Zeichentrickfilm über Körperbehaarung, Pickel und Masturbation.

Das nächste Mal war ich dann 16 und sollte ein Kondom über einen Holz-Penis stülpen. Die richtige Sexualkunde fand währenddessen in meinem Freundeskreis statt, durch den Austausch eigener Erfahrungen – und den daraus resultierenden Fehlern.

Eigentlich ist es ein Unding, dass man in Sachen Sex erst mal Fehler machen muss, um daraus zu lernen. Es kann doch nicht sein, dass die eigene Gesundheit nach dem Trial-and-Error-Prinzip verfahren muss, nur weil sich eine Lehrkraft vor versammelter Horde pubertierender Kinder nicht traut, über Anal-Sex, den weiblichen Orgasmus oder Pilze zu reden.

Doch solchen Lehrkräften kann nicht alleine die Schuld in die Schuhe geschoben werden. Auch Frauenärzte suchen aus Zeitmangel angesichts zu vieler Patientinnen oft die naheliegendsten Erklärungen und Heilmittel. So werden viele Krankheiten erst mal als Pilz abgetan – schnell und relativ unkompliziert diagnostiziert und heilbar. Passt. Dabei verbergen sich hinter ähnlichen Symptomen auch andere sexuell übertragbare Krankheiten, die ohne Heilung schlimme Folgen haben können.

Vielleicht müssen wir uns in Anbetracht gepeinigter Lehrkräfte und überforderter Ärzte einfach gegenseitig ein bisschen weiterbilden. Dabei helfen Gespräche mit Freunden und die eigene Initiative, bei Ärzten gezielt nach bestimmten Tests zu fragen. In diesem Sinne stelle ich dir hier vier sexuell übertragbare Krankheiten vor, die du vielleicht jetzt gerade in diesem Moment hast – ohne es zu wissen.*

1. Chlamydien

Die Hälfte der Männer und Zweidrittel der Frauen mit Chlamydien haben jahrelang keine Symptome. Anzeichen sind: außergewöhnlich viel vaginaler Ausfluss oder Blutungen, Schmerzen beim Sex oder Toilettengang. Unbehandelt können Chlamydien bei Männern wie Frauen zu Unfruchtbarkeit führen. Behandelt werden können sie mit Antibiotikum.

2. Genital-Herpes

Mehr als 80 Prozent der Infizierten wissen nicht, dass sie Genital-Herpes haben. Es ist sehr üblich für Patienten, ein Leben lang infiziert zu sein, ohne davon zu wissen. Häufig gibt es auch gar keine Symptome. Menschen mit Genital-Herpes können das Virus aber trotzdem an einen Partner weitergeben, bei dem dann Symptome wie schmerzhaften Bläschen auftauchen.

3. Tripper

Tripper wird oft mit den Anzeichen für einen schnell heilbaren Pilz verwechselt. Symptome sind zum Beispiel außergewöhnlich viel vaginaler Ausfluss, Juckreiz im Genital-Bereich oder häufiger Harndrang. Ohne richtige Behandlung kann Tripper zu Infektionen oder Unfruchtbarkeit führen. Er kann mit Antibiotikum behandelt werden.

4. Ureaplasma

Ureaplasma-Bakterien können per Speichel oder sogar Atmung übertragen werden. 70 Prozent der sexuell aktiven Bevölkerung hat mindestens einmal im Leben diese Bakterien.

Oftmals zeigen sich zu Beginn einer Infektion keine Symptome, sondern erst zehn Tage nach einer Ansteckung. Symptome sind unteranderem ein brennendes Gefühl beim Urinieren, Unterleibsschmerzen und ein außergewöhnlicher Ausfluss. Ohne Behandlung kann eine Infektion mit Ureaplasma-Bakterien zu Unfruchtbarkeit führen. Bei vielen Frauen kommt eine Infektion häufig ganz ohne Symptome daher und bleibt deswegen unbehandelt. Bei schwangeren Frauen können die Bakterien zu Früh- oder Totgeburten führen.

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* Dieser Artikel dient lediglich dazu, Aufmerksamkeit für die eigene Gesundheit zu wecken. Für eine ernsthafte Beratung solltest du auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Die telefonische Beratung der Aids-Hilfe erreicht ihr unter 0180 33 19411. Hier kannst du verifizierten Ärzten schnelle Fragen im Online-Chat stellen.

Quelle: Noizz.de