Wir haben Kinder-Sexpuppen auf Amazon gefunden

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Sie haben Kulleraugen, tragen Reizwäsche und wirken erschreckend real.

Pädophile bestellen sie sich nach Hause, um „Sex“ mit ihnen zu haben.

Die Rede ist von Silikonpuppen, die wie echte Menschen aussehen. Genauer gesagt: wie kleine nackte Mädchen.

Zuletzt sorgten die Puppen in Großbritannien für Schlagzeilen. Mehr als 120 der sogenannten „Child Sex Dolls“ wurden innerhalb eines Jahres vom britischen Zoll beschlagnahmt.

Sie sollen angeblich auf Onlineplattformen wie Amazon verkauft worden sein. Das behauptet zumindest die National Crime Agency.

Halt, Stopp, Moment mal ... Wirklich? Amazon, der größte Onlineversandhändler der Welt, soll Kinder-Sexpuppen verkaufen?

Wir konnten es kaum glauben – und gingen der Behauptung nach.

Das schockierende Ergebnis: Wer die richtigen Suchbegriffe kennt, wird bei Amazon mit nur wenigen Klicks fündig. Wir sind auf „Erwachsenen-Spielzeug“ gestoßen, das uns nachhaltig verstört hat.

Auf Produktbildern werden die Puppen in den verschiedensten Posen dargestellt Foto: Screenshot / Amazon

Denn die dort angebotenen Sexpuppen sehen tatsächlich aus wie kleine Mädchen. Sie wirken extrem realistisch, haben schmale Lippen und eine flache Brust. Die Silikonhaut fühlt sich laut Hersteller „vollkommen echt an“.

Auf Produktbildern werden die Puppen nackt und in verschiedenen Posen dargestellt. Wer noch mehr Fotos sehen will, wird dazu aufgefordert, eine E-Mail an den Hersteller zu schreiben.

Doch die Bilder auf Amazon erinnern schon jetzt an Kinderpornos!

Mehr als tausend Euro kann eine Puppe kosten. Die Produzenten kommen überwiegend aus Asien und liefern weltweit – auch nach Deutschland.

„Geht die Puppe auch sicher durch den Zoll?“, fragt ein Kunde im Fragen und Antworten-Katalog auf Amazon. „Ja, es ist sicher“, schreibt der Hersteller zurück.

Sie können die Hemmschwelle für echten Missbrauch senken

In Deutschland ist jede Form von kinderpornografischer Darstellung verboten. Dazu gehören auch „körperliche Gebilde“, wie etwa die Puppen auf Amazon.

Einer, der dieses Gesetz nicht nachvollziehen kann, ist Shin Takagi. Der Japaner hat eine eigene Firma, die Kinder-Sexpuppen auf der ganzen Welt verkauft. Er behauptet: Die Puppen halten Pädophile davon ab, sich an echten Kindern zu vergreifen.

Diese Puppe ist nur eine von vielen, die es auf Amazon zu kaufen gibt Foto: Screenshot / Amazon

Aber stimmt das? Können Kinder-Sexpuppen eine Präventionsmaßnahme für potentielle Missbrauchstäter sein?

„Daran scheiden sich die Geister“, sagt die Sexual- und Psychotherapeutin Heike Melzer. „Für manche Pädophile können die Puppen tatsächlich eine Art Substitut darstellen. Sie müssen ihrer Neigung dann nicht in der Realität nachgehen.“

Doch laut Melzer können die Puppen auch richtig gefährlich werden. Sie würden die Hemmschwelle herabsetzen und Anreize zum Missbrauch an Kindern geben. „Bei manchen Pädophilen verschieben sich die Realitäten. Die Puppe ist dann ein normaler Teil ihres Lebens und sie denken sich: Jetzt will ich auch mal ein echtes Kind haben.“

„Die genannten Produkte sind nicht mehr erhältlich"

Kritisch ist der Verkauf der Puppen also allemal. Auch weil bisher nicht erforscht wurde, welche genauen Auswirkungen sie auf das Verhalten von Pädophilen haben. Bisher gibt es nur Vermutungen.

Wir wollten wissen, was Amazon selbst zu seinen umstrittenen Produkten sagt – und schickten dem Onlinehändler Links zu seinen Angeboten.

Dazu stellten wir folgende Fragen:

In der Produktbeschreibung weist der Hersteller auf schnellen und diskreten Versand hin Foto: Screenshot / Amazon
  1. Ist Ihnen bekannt, dass Sexpuppen mit dem Aussehen von Kindern auf Amazon verkauft werden?
  2. Verstößt das gegen die Richtlinien von Amazon?

Wir erhielten daraufhin folgende Antwort von Amazon-Sprecher Christian Blum:

„Amazon Marketplace-Verkäufer sind verpflichtet, sich an unsere Verkaufsbedingungen zu halten. Erlangen wir Kenntnis über einen Verstoß unserer Verkaufsbedingungen, ergreifen wir entsprechende Maßnahmen, die unter Umständen die Schließung des Verkäufer-Kontos beinhalten können. Die genannten Produkte sind nicht mehr bei Amazon erhältlich.“

Amazon druckst herum

Aha. Endlich Gewissheit! Die Richtlinien sagen also, dass …

Moment mal.

Hat sich der Pressesprecher gerade vor einer Antwort gedrückt? Zumindest sind wir jetzt genauso schlau wie vorher.

„Sorry, wir konnten die Seite nicht aufrufen“ steht nun dort, wo vorher eine Kinder-Sexpuppe zu kaufen war. Amazon hat die Produkte tatsächlich von seiner Seite gelöscht. Ein Zeichen dafür, dass die Puppen gegen die Richtlinien verstoßen?

Amazon hat das Angebot von einer Kinder-Sexpuppe entfernt Foto: Screenshot / Amazon

Offenbar nicht!

Denn Amazon hat nur die Angebote entfernt, die wir ihnen per Link schickten. Wir suchten jedoch weiter und fanden noch mehr Kinder-Sexpuppen.

Warum diese nicht auch gelöscht wurden? Vielleicht konnte Amazon bisher nicht „die Kenntnis über einen Verstoß der Verkaufsbedingungen erlangen“.

Vielleicht hat der Konzern aber auch einfach kein Interesse an dieser Kenntnis.

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