Alle regen sich auf und dennoch ist es immer wieder Thema.

Wir alle kennen das. Man sitzt im Auto und fährt an einer Unfallstelle vorbei. Oft sind bereits Rettungskräfte da, Erleichterung macht sich breit, die Verpflichtung Erste Hilfe zu leisten, betrifft einen nicht mehr. Einen neugierigen Blick können sich dennoch die Wenigsten verkneifen.

Wirklich schlimm ist solches Verhalten nicht. Erst wenn die Rettungskräfte durch das Gaffen an ihrer Arbeit behindert werden, wird es kritisch. Dann tritt das eigene Interesse an einer Sensation in den Vordergrund und mit ihr die Rücksichtslosigkeit. So geschehen in der vergangenen Woche auf der A9 bei Münchberg. 18 Menschen sterben in einem brennenden Reisebus.

Die Feuerwehr konnte nichts tun, der Bus brannte komplett aus

Insgesamt sind 200 Rettungskräfte im Einsatz. Sie kommen aber erst später am Rettungsort an, als es ihnen möglich gewesen wäre. Der Grund: Die Rettungsgasse wird nicht richtig gebildet. Am Unfall vorbei fahrende Autos bremsen ab, die Fahrer riskieren einen Blick, alles verlangsamt sich. 30 Menschen können sich aus dem Bus retten. Für die anderen Passagiere kann die Feuerwehr nichts mehr tun, die Hitzeentwicklung ist zu hoch. 18 Menschen verlieren ihr Leben.

Dabei ist das Bilden einer Rettungsgasse Pflicht. Wer sich nicht an die Vorschriften der Rettungsgasse hält, kann ein Bußgeld in Höhe von 20 Euro kassieren. Nicht unbedingt viel wenn man bedenkt, dass von einer Rettungsgasse Leben abhängen können. Deshalb wollte die Bundesregierung das Bußgeld auch auf 105 Euro erhöhen. Die Bundesregierung zog den Verordnungsentwurf für die Bußgelderhöhung letzt Woche zurück. Zahlreiche Länderregierungen hatten kritisiert, die Bußgeldsumme wäre immer noch zu niedrig.

Damit ihr im Ernstfall wisst, wie ihr euch bei einer Rettungsgasse verhalten müsst, zeigt dieses Video noch einmal die Regeln.

Ein weiterer Fall ereignet sich vergangene Woche, während der Ausschreitungen anlässlich des G-20 Gipfels in Hamburg.

Auf der einen Seite: Die Polizisten.

Die Polizei versuchte, wie hier mit Wasserwerfern, der Lage Herr zu werden

Auf der anderen Seite: Hinter brennenden Barrikaden Menschen, die sich als Protestler verstehen, in Wahrheit an diesem Abend aber in vielen Fällen Vandalen und Kriminelle sind.

Eines der vielen Feuer auf den Hamburger Straßen der vergangenen Woche

Dazwischen: Schaulustige, welche die Ereignisse gespannt verfolgen, saufen und die ein oder andere Seite anfeuern – wie bei einem Hahnenkampf. Zusätzlich werden Bilder und Videos gemacht und in den Sozialen Medien verbreitet. So werden gaffende Katastrophentouristen auch noch mit Aufmerksamkeit belohnt!

Wer nicht live vor Ort sein kann, verfolgt einen der zahlreichen Livestreams im Internet. Jedes Mal, wenn ein neuer Brandherd oder schwerbewaffnete Polizeikräfte in Aktion gezeigt werden, steigen die Zuschauerzahlen sprunghaft an. „Im Mittelalter pilgerten die Leute dorthin, wo Menschen am Galgen hingen. Es gab schon immer eine Art Gaffer-Tourismus, wenn’s um Leben und Tod ging“, sagt Psychologe Dr. Wolfgang Krüger in einem Interview mit der Hamburger Morgenpost. Auch im alten Rom feuerten Menschen die Gladiatoren in Kämpfen an, das Kolosseum erinnert noch heute daran.

Somit bleibt zumindest der Trost, dass Deutschland keine extraordinäre Gaffernation ist. Der Mensch scheint einfach allgemein eine starke Veranlagung zum Gaffen zu haben.

Quelle: Noizz.de