Kein Lockdown: Schweden ging im Zuge der Corona-Pandemie einen Sonderweg. Es sollte damit Herdenimmunität erreicht und so das Virus besiegt werden. Eine neue Studie belegt, dass diese Strategie gescheitert ist.

Beinahe weltweit bedeutete der März 2020 entscheidende Einschränkungen des öffentlichen Lebens: Keine Restaurants waren mehr geöffnet, Reisen untersagt und die Bevölkerung angehalten, sich möglichst nicht mit anderen Menschen zu treffen. Anders in Schweden: Lediglich Ansammlungen von über 50 Menschen waren untersagt, ansonsten lief das Leben hier trotz Corona weiter wie bisher.

Strategie: Herdenimmunität in Schweden

Damit sollte Herdenimmunität erreicht werden. Also das gezielte Anstecken von möglichst vielen Menschen – außerhalb der Risikogruppe – und somit eine großflächige Bildung von Antikörpern. Die einfache Rechnung: Wenn alle das Virus einmal hatten, kann ihnen Corona danach nichts mehr anhaben.

Es war von den Entscheidungsträger*innen so geplant, dass bis Mai 2020 genug Menschen immun sind, und sich bis dahin mindestens 40 % der Bevölkerung angesteckt und den Virus überwunden haben müssten. Leider hat das nicht funktioniert.

Corona-Antikörper bilden sich nicht automatisch

Die Wissenschaftler*innen und Autor*innen einer Studie für das "Journal of the Royal Society of Medicine" schreiben, dass es bisher nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung sind, die das Coronavirus haben. Noch entscheidender: Dank Untersuchungen und Beobachtungen muss angenommen werden, dass sich Antikörper nicht so leicht wie gedacht bilden.

Es wurde etwa herausgefunden, dass bei mildem Corona-Verlauf gar keine Sicherheit besteht, nach der Infektion immun zu sein. Bedeutet also: Menschen, die zwar Corona hatten, aber nicht komplett ausgeknocked durch das Virus waren, können easy erneut angesteckt werden. Bedeutet also auch, dass die Infektionsraten immer wieder neue Höhen erreichen können und danach für nichts garantiert ist.

Schweden und Corona: Eine Gefahr?

Schweden machte bereits zu Beginn der Pandemie Schlagzeilen. Neben dem skandinavischen Land versuchte es England zu Anfang auch mit Herdenimmunität, änderte nach rasant steigenden Infektionszahlen und massiver Kritik jedoch wieder den Kurs.

Schwedens Chef-Epidemologe Anders Tegnell spricht sich gegen Maskenpflicht aus.

Schweden hielt aber durch, wird und wurde jedoch ebenfalls stark kritisiert: In dem Bericht der oben genannten Studie wird davon gesprochen, dass die Infektionszahlen, anders als in den Nachbarländern, stetig steigen und deutlich erhöht sind. Es steht die Frage im Raum, inwiefern Schweden dadurch zur Gefahr für Skandinavien und Europa darstellt.

Aktuell hat Schweden 57 Tote pro 100.000 Einwohner*innen. Im Vergleich dazu: In Deutschland liegt diese Zahl lediglich bei 11. Das ist natürlich keine gute Bilanz für Schweden. Inwiefern die neuen Erkenntnisse einen Corona-Strategiewechsel in Schweden bewirken, ist noch nicht bekannt.

  • Quelle:
  • Noizz.de