Das Buch aus dem Jahr 2017 ist für Medizinstudent*innen und verbreitete Vorurteile über das Schmerzempfinden von Menschen verschiedener Herkunft. Eine Twitter-Userin kramte es im Zuge der Black-Lives-Matter-Bewegung wieder hervor – und konfrontierte damit andere Medizin-Student*innen.

Auf Twitter ging kürzlich ein Tweet viral. Darin zeigt eine Studentin eine Seite aus einem Medizin-Lehrbuch. Der Inhalt ist so brisant, dass etliche User*innen ihr Entsetzen in den Kommentaren zum Ausdruck brachten.

Der Titel der Seite hört sich eigentlich woke an: "Focus on Diversity and Culture" – "Schwerpunkt kulturelle Vielfalt". Doch was sich auf den Buchseiten befindet, ist alles andere als aufgeklärt. Das Lehrbuch listet sechs Zuordnungen auf: Araber/Muslime, Asiaten, Schwarze, Juden, Latinos und Indigene Völker. Dann listet es für alle diese Identitäten auf, wie diese Menschen mit Schmerz umgehen würden. Doch das passiert in einer Art und Weise, die unfassbar stereotypisch, verallgemeinernd und größtenteils einfach falsch ist. Auch lässt sie die verschiedenen Kulturen als ignorant gegenüber moderner Medizin dastehen.

"Juden können laut und fordernd klingen, wenn sie Hilfe brauchen", "Chinesische Kund*innen fragen nicht nach Medikamenten, weil sie die Pflegekraft nicht von einer Aufgabe abhalten wollen", "Schwarze berichten oft von größeren Schmerzen, als andere Kulturen", "Araber und Muslimen wollen oft keine Schmerzmittel, sondern danken Allah für den Schmerz, da er zum Heilungsprozess gehört".

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Auch wird in dem Abschnitt nicht von "Amerikaner*innen" oder "Christ*innen" oder "Weißen" gesprochen, was zeigt, dass die Verfasser*innen des Lehrbuchs davon ausgingen, dass nur weiße Menschen das Buch für Medizinstudent*innen in die Hände bekommen würden. Als seien sie die Einzigen, die jemals an einer Medizin-Universität studieren würden, und ihre Reaktion auf Heilungsmethoden die "normale" oder "vernünftige" wäre.

Der Verlag entfernte den Abschnitt mittlerweile

Die Aussagen stammen aus dem Lehrbuch "Nursing: A Concept Based Approach to Learning" des Pearson-Verlags. Das Buch stammt aus dem Jahr 2017. Schon damals gab es für die Passage einen riesigen Shitstorm, der den Verlag dazu brachte, sich für den Abschnitt zu entschuldigen. Ferner noch wurde er von neueren Auflagen entfernt, das berichtete damals der Sender "BBC".

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Im Zuge der Black-Lives-Matter-Bewegung kramte Lindsay, die Verfasserin des nun viralen Tweets, das Lehrbuch nun wieder hoch. Sie wollte mit dem Tweet auch alle konfrontieren, die etwas Medizinisches studieren und sich nicht kritisch mit dem Thema "Black Lives Matter" oder "Rassentheorie" auseinandersetzen würden. Das schreibt sie auf Twitter.

Symbolbild: "Black Lives Matter"-Proteste

Vorurteile können in der Medizin ernsthafte Konsequenzen haben

"Wenn du Medizin studierst und nicht das Problem mit diesem Abschnitt siehst, dann solltest du dir einen anderen Beruf suchen", schreibt eine Twitter-Userin in Reaktion auf Lindsays Tweet.

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Tatsächlich fand eine Studie aus dem Jahr 2016, dass Ärzte, die Vorurteile gegenüber bestimmten Menschen haben, diese schlechter diagnostizieren.

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  • Quelle:
  • Noizz.de