Wie ernährt man sich am gesündesten? Muss man wirklich Superfoods essen und Smoothies trinken, um möglichst lange zu leben? Wir haben uns mal ein paar Food-Mythen angeschaut.

Gibt es auf unserem Planeten eigentlich irgendwas, das so essenziell und gleichzeitig zu so einem Lifestyle-Ding geworden ist, wie Essen? Ob Keto-Fan, Paleo-Jünger, Rohkostler*in oder Fast-Food-Junkie: Irgendwie hat mittlerweile gefühlt die ganze Menschheit die Nahrungsaufnahme zu so was wie einer Religion erhoben – entfacht von allerlei Essenstrends. Und obwohl es viele Studien gibt, halten sich einige Gerüchte immer noch hartnäckig. Zeit, diese mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

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1. Fünfmal täglich Obst und Gemüse – wer hat sich diese Regel eigentlich ausgedacht?

Eine perfekt gereifte, zuckersüße Mango, saftige Wassermelonenstückchen oder knackfrische Salatblätter: Obst und Gemüse ist lecker und gesund. Darin stecken wichtige Vitamine, die wir brauchen, um fit zu bleiben – das bestätigen zahlreiche Studien. Aber warum sollen wir ausgerechnet fünfmal täglich zu Karotte, Apfel, Spinat, Gurke oder Orange greifen? Warum nicht drei- oder sechsmal? Ist die Fünf magisch?

Nö, man hat sich die Menge einfach mal ausgedacht. Die Regel geht auf eine Gesundheitskampagne der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. zurück. Die wurde ins Leben gerufen, um Menschen dazu zu animieren, sich gesünder zu ernähren – und man dachte sich, mit der Fünfmal-täglich-Idee könnte man ein besseres Bewusstsein schaffen.

Obst und Gemüse sind beste – aber warum ausgerechnet fünfmal am Tag?

Natürlich ist es deinem Körper komplett egal, wie du deine Obst und Gemüse auf den Tag verteilst. Du kannst genauso gut einen richtig leckeren Salat mit verschiedenen Gemüsesorten zu Mittag oder Abend essen oder dir zum Frühstück einen großen Obstteller machen – das hat denselben Effekt.

Die einzige wichtige Faustregel: Rund 400 Gramm Gemüse und etwa 250 Gramm Obst sollen es täglich sein.

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2. Vitamin C als Retter gegen alles?

Na, hast du als Kind auch gelernt, dass Vitamin C superwichtig ist und dass dir die Zähne ausfallen, wenn du nicht genug davon bekommst? Ich jedenfalls habe das in der Schule aufgeschnappt: Dort wurde uns die Geschichte von Matrosen beigebracht, die einst von der Krankheit Skorbut hingerafft wurden – weil sie sich auf hoher See über Monate von Pökelfleisch, Schiffszwieback und Rum ernährten. Der Mangel an Vitamin C habe die Krankheit ausgelöst, hieß es damals. Diese These wurde längst von Wissenschaftler*innen widerlegt.

Auch, dass Vitamin C die Abwehrkräfte stärke und bei Erkältungen deshalb besonders wichtig sei, wurde bisher nicht durch Studien belegt. Der Mythos, der Mensch bräuchte viel und regelmäßig Vitamin C, hält sich aber trotzdem: Klar, mit Vitamintabletten und Pulver lässt sich super Geld machen.

Vitamin C ist wichtig – aber im Übermaß gefährlich

3. Hauptsache Protein? Eiweißshakes kannst du einfach mal direkt von deinem Ernährungsplan streichen ...

... denn ja: Protein ist wichtig. Aber wer sich ausgewogen ernährt, deckt seinen täglichen Bedarf auch easy so – egal ob mit tierischem oder pflanzlichem Eiweiß. Klar, Eiweißshakes sind easy und gerade für Menschen, die viel Sport treiben, ein entspannter Weg, genug Protein aufzunehmen. Dafür braucht es aber auch ein qualitativ hochwertiges Pulver, in dem Makro- und Mikronährstoffe, Spurenelemente und Vitamine enthalten sind. Das ist oft gar nicht mal so günstig, weshalb es natürlich massenhaft Billo-Anbieter gibt, die auf die Fitnessschiene aufspringen wollen.

Proteinshakes brauchst du nicht, wenn du zweimal die Woche Yoga machst

Statt euch den Rotz aus dem Supermarkt oder günstige von seltsamen Internetshops rein zu pfeifen, die im Zweifel viele Zusatzstoffe und 'ne ganze Menge Zucker enthalten, also lieber auf proteinhaltige, natürliche Lebensmittel setzen.

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4. ... und Smoothies gleich mit!

Wann hat der Trend, alles Vitaminhaltige auszupressen und in Saftform zu sich zu nehmen, eigentlich angefangen? Keine Ahnung, jedenfalls ist es ein profitables Geschäft: So ein Smoothie kostet gerne mal ab drei Euro aufwärts – für was eigentlich? Dafür, dass du dein Obst nicht mehr kauen musst, sondern es aus einer Plastikpulle oder einem Wegwerfbecher schlürfen kannst? Eigentlich kein Argument für gesunde Menschen, die noch alle Beißerchen besitzen.

Weiteres Gegenargument: Wer sich die Inhaltsangabe der meisten Smoothies anschaut, wird schnell merken, was für eine Verarsche die meisten Anbieter betreiben: Oft ist der Hauptbestandteil einfach günstiger Apfel- oder Traubensaft, in den dann ein paar Stücken prestigeträchtigerklingende Obst- und Gemüsesorten geworfen werden. Durch das Trinken von Säften und Smoothies nimmst du nicht nur viel mehr Zucker auf, als wenn du einfach die Frucht essen würdest – sind die Getränke haltbar gemacht, haben sie auch nicht mehr die gleichen Vitamine, die du durch das frische Nahrungsmittel zu dir nehmen würdest.

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5. Weitgereiste Superfoods sind nicht gesünder als lokale Alternativen

Superfoods wie Acai-Beeren, Chia-Samen und Moringa sind seit ein paar Jahren wortwörtlich in aller Munde: Jedes halbwegs hippe großstädtische Brunch-Spot hat Bowls und Smoothies im Angebot, die einen Healthy Flow, Detox Boost oder Ähnliches versprechen – natürlich ausgelöst durch ganz besonders "gesunde" Zutaten. Je exotischer, desto besser.

Das ist Bullshit, denn "Superfoods" sind einfach nur eine Marketing-Erfindung. Lokale Alternativen, wie Leinsamen, Rotkohl oder Hagebutten haben ähnliche Inhaltsstoffe. Und ihre Klimabilanz ist tausendmal besser. Statt halb um die Erde geflogen zu werden, können sie in der Region angebaut werden. Das spart CO2 ein und verhindert, das südamerikanische Bauern wertvolle Ackerfläche an Monokulturen für uns verwöhnte Europäer*innen verlieren.

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Quelle: Noizz.de