Und welche Alternativen zur Google-Suche es gibt.

Wer online shoppt, hat sich an personalisierte Werbung schon gewöhnt. Einmal bei Amazon nach einem Reiseführer für den nächsten Urlaub geschaut, tauchen auf allen möglichen Seiten auf einmal Vorschläge für die passenden Lonely Planets und Dumants auf.

Doch wenn plötzlich Anzeigen auftauchen, die aus völlig unerklärlichen Gründen perfekt auf dich zugeschnittene Produkte vorschlagen, bekommt man selbst als Internet-Suchtie ein mulmiges Gefühl: creepy!

Der Creepiness-Faktor beschreibt den Grad der Personalisierung, bei dem dein Gehirn zum Schluss kommt, lieber die Finger vom Produkt zu lassen. Ein Albtraum für die Werbebranche, die das Problem erkannt hat und nun noch feinfühliger wirbt.

Dabei sind creepy Online-Ads, die durch unser Surfverhalten generiert werden, nur die Spitze des Eisbergs. Tatsächlich fließt bei jedem unserer Schritte durchs Netz Informationen nicht nur an Google ab, die Rückschlüsse auf unser Verhalten zulassen.

Wir zeigen dir in dieser NOIZZ-Reihe, wie du Stück für Stück deine Privatsphäre zurückgewinnen kannst. Die letzten Male ging es darum, wie schlecht eigentlich WhatsApp ist, welche Alternativen es gibt und warum du bei Googles Android-Phones aufpassen solltest. Dieses Mal geht es um das Surfen allgemein.

Google beherrscht mit Chrome den deutschen Browser-Markt (35 Prozent Anteil), gefolgt von Firefox (23 Prozent) und Safari (21 Prozent), das vor allem auf Macs genutzt wird.

Offenbar siegt hier die Bequemlichkeit gegen das Datenschutzbewusstsein: Chrome sendet jeden Tastenanschlag in der Adresszeile an Google. Das kann praktisch sein, weil der Browser direkt Vorschläge zur Vervollständigung machen kann. Aber vor allem bedeutet dies, dass Google ein noch genaueres Bild von dir bekommt.

Zwar kann man Browser-Einstellungen vornehmen, die einen Abfluss von Daten zumindest minimieren, doch damit verliert Chrome auch einen Großteil seiner Funktionen, weswegen ein Umstieg auf einen anderen Browser sinnvoller ist.

Auch die quelloffene Variante Chromium ist nicht komplett von Google entkoppelt. Interessanter sind die „Forks“, also Entwicklungs-Abspaltungen, wie etwa das „Ungoogled-Chromium“ oder den „Iridium-Browser“. Hier ist jedoch etwas Kenntnis gefragt bei Installation und vor allem bei Updates.

Mozilla Firefox war lange Zeit der meistgenutzte Webbrowser, bevor er von Google Chrome überholt wurde. Firefox geriet in den letzten Jahren immer mehr in Kritik von Datenschützern.

Beispielsweise integrierte Mozilla bei einer Firefox-Version ein aktiviertes Add-On, das die Surfhistorie erfasst und URL-Adressen an fremde Server schickt. Auch soll Mozilla die Nutzer über Google Analytics tracken.

Und doch lässt sich mit einigen Add-Ons der Datenaustausch nicht nur zu Google, sondern allgemein zu allen Seiten kappen, die mit Scripten und Cookies dein Surfverhalten studieren wollen.

Das Add-On μBlock Origin ist quelloffen und ein effizienter Blocker. NoScript gibt zusätzlichen Schutz für den Browser.

Mit Cookie AutoDelete könnt ihr die kleinen Dateien, die beispielsweise das Anmelden auf Seiten erleichtern, aber eben auch Daten sammeln und weitergeben, automatisch löschen lassen. Wer es noch sicherer haben möchte, kann sich noch weitere praktische Tools installieren.

Wer die „höchste Sicherheitsstufe“ haben möchte, kann auch den Tor Browser zurückgreifen. Er ist bekannt geworden durch den US-Whistleblower Edward Snowden, der mit Journalisten nur darüber kommunizieren wollte. Denn der Tor Browser kann auch das Tor ins Darknet sein.

Muss er aber nicht. Mit dem Browser lässt sich auch im „normalen“ Web surfen – allerdings deutlich anonymer. Doch auch hier hängt die Anonymität vom Surfverhalten und den Einstellungen ab.

Das Wirkungsprinzip: Zwischen deinem Rechner und der Seite, die du ansurfen willst, schalten sich noch zwei weitere Rechner. Der erste, mit dem du dich verbindest, weiß zwar, wer du bist, aber nicht, wohin du am Ende möchtest. Der zweite Rechner, der mit der Ziel-Website kommuniziert, weiß zwar, wo der Weg hingeht, aber nicht, wer dahinter steckt.

Das ist die Theorie, die nur funktioniert, wenn man sich stark einschränkt. Denn wer beispielsweise Videos schaut, öffnet einen „Tunnel“, der das Endziel mit dir verbindet – so ist die ganze Anonymisierung hinfällig.

Das Darknet ist entgegen dem verruchten Bild eines Waffen- und Drogenhändlerparadieses ein nützliches Tool für Journalisten und Dissdenten vor allem in totalitären Staaten. Der Schritt in diese Anonymität wird in einem weiteren Teil dieser NOIZZ-Reihe aufgegriffen.

Google ist unbestritten die Suchmaschine Nr. 1. Sie hat unser Surfverhalten in den letzten 20 Jahren so stark geprägt, dass das Verb „googeln“ es nicht nur in unseren Sprachgebrauch, sondern auch in den Duden geschafft hat.

Doch die Monopolstellung verleitet auch zur Sammelwut. Zwar hat Google vor kurzem verkündet, die Postfächer von Gmail-Kunden nicht mehr systematisch zu durchleuchten, doch es bleiben noch genug andere Instrumentarien: Google Search, Google Maps, YouTube etc.

Da die kontextbezogene Werbung über Googles Dienst Adwords dem US-Konzern jährlich Milliardengewinne bringt, wird sie ständig optimiert. Neben Suchanfragen, Browsertyp und Bildschirmgröße speichert der Konzern die IP-Adresse, also das Erkennungsmerkmal deines Netzes.

Vor allem, wenn du einen Google-Account (YouTube, Gmail etc.) benutzt, ist es für den Konzern besonders leicht, sämtliche Netzaktivität dir zuzuordnen. Je länger sich Google mit dir durch das Netz bewegt, desto genauer kennt dich der Riese: dein Schlafverhalten, deine Lebensgewohnheiten und Hobbies.

Den Rückschluss auf deine Person kannst du brechen, indem du eine Suchmaschine nutzt, die sämtliche Metadaten, also eben solche Details zur Suchanfrage, löscht. Dabei musst du nicht gleich auf Google verzichten.

Die Suchmaschine StartPage nutzt beispielsweise die Google-Suche, schaltet sich aber zwischen dich und die Server des US-Konzerns und verwischt so deine Spuren.

Ihr könnt allerdings auch eine Suchmaschine benutzen, die nicht auf den Google-Algorithmus zurückgreift. Zwar wird diese im Umgang anfangs etwas ungewohnt sein und teilweise andere Ergebnisse liefern. Doch bei den meisten Suchen, die wir im Alltag durchführen, landen die gewünschten Links ebenfalls ganz vorne.

Die Suchmaschine MetaGer wird von einem gemeinnützigen Verein betrieben und arbeitet nicht gewinnorientiert. Das heißt, die Suchmaschine ist nicht auf Werbeangebote angewiesen und muss somit sowieso keine Daten von dir speichern. Der Nachteil: eine bequeme Bildersuche wie bei Google fehlt.

Bei Qwant gibt es nebeneiner Bildersuche die Möglichkeit, News und Videos zu finden. Die europäische Suchmaschine verspricht: „Grundsätzlich erhebt Qwant keine Daten über Nutzer, wenn sie suchen.“ Der Dienst verzichtet auf Cookies und anonymisiert die Suchanfrage.

Suchmaschinen mit Sitz in den USA wie etwa DuckDuckGo, das ebenfalls Privatsphäre verspricht, unterliegen dem PatriotAct, müssen also mit den Geheimdiensten zusammenarbeiten. Wer die Daten also nicht nur vor dem Konzern, sondern auch vor FBI, NSA und CIA verbergen will, sollte diese Dienste meiden.

Kennst du überhaupt irgendeinen Kartendienst außer GoogleMaps? Ähnlich wie die Suchmaschine selbst, hat es der Konzern geschafft, die Suche nach Orten bei sich zu monopolisieren. Auch hier war das größte Lockmittel die Schnelligkeit und die Leistung. Um es anders zu formulieren: GoogleMaps ist verdammt praktisch!

Und doch: Warum muss es immer der gleiche Dienst sein? Es gibt beispielsweise OpenStreetMaps, ein Open Source Projekt, das mindestens genau so detailliert ist. Es lässt sich auch zusammen mit Offline-Karten aufs Smartphone laden. Die Navigation funktioniert ebenfalls hervorragend.

In der vergangenen Folge dieser Reihe ging es um Mails auf dem Smartphone. Mailbox.org und Posteo top, Gmail flop – das war das Fazit des Providertests von Stiftung Warentest.

Auch hier gibt es also Dienste, die sicherer sind als die am meisten verbreiteten. Das Thema Emails wird in der nächsten Folge dieser NOIZZ-Reihe behandelt.

Auch beim Surfen mit dem Rechner gibt es einige einfache Kniffe, die dich sicherer machen: Vom Browserwechsel, über Add-Ons bis hin zu einem einfachen Verhaltenswechsel. Am Ende ist vieles Gewöhnungssache.

Der erste Schritt zu mehr Privatsphäre ist die Erkenntnis, dass die eigenen Daten sehr viel wert sind. Wer sich dessen bewusst ist, dem wird der Wechsel der Suchmaschine leichter fallen.

Einfach mal probieren und MetaGer oder Qwant als Standard-Suchmaschine einstellen!

Quelle: Noizz.de