Du denkst, du bist der geilste Hengst auf diesem Planeten – kannst aber nicht mal eine Vagina von einer Vulva unterschieden? Ein Brettspiel über die Periode, mit Blutstropfen als Figuren, soll die Menstruation mit Leichtigkeit erklären. Warum "OH WOMAN" auch Erwachsene ausprobieren sollten, erklären die Macherinnen Tania Hernández und Stephanie Renz im NOIZZ-Interview.

Wenn Menstruationsblut kein Blut ist, was ist es dann? Das Brettspiel „OH WOMAN“ liefert die richtigen Antworten. Je früher, desto besser, meinen Tania Hernández (29) und Stephanie Renz (25). An ihre persönlichen Aufklärungsmomente mit den Eltern und den Frontal-Unterricht in der Schule haben die Münchnerinnen keine positiven Erinnerungen. Mit ihrem Periodenspiel möchten die beiden Frauen nicht nur die Schulklassen und Kinderzimmer erobern. Auch Erwachsene sollten "OH WOMAN" testen – schließlich sollte Menstruation kein Tabuthema sein.

Damit der Prototyp in Serie gehen kann, haben die beiden eine Crowdfunding-Kampagne auf "startnext" gestartet. Das Ziel: In acht Wochen 20.000 Euro zu erreichen. Gelingt die Finanzierung, können die gefertigten Periodenspiele Anfang 2021 versendet werden. Eine Edition für die Jungs ist ebenfalls in Planung. Doch eignet sich "OH WOMAN" wirklich für einen Spieleabend unter Freunden? Ja! Stephanie und Tania haben im NOIZZ-Interview erklärt, warum.

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Die Gründerinnen von OH WOMAN Steffi (oben) und Tania (unten)

"OH WOMAN" im NOIZZ-Interview

NOIZZ: Menstruation, Blutungen, ist bei vielen Menschen noch mit einem gewissen "Ekel" verbunden. Kann dieses Gefühl nun spielerisch überwunden werden?

Stephanie: Dieses Ekelgefühl ist nur da, weil man noch zu wenig über die Menstruation weiß. Deswegen haben wir uns gedacht, dass so ein Spiel helfen kann. So kann man eine lockere Stimmung aufbauen und sich mit dem Thema ganz anders auseinandersetzen – es macht Spaß. Wenn man so Wissen generiert und dieses Wissen auch Sicherheit geben kann, haben wir unser Ziel erreicht.

Ich stelle mir die Reaktion meiner Freunde trotzdem komisch vor, wenn ich ein Periodenspiel auspacke. Die Figuren haben beispielsweise die Form von Blutstropfen. Passt das zu einem Spieleabend oder nur in den Aufklärungsunterricht an Schulen?

Tania: Unser Ziel ist es natürlich, Schülerinnen und Schüler zu erreichen. Oder Personen, die Menstruation erklären müssen: Eltern, Lehrer*innen, vielleicht sogar Gynäkolog*innen. Dann kann das Spiel als Mittel genutzt, um mit Leichtigkeit und Spaß die Periode und den weiblichen Körper zu erklären. Als wir noch klein waren und zur Schule gegangen sind, wurde uns alles sehr biologisch beschrieben.

Etwa: „Hier ist die Vagina, hier befindet sich das. So funktioniert Sex. Penis. Oh mein Gott!“ Plötzlich waren alle aufgeregt und haben gekichert. Niemand hat sich mehr auf das Wissen an sich konzentriert. Ein Spiel, so finden wir, ist ein viel angenehmer Weg, um mit jungen Leuten in das Gespräch zu kommen und ihnen diese Themen näher zu bringen. So können sie das Wissen auch viel lockerer aufnehmen. Wir sind definitiv dafür, dass es einen Platz am Tisch bei einem geselligen Spieleabend findet.

Das Periodenbrettspiel "OH WOMAN"

Warum reicht der klassische Biologieunterricht in der Schule nicht aus?

Stephanie: Es ist schön und gut zu wissen, wie ein Baby entsteht. Es gibt aber Fragen, die in diesem Alter mindestens genauso relevant, wenn nicht sogar noch relevanter sind. Das Beispiel mit der möglichen Reaktion deiner Freunde zeigt: Letztendlich gibt es auch noch bei Erwachsenen eine gewisse Hemmschwelle. Wir würden es deswegen schön finden, wenn nicht nur junge Personen das Brettspiel benutzen. Gerade dann, wenn die Leute das Thema ein wenig "abartig" finden, ist es wichtig zu sagen: Nein, wir spielen das jetzt – weil das etwas ganz Normales ist. Da muss man ran!

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Tania: In unserem Spiel gibt es beispielsweise auch Fragen zur Intimbehaarung und was der Unterschied zwischen Vulva und Vagina ist. Darüber redet man nur selten mit Lehrer*innen oder Eltern. Das sind Fragen, die Teenager aber wirklich haben.

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Woher kennt man die ursprüngliche Verfassung des Brettspieles?

Stephanie: Es beruht auf dem Spiel Kalaha, mein Lieblingsspiel aus der Kindergartenzeit. Das ist ein Holzbrettspiel, bei dem man mit Holzperlen oder schönen Schmucksteinen verwendet. In der Lockdown-Phase habe ich das wieder mit meiner jüngeren Schwester ausgepackt. Bei diesem gemeinsamen Spieleabend bin ich darauf gekommen, dass es schön wäre, daraus etwas zu machen. Wir haben es dann einfach weiterentwickelt.

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  • Quelle:
  • Noizz.de