Und damit hat auch Jens Spahn etwas zu tun.

Eigentlich finden wir es ja gut, dass es keine Unterschiede gibt. Männer und Frauen sollten gleich behandelt werden, egal in welchem Bereich. Naja, fast. Denn in Sachen Medizin sind zumindest die biologischen Unterschiede nicht von der Hand zu weisen. Und die sorgen auch dafür, dass die Behandlungen von Frauen und Männer beim Arzt unterschiedlich sein müssen.

Sind sie aber nicht. Und das ist ziemlich mies. Denn das kann im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen. Dank unterschiedlichen Hormonen und Enzymen können Medikamente bei Frauen einfach mal komplett anders wirken als bei Männern. Das fängt bei alltäglichen, nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten wie Aspirin an und geht weiter bei sogenannten Betablockern, die einen zu hohen Blutdruck behandeln sollen.

Auf diesen Misstand hat jetzt das "Neo Magazin Royale" von Jan Böhmermann aufmerksam gemacht. In der Rubirk "Die Telelupe" zeigt die Satiresendung mit bissigem Humor, wie unser Gesundheitssystem Frauen systematisch benachteiligt – und dass das Gesundheitsministerium da auch nicht ganz unschuldig ist.

Hier kannst du den Beitrag sehen:

Eine Tablette braucht vom Mund bis zum Darm bei einer Frau etwa doppelt so lange wie bei einem Mann. Die Wirkstoffe eines Medikamentes werden hauptsächlich durch die Leber verarbeitet – die dort vorhandenen Stoffwechselenzyme werden bei Frauen und Männern unterschiedlich stark produziert. Und das ist die Krux: Bei einigen Medikamente muss der Wirkstoff erst durch ein bestimmtes Enzym aktiviert werden oder zu einem anderem abgebaut werden.

Da Männer und Frauen davon unterschiedlich viele haben, wirkt sich das also unmittelbar darauf aus, wie lange und wie viel aktiver Wirkstoff im Blut zu finden ist. Gleichzeitig verteilt sich durch den meist höheren Körperfettanteil der Frauen und ihre oft geringere Körpergröße der Wirkstoff im Gewebe anders als bei Männern. Auf dem Beipackzettel, findet man allerdings selten Dosierungsangaben dazu.

Das liegt zum Teil daran, weil Frauen in den Studien zu einer Medikamenteneinführung unterrepräsentiert sind. Denn dank größerer Hormonschwankungen, zum Beispiel durch den weiblichen Zyklus, müssten solche Studien länger gehen und das würde auch bedeuten: mehr Kosten. Vielsagend ist da bereits, dass in sieben von zehn medizinischen Fachbüchern die Symptome von Männern als "Norm" dargestellt werden und die von Frauen als "speziell" oder "annormal". Danke dafür.

Und auch im Praxisalltag gibt es nur wenige Ärzte, die die Unterschiede zwischen männlichem und weiblichen Körper in ihre Behandlungs- und Medikamentenpläne mit einfließen lassen. Kein Wunder, denn nur an einer einzigen Universität wird geschlechtsspezfische Medizin in den Lehrplan integriert. Nämlich an der Charité in Berlin, sonst nirgendwo.

Aber kann man daran nichts ändern?

Doch könnte man. Zum Beispiel, wenn Jens Spahn im Gesundheitsministerium dafür sorgen würde, dass mehr Geld in diesen Forschungsbereich fließt. Für das Jahr 2019 waren es rund 3,5 Millionen Euro in dem Bereich der geschlechtsspezifischen Medizin. Peanuts im Vergleich zu einem Gesamtbudget von gut 123,8 Millionen Euro für Jens Spahns Gesundheitsministerium.

Damit der mal zu Potte kommt und checkt, dass es vielleicht klüger wäre, das Geld nicht für Kampagnen gegen Die Pille Danach oder Prüfungen von bestehenden Abtreibungsgesetzen auszugeben, hat Jan Böhmermann die Website www.gibjensgeld.de ins Leben gerufen. Darauf findet man auch weiterführende Informationen zum Thema.

Und außerdem, sind wir Jan Böhmermann sehr dankbar, dass er uns auf folgende Ähnlichkeit hingewiesen hat:

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Quelle: Noizz.de