Steuert das Y-Chromosom wirklich nur die Entwicklung des männlichen Körpers? Eine neue Studie sagt, es könnte für viel mehr verantwortlich sein. Könnte es gar steuern, dass Männer eher an Corona erkranken?

Warum gibt es eigentlich nicht nur Frauen auf dieser Welt? Die sehr vereinfachte Antwort darauf besteht aus nur einem Buchstaben: Y. Für alle, die den Biologie-Stoff aus der achten Klasse vergessen haben: Mit Ausnahme von Spermien und Eizellen enthält jede menschliche Zelle 23 Chromosomenpaare, in denen die gesamte DNA einer Person gespeichert ist. Dies schließt ein Paar Geschlechtschromosomen ein, das aus zwei X-Chromosomen bei Frauen und einem X- und einem Y-Chromosom bei Männern besteht.

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Geschlechtsentwicklung des Mannes

Bisher ist immer noch nicht ausreichend geklärt, welchen Einfluss genau das Y-Chromosom auf den Körper des Mannes hat. Was wir wussten, ist: Es steuert die Geschlechtsentwicklung zum männlichen Geschlecht. Doch neue Forschungsergebnisse zeigen: Das ist längst nicht alles! Die Studie, die in der Zeitschrift "Scientific Reports" erschien, legt nahe, dass das Y-Chromosom unzählige zelluläre Prozesse im gesamten Körper reguliert.

Basierend auf ihren Ergebnissen sagen die Autor*innen der Studie, dass das Y-Chromosom die Antworten auf einige der ungeklärten biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen enthalten könnte, beispielsweise warum Männer oder Frauen jeweils dazu neigen, anfälliger für verschiedene Krankheiten zu sein.

Y-Chromosom Grund für Herzleiden?

Um dieser Forschungsfrage nachzugehen, veränderte die Wissenschaftler*innen das Erbgut von Mäusen so, dass ihnen eines der Gene auf ihrem Y-Chromosom fehlte, und beobachteten die Auswirkungen, die dies auf die Funktionalität von Zellen im gesamten Körper hatte. Was sie bemerkten, war eine starke Veränderung der Zellaktivität im Herzgewebe der Mäuse: Diese führten zu signifikanten Veränderungen der Herzfunktion und der Gesundheit.

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Daraus folgerten die Forscher*innen: Die Gene auf dem Y-Chromosom könnten eine entscheidende Rolle bei Herzerkrankungen bei Männern spielen. "Unsere Entdeckung liefert ein besseres Verständnis dafür, wie die Gene auf dem Y-Chromosom die männlichen Zellen dazu bringen, anders als weibliche Zellen zu funktionieren", schrieb der Studienautor Christian Deschepper in einer Erklärung. "In Zukunft könnten diese Ergebnisse dazu beitragen, zu klären, warum manche Krankheiten bei Männern und Frauen unterschiedlich auftreten."

Corona gefährlicher für Männer?

Die Erkenntnisse der neuen Studie haben tatsächlich schon zu Spekulationen darüber geführt, ob das Y-Chromosom für die erhöhte Anfälligkeit von Männern für Covid-19 verantwortlich sein könnte. Es ist jedoch viel mehr Forschung erforderlich, um diesen Verdacht zu bestätigen.

kk

  • Quelle:
  • Noizz.de