Bei einigen psychischen Erkrankungen können illegale Rauschmittel wirksame Therapiemittel sein. In den USA wollen die Behörden jetzt zum Beispiel MDMA ganz legal als Medikament bei posttraumatischen Belastungsstörungen einsetzen – ein Modell für Deutschland?

Viele synthetische Drogen, die heute im Umlauf sind, hatten ihren Ursprung in der Pharmazie – sogar Heroin wurde eigentlich als Arzneimittel entwickelt, gegen Husten. Ehe man bemerkt hat, dass es den Körper, nun ja, extrem süchtig macht. LSD wiederum gilt schon lange als experimenteller Therapieansatz in der Psychotherapie. Ähnlich sieht es mit MDMA aus – die bunten Pillen, die als Ecstasy für nicht enden wollende Partynächte sorgen, haben sich in Studien als überaus wirksam bei Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) gezeigt.

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Mittlerweile sind diese Studien so fundiert, dass die US-Gesundheitsbehörde FDA das Aufputschmittel als begleitenden Therapieansatz bei PTBS zulassen wird. Damit wäre MDMA für solche Patienten vollkommen legal auf Rezept zu erwerben. Die Zulassung sei laut dem "Forbes"-Magazin für 2022 geplant, ab 2023 wäre der Therapieansatz so auch für betroffene Patienten zugänglich.

Studien zeigen hohe Wirksamkeit bei PTBS

Ecstasy könnte auch gegen Depressionen helfen, bei denen andere Therapieformen sonst versagen.

Die wichtigste und auch größte Fallstudie in diesem Bereich unter der Leitung von Rick Doblin steht kurz vor dem Abschluss der klinischen Phase-3-Studien. Dort wird untersucht, wie MDMA bei der Behandlung von PTBS-Symptomen helfen kann, also im ganz normalen Klinik- und Therapiealltag. Bei einem Zulassungsprozess von Medikamenten und Therapieformen ist das in den USA die letzte Hürde. Sie unterliegt besonders strengen Auflagen, in der die Forscher sowohl die Sicherheit als auch Wirksamkeit ihrer Medikamente bei einer Vielzahl an Probanden nachweisen müssen.

Knapp 60 Prozent aller Patienten haben Phase-3-Studien abgeschlossen, nun werden die Ergebnisse von einer unabhängigen Behörde überprüft. Die bisherigen Kontrollen klingen vielversprechend für eine Zulassung: Die Behörden gehen davon aus, dass die MDMA-Studie von Doblin zu rund 90 Prozent statistisch signifikante Ergebnisse liefert. Somit steht einer Zulassung durch die FDA eigentlich so gut wie nichts mehr im Weg. Seit den Achtzigerjahren forschen Doblin und seine Kollegen in diesem Bereich, erst jetzt kommt es wohl zu einer Zulassung.

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Und in Deutschland?

Seit Januar hat der Therapieansatz bereits eine vorläufige Teilzulassung in den USA erhalten, um die klinische Studie durchführen zu können – ein Meilenstein in der Psychotherapie. Die Studienergebnisse weisen außerdem darauf hin, dass MDMA auch bei klinischen Depressionen helfen kann. Der Grund dafür liegt im Wirkungsmechanismus der Droge: Sie hemmt unter anderem das Angstzentrum und sorgt so dafür, dass die Patienten besser über die traumatisierenden Ereignisse reden und sie verarbeiten können.

In Deutschland ist MDMA illegal – auch in klinischen Therapien. Jedoch halten auch deutsche Experten die MDMA-unterstützten Therapie von Trauma-Patienten für einen vielversprechenden Ansatz. Sollte die Droge in den USA eine Zulassung bekommen, könnte Europa bald nachziehen.

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Quelle: Noizz.de