BDSM im Tierreich? Wissenschaftler*innen haben festgestellt, dass männliche Laufspinnen oft ihre weiblichen Partnerinnen fesseln, bevor sie Sex haben. Dahinter steckt kein Kink, sondern eine Überlebenstrategie.

Wer schonmal von der Schwarzen Witwe gehört hat, weiß, dass die Fortpflanzung für männliche Spinnentiere oft tödlich ausgehen kann. Bei vielen Arten von Spinnen sind die Weibchen größer als die Männchen, wodurch sie die Dominanz haben.

Um einen abrupten Tod nach dem Sex zu vermeiden, haben viele Arten von Spinnen unterschiedliche Verhaltensstrategien entwickelt. Männliche Jagdspinnen zum Beispiel versuchen Kannibalismus vorzubeugen, in dem sie ihr Fressen in Seide einwickeln und ihren weiblichen Partnern als kleine Gabe präsentieren. Forscher*innen bezeichnen die Geste als "Hochzeitsgeschenk". Männliche Pfauenspinnen wiederum führen Tänze auf, um ihre Ladies zu bezirzen.

Einer neuen Studie zufolge haben Wissenschaftler*innen nun eine weitere Überlebenstaktik bei Laufspinnen festgestellt: Die Männchen fesseln die Weibchen vor der Fortpflanzung mit Spinnenseide.

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Warum männliche Laufspinnen ihre Weibchen fesseln

Die männlichen Achtbeiner der Art Thanatus fabricii rennen vor dem Geschlechtsverkehr auf die Weibchen los und versuchen, sie mehrmals zu beißen. Wie die Autorin der Studie Lenka Sentenská erklärt, dient die "Attacke" dazu, eine "Schreckstarre" beim Weibchen auszulösen. Die Professorin arbeitet an der Universität von Toronto Scarborough. Sobald die weibliche Laufspinne erstarrt, umwickelt das Männchen sie mit Spinnenfäden. Danach paart es sich mit der gefesselten Partnerin für bis zu stolze 19 Minuten und haut – wie bei einem "Smash-and-Dash"-Date – so schnell wie möglich ab.

Was wir Menschen vielleicht als kinky ansehen würden, hat beim Spinnentier eine ganz andere Funktion, denn das Beißen und das Fesseln erhöht die Überlebenschancen einer männlichen Laufspinne nach der Fortpflanzung. Trotzdem kann die Taktik auch fehlschlagen. Manchmal wird der männliche Geschlechtspartner vom Weibchen gefressen, bevor er überhaupt zubeißen kann. In anderen Fällen kann sich die weibliche Spinne ohne Safe Word, aber durch ein bisschen hin und her ruckeln aus der Bondage befreien.

Ob und warum ein Laufspinnenweibchen versucht, aus seinen Fesseln auszubrechen, könnte an chemischen Signalen liegen, die durch die Spinnenseide übermittelt werden, vermutet Sentenská. Wenn die weibliche Laufspinne ein Männchen als würdigen Partner einstuft, toleriert sie die Bondage. Falls nicht, attackiert sie. Sie kennt halt ihre Needs.

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  • NOIZZ