Warum was Eigenes erfinden, wenn's gute Vorlagen gibt.

Um die wichtigsten Wahrzeichen der Welt zu sehen, muss man sehr viele Länder besuchen. Oder man fliegt einfach nach China. Hier finden sich Kopien nahezu aller Wahrzeichen, die auf der Welt sonst in Scharen die Touristen mit ihren Selfiesticks anziehen.

In Tianducheng gibt's auch den Arc de Triomphe und Straßen im Pariser Stil der Jahrhundertwende, samt Häuserblöcken und Grünanlagen. Doch der Erfolg bleibt bisher aus: statt angekündigter 100.000 Bewohner leben nur 2.000 Menschen in Tianducheng. Der Vorort hat einen hohen Wohnungsleerstand. Offenbar sind die Mieten zu hoch, die Ecke gilt als Neureichenviertel. Immerhin ist der Ort weiterhin bei Hochzeitspaaren sehr beliebt – als Fotokulisse.

403.000 Quadratmeter, 200 Nachbildungen venezianischer und europäischer Häuser, vier Kilometer Kanalstraßen. Das alles findet sich in der chinesischen Hafenstadt und Metropole Dalian in der Provinz Liaoning. Kostenpunkt: Schlappe 693 Millionen Euro. Alles für den Tourismus!

Sie gehört zu den wichtigsten Wahrzeichen Londons: Die Tower Bridge. Warum sollte man sie also nicht kopieren? Baukosten: Preiswerte 10,5 Millionen Euro. Standort: Suzhou, auch der„Venedig des Ostens“ genannt. Dafür hat die doppelt so große Kopie aber auch vier Spuren für die Autos (statt zwei) und vier Türme (statt zwei). Leider kann man die Kopie – im Gegensatz zum Original – nicht hochfahren. Doch deswegen bescheiden sein? „Die Brücke sieht dem Original sehr ähnlich, dafür ist sie aber viel beeindruckender“, steht auf der Website „Peoples Daily“, die der Kommunistischen Partei nahesteht. Na dann!

Nach Beschwerden aus Ägypten wurde die überlebensgroße Sphinx im Frühjahr 2016 wieder zerlegt. Die ägyptische Regierung sah in der Nachbildung eine Verletzung ihres kulturellen Erbes. Bis dahin handelte es sich aber um eine der detailgetreuesten Kopien: Selbst die zerstörte Nase der Sphinx wurde übernommen.

Es ist ein majestärischer Ausblick. 1100 Meter geht es vom gläsernen „Grand-Canyon-Walk“ aus in die Tiefe zum Colorado River. 22 Meter müssen/dürfen/können die Touristen in dieser schwindelerregenden Höhe über die durchsichtigen Scheiben gehen. Für manchen ein Erlebnis, für andere eine Tortur. Dachten sich wohl auch chinesische Architekten und bauten das Konstrukt im Longgang National-Geopark, nahe der südwestchinesischen Stadt Chongqing, einfach nach. Naja, fast. Sie streckten das ganze um sechs Meter, sodass nun in China die längste freitragende Glasboden-Brücke der Welt steht. Dafür geht es hier auch „nur“ 718 Meter in die Tiefe! (BILD)

Naja, nennen wir es eine Inspiration. Während das Schloss Neuschwanstein ein absoluter Hotspot für asiatische Touristen ist, fungiert die chinesische Kopie im Nordosten des Landes als Hotel. Eine Ähnlichkeit ist zu erkennen, mehr aber auch nicht. Immerhin steht das Schloss auch hier auf einem Berg. Das könnt ihr ja wohl besser, mal ehrlich!

Es müssen nicht immer die großen Sehenswürdigkeiten sein. Und so entstand 2012 in der chinesischen Provinz Guangdong ein Nachbau des wunderschönen, österreichischen Ortes Hallstatt mit Dorfplatz und Kirche. Täuschend echt wurden auch die engen Gassen und die kleinen Häuschen des Dorfes (800 Einwohner) nachgebildet. Auch ein See wurde künstlich angelegt. Alles für die Illusion des Unesco-Weltkulturerbes! Für die Hallstätter eine gewisse Ehre. Die Tourismusseite des österreichischen Dorfes wirbt mit: „Hallstatt – Das Original. Millionenfach fotografiert – einmal kopiert – nie erreicht.“

Was kostet 370 Millionen Euro und ergibt gar keinen Sinn? Richtig: Der Nachbau der Altstadt von Hannover in der 5-Millionen-Metropole Changde, mit ruhigen Gässchen und bunten Fassaden. Circa 900 Meter Hannover in China. Die Fußgängerzone ist die „Hannoversche Straße“. Das Viertel wurde im Oktober 2016 eröffnet - selbst Hannovers Bürgermeister Stefan Schostok (SPD) kam zur feierlichen Zeremonie. Schließlich handelt es sich um die erste deutsche Stadt, die die Ehre eines Nachbaus erhielt.Die Frage nach dem „Warum?“ bleibt. Immerhin verbindet die beiden Städte nun eine Städtefreundschaft.

In China finden sich aber nicht nur unikate Kopien der Originale. So existieren unter anderen mindestens zehn Versionen des Weißen Hauses, in unterschiedlichen Höhen und Breiten. Die größe Nachbildung befindet sich in Hangzhou und verfügt neben einem eigenen Oval Office auch über eine Gallerie der US-amerikanischen Präsidenten. Um das Spiegelbild des Hauses des Präsidenten zu vervollständigen, finden sich hier auch das Washington Monument und ein Mount Rushmore. 2002 besuchte der damalige Präsident George W. Bush sogar das chinesische “Weiße Haus“.

Der Plan war monumental, die Umsetzung so lala. Im chinesischen Yujiapu (Binhai Area) sollte das neue Finanzzentrum der Welt entstehen; architektonisch im Stile... ach was, das wäre eine Lüge... als fast 1zu1-Kopie des New Yorker Manhattan. Ikonen der Skyline, wie das Rockefeller Center, inklusive. Doch die Begeisterungsstürme blieben aus. Die Finanzkrise stoppte die Fertigstellung des Projekts.

Und nun ist es eine Geisterstadt. „Hier zu investieren ist nicht besser als Geld ins Wasser zu schmeißen. Es gibt keinen Ausweg – und es wird sehr schwierig, den nächsten Käufer zu finden“, sagte ein Investor des Projekts (Deutsche Wirtschafts Nachrichten). Das klingt doch mal nach einer guten Geschäftsidee.

Im US-amerikanischen Wyoming gibt es ein beliebtes Erholungs-Resort. Grund genug, um es zu kopieren. Und so befindet sich zwei Stunden von Peking entfernt, umgeben von Bergen, ein wunderschöner Nachbau des Western-Städtchens. Nicht exakt, aber eindeutig inspiriert. Hier können sich reiche Chinesen in Holzhäusern entspannen, die Holzkirche besuchen oder auf dem rauen Marktplatz entspannen. Und der Ort ist beliebt: Wie die Projekt-Betreuerin Allison Smith sagte, seien die Wohnungen alle ausverkauft und ihr Wert habe sich verdreifacht.

Orginal: Neubaugebiet in Weiden (Köln)
Foto: / dpa picture alliance

Entworfen wurde das Viertel vom renommierten deutschen Architekturbüro Speer & Partner. Das ist aber auch das einzig Glamouröse! Das Viertel befindet sich knapp 30 Kilometer von der Stadt „Anting“ entfernt – einem beliebten Satellitenort der Metropole Shanghai. Doch auch die deutsche Stadt, samt Bronzefiguren von Goethe und Schiller, steht leer – und das zu 90 Prozent. Scheitern Made in Germany.

Aber das ist noch nicht alles. So finden sich in China auch ein schwedisches, holländisches, spanisches und ein englisches Viertel! Und der nächste Hammer kommt schon: Momentan wird eine Kopie der Titanic gebaut.

Quelle: Noizz.de