Der sibirische Ort Werchojansk in Russland ist nun gleichzeitig der kälteste und heißeste Ort im Nordpolarkreis. Statt arktischer Temperaturen plagt Sibirien gerade aber eine Hitzewelle. Ob das am Klimawandel liegt?

Es klingt wie ein schlechter Witz: Im sibirischen Werchojansk wurde eine Außentemperatur von 38 Grad Celsius gemessen. Das ist der höchste Wert, der jemals im arktischen Nordpolarkreis gemessen wurde, wie die Behörden vor Ort verkündeten. Seit Wochen herrschen in der Region untypisch hohe Temperaturen, Wetterexperten reden von den mildesten und wärmsten Frühlings- und Sommermonaten, die Sibirien jemals erlebt habe.

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Zuvor lag der gemessene Rekord für den Nordpolarkreis bei 37, 5 Grad Celsius, die 1915 in Yukon, Alaska gemessen wurde. Normalerweise liegt die Durchschnittstemperatur in der Arktis bei maximal 19 Grad im Monat Juni. Mit der neugemessenen Höchsttemperatur trägt Werchojansk nun offiziell den Rekord für die kälteste als auch heißeste gemessene Temperatur im Nordpolarkreis. Der Kälterekord liegt bei -67,8 Grad Celsius.

Werchojansk befindet sich im Nordosten Russlands, in der Stadt leben etwa 1.400 Einwohnern. Früher war die Region auch bekannt als "Stalins Todesring", da der kommunistische Diktator Dissidenten und Feinde in Arbeitslager dorthin schickte – die meisten überlebten nicht. Das Gebiet ist bekannt für seine enormen Temperaturschwankungen zwischen den Sommer- und Wintermonaten.

Überall in Sibirien herrschen derzeit extrem hohe Temperaturen, wie diese Wetterkarte zeigt:

Es ist viel wärmer als sonst in Sibirien.

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Viele Klimaforscher sehen diesen extrem warmen Sommer in den arktischen Kreisen als ein echtes Alarmzeichen. Das bestätigt auch Freja Vamborg, vom europäischen Wetterdienst Copernicus in einem Bericht zu der aktuellen Wetterlage:

"Es ist zweifellos ein alarmierendes Zeichen – aber nicht nur der Mai war in dieser Region ungewöhnlich warm. Der gesamte Winter und Frühling hatten wiederholt Perioden mit überdurchschnittlichen Oberflächenlufttemperaturen."

Die Klimaforscherin erklärt weiter, dass sich unser Planet zwar als Ganzes erwärmt, dies aber nicht gleichmäßig geschehe. Westsibirien sei von jeher eine Region, die eher höhere Temperaturschwankungen aufweise. "Das bedeutet, dass große Temperaturanomalien zum Teil nicht unerwartet sind. In diesem Fall ist es jedoch ungewöhnlich, wie lange die überdurchschnittlich warmen Anomalien bestehen geblieben sind", erklärt sie.

Ist der Klimawandel Schuld?

Inwieweit das alles mit dem von uns Menschen verursachten Klimawandel zusammenhängt, muss also noch genauer erforscht werden. Zahlreiche Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass sich die Arktis infolge des Klimawandels schneller erwärmt als jedes andere Gebiet der Erde.

Einer der Hauptgründe dafür: Das Schmelzen der Polareise. Wenn immer mehr Eis schmilzt, wird weniger Sonnenlicht reflektiert und mehr von der dunkleren Meeresoberfläche absorbiert. Dadurch steigt die Temperatur, Meereswasser verdunstet.

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Quelle: Noizz.de