Drogen gegen Drogen – das legt eine neue experimentelle Studie nahe.

Manchmal ist Wissenschaft schon sehr faszinierend. Etwa, wenn eine Studie herausfindet, dass die Droge Ketamin bei einer einmaligen Dosis starken Trinkern helfen kann, ihren Alkoholkonsum deutlich zu reduzieren. Ein Suchtmittel hilft gegen ein anderes – aber warum denn nur?

Die Studienergebnisse, die in der Fachzeitschrift "Nature Communications" veröffentlich wurden, gehen davon aus, dass Ketamine dazu genutzt werden können, unser Suchtverhalten im Gehirn quasi umzuprogrammieren. Das liegt daran, dass die, auch als Special-K bekannte, Partydroge und als Narkosemittel für Tiere eingesetzte, Substanz auf die Erinnerung einwirkt.

Ketamin, so die Forschungsgruppe, könne die Erinnerungen von potenziell Süchtigen stören oder umschreiben, wenn sie sich auf schädliche Verhaltensmuster einlassen. Etwa wenn jemand bei schlechter Laune oder Frust immer wieder den Drang verspürt, einen alkoholischen Drink zu sich zu nehmen.

In der Studie wurden 90 Personen mit gefährlichem Trinkverhalten beobachtet. Sie haben durchschnittlich 74 Einheiten Alkohol getrunken, also etwa 30 große Gläser ​​Bier pro Woche. Das entspricht dem Fünffachen des empfohlenen Grenzwerts. Allerdings wurde bei den Studienteilnehmern nie offiziell Alkoholismus diagnostiziert, keiner war in Behandlung.

Wie lief die Studie ab?

Am ersten Tag der Studie wurde ein Glas Bier vor den Teilnehmer gestellt und ihm wurde gesagt, dass er oder sie es trinken dürfe, nachdem er oder sie einige Bilder von Bier und Menschen, die trinken, gesehen hatte. Dabei sollten sie den Drang zu trinken, und das Vergnügen, dass es ihnen bereitet, bewerten.

Das wurde wiederholt, aber jedes Mal ein Glas Bier weggenommen. Nachdem das Bier weggenommen worden war, erhielt ein Drittel der Teilnehmer eine kleine Dosis Ketamin über einen intravenösen Tropf, ein weiteres Drittel erhielt eine Placebo-Infusion und die letzte Gruppe erhielt das Ketamin, jedoch ohne die psychologische Intervention – sprich ohne vorher die Bilder von trinkenden Menschen und Alkohol gesehen zu haben.

Die chemische Struktur-Formel von Ketamin Foto: Wikimedia Commons / Jü

Unser Gehirn funktioniert nämlich so:

Bekommen wir nicht eine zu erwartende Belohnung, finden wir das seltsam. Normalerweise ist dieser Effekt aber nicht von Dauer. Beim nächsten Mal werden wir genau die gleiche Belohnung wieder erwarten. Nehmen wir Ketamin, ist das aber anders.

Die Droge blockiert den Hirnrezeptor NMDA. Der ist für die Bildung von Erinnerungen erforderlich. Kriegen wir jetzt also nicht die zu erwartende Belohnung ist unser Gehirn unbeeindruckt. Weil Ketamin eben jene Rezeptoren blockiert, wird es experimentell auch als Antidepressivum eingesetzt. Diese Behandlung ist aber nicht die Norm bei Depressionen, sondern wird nur in schwer zu behandelnden Fällen eingesetzt.

Zurück zur Studie mit dem Alkohol: Die Personen, denen Ketamin in Kombination mit der psychologischen Intervention, also den Bildern, verabreicht wurde, haben in den nächsten zehn Tagen einen signifikanten niedrigeren Drang verspürt, zu trinken. Sie tranken auch insgesamt weniger Alkohol als andere Studienteilnehmer.

Ob Ketamin Alkohlsüchtigen wirklich dauerhaft helfen kann, muss nun in einer klinischen Studie genauer untersucht werden.

Auch interessant:

>> "Breaking Bad"-Droge Crystal Meth ist in den USA billiger, stärker und beliebter denn je

>> Riesiges Drogenlabor auf Bauernhof in Russland entdeckt

>> Hat James Bond ein Alkohol-Problem?

Quelle: Noizz.de