Wir haben mit einem Klima-Experten über unser aller heimlichen Traum gesprochen.

Was haben "Kevin allein zu Haus", "Stirb langsam" und sämtliche Weihnachts-Postkarten gemeinsam? Richtig: Es liegt richtig fett Schnee. Nur, wo bleibt der dieses Jahr? Oder, Moment mal – wo blieb er die ganzen letzten Jahre um Weihnachten herum? Weiße Weihnachten sind schließlich der Normalfall – oder etwa nicht?

Ob der Klimawandel uns den Traum von weiß bepuderten Häusern an Heiligabend versaut, hat uns Klimaexperte Andreas Walter vom Deutschen Wetterdienst (DWD) verraten. Er leitet das Sachgebiet Statistische Klimatologie in Offenbach und beschäftigt sich mit der Frage, wie der Klimawandel sich bis zum Ende des Jahrhunderts entwickelt.

"Der Ausdruck weiße Weihnachten ist keine meteorologische Bezeichnung", sagt Walter gegenüber NOIZZ. Der DWD spricht laut der Deutschen Presseagentur (dpa) jedoch von weißen Weihnachten, wenn an allen Festtagen, also Heiligabend und am Ersten und Zweiten Weihnachtsfeiertag, morgens um 7 Uhr mindestens ein Zentimeter Schnee liegt. Doch die Wettervorhersage enttäuscht hoffnungsvolle Weihnachtsfans schon jetzt: Kein Schnee zum Fest.

Aber in den guten alten Zeiten lag doch immer Schnee – oder?

Das stimmt nicht. Walters DWD-Kollege und Meteorologe Andreas Friedrich sagte der dpa, dass es auch in den letzten Jahrzehnten relativ selten weiße Weihnachten gegeben habe. "Die Häufigkeit von weißen Weihnachten hat sich seit 1951 nicht deutlich verändert", sagte er. Der Mythos, "früher lag an Weihnachten immer Schnee", ist also falsch.

“Weiße Weihnachten ist eher ein Wunschtraum", sagt Klimaexperte Walter zu NOIZZ. "Jeder wünscht es sich, damit die Feiertage still, ruhig und friedlich sind. Aber daran hält sich das Wetter natürlich nicht." In Deutschland habe es zuletzt an den Feiertagen 2010 flächendeckend geschneit – das sage schon viel darüber aus, wie realistisch diese Vorstellung sei.

Dass es an Weihnachten selten schneit, liege zum Teil am typisch deutschen Phänomen des Tauwetters um die Weihnachtstage, gibt der DWD an. Kurz vor Weihnachten ströme oft milde atlantische Luft vom Westen nach Deutschland. Wer jetzt denkt: "Kein Grund zur Sorge, es liegt also nicht am Klimawandel", den muss ich enttäuschen.

Der könnte nämlich mit höheren Temperaturen dafür sorgen, dass wir bald noch weniger Schnee sehen. Nach DWD-Angaben ist es in Deutschland seit 1881 im Dezember um 1,7 Grad wärmer geworden. Im Dezember 2018 lag die Durchschnittstemperatur bundesweit demnach bei 3,9 Grad. Und sie steigt höchstwahrscheinlich noch weiter an.

"Es ist zu vermuten, dass es wegen der höheren Temperaturen seltener weiße Weihnachten geben wird" ...

... sagt Walter. Die Wahrscheinlichkeit für Schneefall an Weihnachten werde zwar immer da sein, sagt er, und dass das Phänomen "weiße Weihnachten" irgendwann komplett flachfällt, davon könne man nicht ausgehen. Aber immer höher steigende Temperaturen machten es natürlich unwahrscheinlicher, dass es Ende Dezember in ganz Deutschland schneie.

Dass Schneeballschlacht und Schlittenrennen im Winter ausfallen, ist dabei nicht das größte Problem. "Höhere Temperaturen im Winter lösen viele Probleme unterschiedlichster Art aus", so Walter. Kleines Beispiel: Deutsche Landwirte könnten richtig in Schwierigkeiten geraten, wenn Schädlinge wegen milder Temperaturen einfach überwintern. Von überwinternden Mücken und dem leidenden Wintersporttourismus ganz zu schweigen.

Der Klimawandel und die dadurch immer höher steigenden Temperaturen seien definitiv menschengemacht, so Walter. "Wir sehen zur Zeit, dass die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre die höchste ist, die wir in den letzten 800.000 Jahren beobachten konnten. Die Daten über die damaligen Wetter- und Klimaverhältnisse haben wir zum Beispiel aus Eisbohrkernen", so der Experte gegenüber NOIZZ. Beunruhigend sei aber vor allem die Geschwindigkeit, mit der die Konzentration an Treibhausgasen in der Atmosphäre in den letzten 100 bis 120 Jahren angestiegen ist.

Als Klimaforscher hat Walter natürlich auch den Worst Case für die Zukunft untersucht – er nennt ihn das "Weiter wie bisher"-Szenario. Weiter wie bisher – das bedeutet ungebremstes industrielles Wachstum, keinerlei oder nur geringe Klimaschutzmaßnahmen. Sollte es dazu kommen, hat sich die Erde am Ende dieses Jahrhunderts um ungefähr 3,5 bis 4 Grad gegenüber dem vorindustriellen Wert erwärmt.

Was dann wohl auf den Weihnachts-Postkarten abgebildet sein wird?

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Quelle: Noizz.de