Fast ist es schonmal passiert.

Ein Riesen-Debakel: Facebook meldet seine aktuellen Quartalszahlen – und die Aktie verliert massiv an Wert. Um sich das mal vorstellen zu können: Der Wertverlust, den Facebook hingelegt hat entspricht dem gesamten Wert von Nike.

Jetzt wird der Sündenbock gesucht – wer liegt da am nächsten als das Oberhaupt Zuckerberg? Investoren wollen den 34-jährigen Multimilliardär nun überstimmen und ihn als Chairman von Facebook loswerden. Sie sehen in seinen Entscheidungen in der jüngsten Vergangenheit (Einfluss von Russland auf Trumps Wahlkampf bei Facebook, Cambridge Analytica Affäre) den Grund für den Wertverlust Facebooks.

Aber geht das überhaupt? Kann man den Zuckerberg vom Zuckerberg-Imperium Facebook einfach feuern? Wir sagen: „Joa…“

Es ist nämlich so:

Zuckerberg ist CEO von Facebook, also der oberste Entscheidungsträger genereller strategischer Handlungen. Zuckerberg ist aber nicht nur CEO, sondern auch Chairman, also Vorsitzender der Board of Directors.

Der Board of Directors ist in erster Linie erwählt von Aktienträgern. Und weil jeder Board of Director das auch bleiben will, möchte der Board of Directors ein stabiles und profitables Unternehmen. Nur so bleiben die Aktienträger glücklich.

Der Board of Directors kann über strategische Vorschläge des CEO abstimmen, hat aber nichts mit tagtäglichen Entscheidungen am Hut.

Nun ist es gar nicht unüblich, dass der CEO auch gleichzeitig Chairman ist. Blöd ist nur, wenn der Chairman Zuckerberg gleichzeitig auch 28 Prozent von „Class B“-Aktien besitzt, die ihm überwiegende Entscheidungsgewalt als Aktienträger geben.

Wenn also der Board of Directors von Aktienträgern gewählt wird, und das Oberhaupt der Board of Directors gleichzeitig ein Aktienträger mit höchster Entscheidungsgewalt ist – dann hat der Board of Directors eigentlich keine Chance, den Chairman abzuwählen. Der Board of Directors entscheidet zwar über Zuckerberg als Chairman, aber Zuckerberg als Aktienträger entscheidet über den Board of Directors.

Eigentlich wäre das abwählen also ganz simpel. Über die Hälfte der acht Board of Directors müssten Zuckerberg als Chairman abwählen. CEO wäre er trotzdem weiterhin. Letztes Jahr schon wollten die Board of Directors Zuckerberg abwählen, und haben das auch erfolgreich geschafft. Fünf der acht Board of Directors wählten gegen Zuckerberg. Da Zuckerberg aber entscheidungskräftigster Aktienträger ist, ging der Plan nicht auf, und Zuckerberg konnte nicht abgewählt werden.

Somit wird Zuckerberg weiterhin Chairman und CEO gleichzeitig sein – und die Meinungen der Board of Directors somit stark beeinflussen können. Nicht immer zu Gunsten der restlichen 72 Prozent der Aktienträger.

Quelle: Noizz.de