Anfang dieses Jahres wurde die Welt vom Corona-Virus erfasst. Kurze Zeit später ging sie los: die Suche nach einem Impfstoff. Russland, Brasilien, Amerika und Deutschland batteln sich mit Durchbrüchen. Ist das hier nun der weltweite Pimmelvergleich?

Anfang dieser Woche eröffnete Putin, dass ein Impfstoff gefunden sei. "Ich weiß, dass der Impfstoff sehr effektiv arbeitet, eine sichere Immunität aufbaut und, ich betone, alle notwendigen Tests durchlaufen hat," erklärte Russlands Präsident. Russland ist das weltweit erste Land, das einen Impfstoff zulässt.

Eigentlich dauert so eine Impfstoffsuche immer etwas länger. Oder sollte man sagen: Die Testphase nach dem Finden. Ob ein Impfstoff tatsächlich funktioniert und welche – möglicherweise gefährlichen – Nebenwirkungen es geben könnte, lässt sich erst nach intensiven Tests und Beobachtungen herausfinden. Expert*innen sind sich einig, dass der Impfstoff aus Russland jedenfalls eigentlich noch nicht so weit ist, um großflächig benutzt zu werden. Immerhin ist der weltweite Standard eine dritte Testphase mit Tausenden Proband*innen. Diese wird unter Putin aber einfach ausgesetzt.

Weltweiter Run auf Impfstoffe

Laut der WHO arbeiten 167 Teams oder "Kandidat*innen" an unterschiedlichen Impfstoffen. Diese gehen allerdings vorsichtiger vor als in Moskau: In Oxford befindet man sich gerade beim Durchlauf der verschiedenen Testphasen und – anders als aus Russland – gibt es hier wissenschaftliche Publikationen zu den Vorgängen. Das amerikanische Biotechunternehmen Moderna ist laut detailliertem Wissenschaftsbericht aktuell in Testphase eins und chinesische Forscher arbeiten sich noch an Tests an Tieren ab.

Der brasilianische Präsident Bolsonaro ist eher Wissenschafts-Skeptiker. Dennoch wird nun in Brasilien der Corona-Impfstoff im großen Stil getestet.

Währenddessen wird Brasilien, eines der am schlimmsten von Corona betroffenen Länder zum Testlabor der Welt: Hier gingen bereits großflächige Tests von verschiedenen Organisationen los. Etwa das Mainzer Biopharma-Unternehmen Biontech und der US-Konzern Pfizer prüft an freiwilligen Brasilianer*innen die Impfstoffe, ebenso AstraZeneca, mit dem Team um die oben erwähnten Oxforter Wissenschaftler*innen.

Mittlerweile wird davon gesprochen, dass im Frühjahr 2021 bereits mit einem Impfstoff gerechnet werden könne – vielleicht sogar früher. Das im Moskauer Gamaleya-Institut hergestellte Vakzine hingegen wird ab Oktober verabreicht: Zunächst sollen ihn Ärzt*innen, Krankenhauspersonal und Lehrer*innen bekommen. Danach jeder, der möchte. Das Impfen soll aber freiwillig bleiben – fettes "Sorry!" an Attila Hildmann, der ja immer noch aufs Zwangsimpfen von Bill Gates wartet und damit das Ende der menschlichen Freiheit anrollen sieht. Bisher ist es nur Putin und der impft lediglich Russland und veröffentlicht keine Forschungsberichte.

Russland und der Impstoff: Geht es hier um mehr, als um Corona?

Man sieht also: Weltweit wird geforscht, was das Zeug hält. Expert*innen sprechen davon, dass hier mit bisher ungesehener Geschwindigkeit gearbeitet wird. Natürlich geht es dabei darum, Menschenleben zu retten und zu schützen. Wie nobel.

Zu glauben, dass die Jagd um den Corona-Impfstoff aber nicht auch ein globaler Machtkampf ist, wäre naiv. Nicht ohne Grund heißt der russische Impfstoff "Sputnik V". Es ist ein strategisch gewählter Name: "Sputnik" hießen die ersten zehn sowjetischen Satelliten, die die Erde umkreisten und im Zuge des Kalten Krieges ein eindeutiges Symbol darstellten: Russland hatte beim Wettrüsten zumindest den Kampf ums Weltall gewonnen und war technisch den USA überlegen.

Nun möchte Russland also auch an der Impfstoff-Front zeigen, wer eigentlich den Längsten hat. Das dürfte vor allem in Ländern wie Amerika und eben Brasilien interessieren. Sie alle sind extrem von Corona betroffen. In all diesen Ländern wütet das Virus nicht ohne Grund: Präsident Bolsonaro oder Präsident Trump verharmlosten das Virus und unternehmen bis heute, um dem Problem Herr zu werden.

Trump drängt weiterhin auf Lockerungen  – auch wenn Corona in den USA wütet.

Corona-Impfstoff: Her damit!?

An sich könnte man ja sagen: So what? Ist doch egal, welche Beweggründe hinter der schnellen Forschung am Corona-Impfstoff stecken – so lange endlich ein Impfstoff gefunden wird.

Wie so oft ist das aber nicht so einfach: Wenn wissenschaftliche Erkenntnisse und Durchbrüche sich mit Machthunger und wirtschaftlichen Interessen mischen, meldet sich Gefahr an. Keiner weiß, wie ein Impfstoff sich auswirkt – vor allem, wenn er wie in Russland, nicht genügend getestet wurde. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass wir aufgrund eines fehlgeleiteten Impfstoffs bald eine Zombie-Apokalypse erleben, aber Nebenwirkungen, ungeahnte Krankheiten oder sogar Tote sind möglich.

Die Jagd um den Corona-Impfstoff ist zweifelsohne ein weltweiter Machtkampf. Der Sieger dieses Kampfes wird nicht die Bevölkerung sein, nicht diejenigen, auf deren Schultern ein solcher Kampf ausgetragen wird. Nicht diejenigen, die es im Ernstfall am schlimmsten trifft, sondern Russland, China oder die USA. Im Zuge der Tatsache, dass es um Menschenleben und der Frage nach Gesundheit geht, ein Armutszeugnis.

  • Quelle:
  • Noizz.de