Besonders beliebt sind die portugiesischen Teilchen im Januar und Juni …

68 Kilometer östlich von Porto liegt die Stadt Amarante: Sie ist bekannt für ihre streng-religiösen Bewohner und die wunderschöne Aussicht auf den Fluss ...

... und die Penis-Küchlein. Äh, was?

Ja, Penisgebäck! Dieses lässt sich im Norden Portugals, in Amarante, das ganze Jahr über in den Schaufenstern der 9.900-Einwohner-Stadt finden. Es ist einfach ein Verkaufsschlager!

Besonders beliebt ist das Gebäck im Januar. Wenn die religiösen Rituale ihren Höhepunkt erreichen (10. Januar), werden diese innerhalb der Familie oder im Freundeskreis gerne übergeben: Damit wünschen sie sich ein fruchtbares und erfolgreiches neues Jahr.

Auch junge Männer übergeben ihrer Herzensdame gerne mal ein Penis-Küchlein. Frauen erhoffen sich vom Konsum endlich die Erfüllung ihres sehnlichsten Wunsches: Ein Kind.

Um den wahren Hype zu erleben, müsst ihr aber am ersten Wochenende im Juni nach Amarante reisen. Dann wird der Namenspatron der Stadt „São Gonçalo“ gefeiert.

Während Kinder spielen, im Hintergrund Trommeln die Abende zum Leben erwecken und hängende Papier-Penisse im Wind flattern, bieten Frauen Penis-Gebäck in jeder Größe feil. Von Gummibärchen-klein bis Fuß-groß.

Wo kommt der Hype her?

Es ist kein Zufall, dass Penis-Gebäcke am Tag des Namenspatrons ihren Höhepunkt erleben. Wie das Ritual genau entstand, verbleibt jedoch im Trüben.

Priester Saint Gonçalo, eben jener Patron nach dem auch das Gebäck benannt ist („Bolos de São Gonçalo“), lebte und starb im 13. Jahrhundert in Amarante. Angeblich besaß er besondere Partnervermittlung-Skills (besser als Tinder??) – so konnte eine Verbindung von ihm zum Gebäck hergestellt werden.

Sonia Files, vom Fremdenverkehr in Amarante, erklärte VICE Munchies: „Das Ritual, Kuchen von Saint Gonçalo auszugeben, geht zurück auf die römische Zeit oder sogar noch ältere historische Gesellschaften. Die Rituale blieben und zeigen sich im Verteilen von phallischen Süßigkeiten, zusammen mit getrockneten Feigen.“

Die süße Versuchung überlebte sogar die portugiesische Diktatur, die sich 1926 etablierte. Das Gebäck galt als anstößig und obszön – es wurde verboten.

Doch die Bäcker machten mit ihrer Arbeit weiter – die Bevölkerung verteilte sie unter der Hand. Bis in die 70er: Die Rückkehr zur Demokratie brachte auch eine Rückkehr zu den Penis-Gebäcken.

In Deutschland gibt man der angebeteten eine rote Rose, in Amarante auch gerne mal ein penisförmiges Gebäck! Und es ist in keiner Form beleidigend, stattdessen traditionell und freundlich.

Uns gefällt dieser Liebesbeweis, es ist mal was anderes.

[Teaserbild: K. Kendall unter CC BY 2.0]

Quelle: Munchies