Soja dürfte bei vegetarischer oder veganer Lebensweise recht weit vorne stehen, auf dem Speiseplan. Doch vor Jahren gerieten Sojamilch und Co. in Verruf: Die Pflanze soll den Hormonhaushalt beeinflußen. Wir haben beim Experten nachgefragt.

Die Sojabohne ist ein ziemlicher Alleskönner: Tofu – ob nun am Stück oder als Granulat, als Sojamilch im Kaffee oder etwa zu Würstchen verarbeitet – rettet so ziemlich jeder Person den Hunger, die auf Fleisch oder gleich auf alle tierischen Produkte verzichtet.

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Die Tendenz ist steigend: In diesem Jahr erhöhte sich der Absatz von Fleischersatzprodukten, häufig aus Tofu, um 37 Prozent auf 20.000 Tonnen, wie das statistische Bundesamt mitteilt. Sojamilch ist auch durchaus beliebt, immerhin 0,69 Millionen Personen über 14 Jahren gaben 2018 an, mehrmals pro Woche Sojamilchprodukte (zum Beispiel Sojamilch, Sojajoghurt) zu konsumieren. Allerdings dürften die beliebten anderen Milchalternativen hier ebenfalls ganz gut den Markt mitbestimmen.

Soja und die Hormone

Leider wurde der tierlose Genuss in den letzten Jahren etwas getrübt. Der Grund: Die Sojabohne wirke sich auf den Hormonhaushalt von uns Menschen aus. Wie man darauf kommt? Sojabohnen enthalten das sogenannte Planzenöstrogen. Dieses entsteht durch Isoflavone, die natürlicherweise in Sojabohnen vorkommen und dem menschlichen Sexualhormon Östrogen sehr ähnlich sind.

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Der Schluss liegt also Nahe, dass durch die Aufnahme von Soja, in welcher Form auch immer, auch Hormone in den Körper gelangen, die dann eventuell auf Brustwachstum oder Fruchtbarkeit Einfluss haben könnten. Sollen Vegetarier und Veganer nun also lieber auf ihren Soja-Konsum achten? Wie viel Soja ist eigentlich zu viel Soja? Und stimmt das mit der Hormonwirkung wirklich? Wir wollten das mal genauer wissen und haben deshalb beim Experten nachgefragt. Prof. Dr. Heiko Witt arbeitet am Else-Kröner-Fresenius Zentrum für Ernährungsmedizin und spricht mit uns über Soja und Hormone. Wichtigste Erkenntnis des Gesprächs: Tindern könnte einen stärkeren Einfluss auf unsere Hormone haben als die nächste Portion Tofu-Bolognese.

NOIZZ: Herr Witt, wieviel Soja am Tag ist gesund?

Heiko Witt: Wenn man eine bis zwei Portionen Sojaprodukte pro Tag isst, das sind etwa 100 bis 200 Gramm Tofu und 250 bis 500 Milliliter Sojamilch, dann ist das vollkommen unbedenklich. Soja ist ja nun kein europäisches Produkt, aber wenn man nach Fernost schaut: Asiat*innen essen ganz viel Soja, seit Jahrhunderten, und es ist unbedenklich. Die Menge ist das zehn- bis hundertfache von dem, was wir täglich essen. Es ist nachgewiesen, dass Asiatinnen ein niedrigeres Brustkrebsrisiko haben. Dafür gibt es Daten. Ob das nun aber an der Sojamenge liegt, an anderen Umwelteinflüssen oder an genetischen Faktoren, das weiß man nicht.

Und wie sieht es mit der Auswirkung auf den Hormonhaushalt aus?

Witt: Diese tägliche Aufnahme von Soja-Produkten in einem normalen Maß hat keine Auswirkungen auf den Hormonhaushalt – auch nicht auf die Pille. Es gibt keine Daten, dass Isoflavone durch die Sojaaufnahme die Pille oder den Menstruationszyklus beeinflussen. Wenn Sie Auswirkungen auf Ihren Hormonhaushalt vermeiden wollen, kann ich nur den Rat geben: niemals verlieben. Denn Verliebtsein führt zu einer Dopaminausschüttung. Verliebtsein das bringt den Hormonhaushalt so richtig durcheinander! (lacht)

Also ist es nur ein Mythos, dass übermäßiger Sojakonsum, sich negativ auf unsere Körper auswirkt?

Witt: Wenn Sie sich von morgens bis abends nur von Tofu ernähren, ist das sicherlich nicht gesund. Es ist aber ebenso ungesund, sich von morgens bis abends nur von Fleisch oder nur von Salat zu ernähren. Es gibt einen Spruch, der vom Orakel von Delphi stammt: Mēdén ágan, nichts im Übermaß. Das ist ein unglaublich weiser Spruch. Die Extreme sind das Problem. Das Maßhalten ist wichtig.

Vergiftung dank Karottensaft? Geht, sagt der Experte. Allerdings muss man sich dafür schon sehr einseitig ernähren.

Würden Sie sagen, dass man also alles essen kann und auch sollte?

Witt: Es gibt an sich kein ungesundes Lebensmittel – so lange man es nicht in extremen Mengen zu sich nimmt. Es gibt aber ungesunde Lebens- und Ernährungsweisen. Man kann sich auch an Karottensaft vergiften, wenn man viel zu viel davon trinkt.

Quelle: Noizz.de