Unsere Gene verraten uns nicht, wie lange wir leben.

Millionen von Laien haben einer Website für Ahnenforschung ihre Daten gegeben, aus denen Forscher nun den größten Stammbaum der Welt erstellt haben. 13 Millionen Menschen, vor allem aus Europa und Nordamerika, sind darin über 500 Jahre hinweg miteinander verbunden.

Für den Stammbaum durchforsteten mehrere Wissenschaftler des New York Genome Center 86 Millionen Personenprofile, die auf der Website Geni.com vor allem von Hobby-Ahnenforschern aus aller Welt angelegt worden waren.

Im Durchschnitt erstrecke sich das Familiengeflecht, das auch Auswanderungen von Europa nach Amerika nachvollzieht, über elf Generationen, berichten die Forscher im Fachjournal „Science“. Um bis zu einem einzigen gemeinsamen Vorfahren zu gelangen, hätten sie noch 65 weitere Generationen zurückgehen müssen.

Mit Hilfe des Mega-Stammbaums gingen die Forscher unter anderem der Frage nach, welchen Einfluss die Gene auf die Lebenserwartung eines Menschen haben. Dafür entwickelten sie ein Rechenmodell, das Daten von drei Millionen Verwandten, die zwischen 1600 und 1910 geboren wurden und mehr als 30 Jahre alt wurden, berücksichtigt. Das überraschende Ergebnis: Gene spielen für die Langlebigkeit eines Menschen eine eher geringe Rolle.

Bisher ging man davon aus, dass das Erbgut zu 15 bis 30 Prozent für ein langes Leben verantwortlich ist. Der Familienvergleich ergab aber, dass die Gene in nur 16 Prozent der Fälle ausschlaggebend für ein langes Leben sind. Gute Gene könnten das Leben demnach nur um durchschnittlich fünf Jahre verlängern, folgern die Forscher.

"Das ist nicht viel", resümiert Co-Autor Yaniv Erlich. "Andere Studien haben gezeigt, dass Rauchen zehn Jahre Lebenszeit kosten kann. Das heißt, manche Lebensentscheidungen fallen mehr ins Gewicht als die Gene."

Der Stammbaum ließ außerdem weitere interessante Schlüsse zu: So zeigte sich, dass die meisten Amerikaner vor 1750 im Umkreis von zehn Kilometern ihren Ehepartner fanden – während 1950 Geborene zumeist 100 Kilometer reisten, um die Liebe ihres Lebens zu finden.

Außerdem heiratete man vor 1850 auch häufiger innerhalb der Familie – im Durchschnitt einen Cousin 4. Grades. In den vergangenen 300 Jahren haben in Europa und Nordamerika zudem mehr Frauen ihren Wohnort gewechselt als Männer. Wenn Männer migrierten, reisten sie jedoch weiter als Frauen.

"Das ist ein spannender Moment für Citizen Science", sagt die Bevölkerungsforscherin Malinda Mills von der Universität Oxford, die selbst nicht an der Studie beteiligt war. "Es zeigt, wie Millionen ganz normaler Leute als begeisterte Ahnenforscher in der Wissenschaft etwas bewirken können."

[Text: Zusammen mit dpa]

Quelle: Noizz.de