Albträume von herausfallenden Zähnen, brennenden Häusern und unseren Expartner*innen: In Zeiten von Corona arbeitet unser Unterbewusstsein nachts ganz schön viel. Wir haben einen Schlafforscher gefragt, warum das so ist – und was man dagegen tun kann.

Drrrringg, Drrrringg, Drrrringg – das Klingeln des Weckers hallt ohrenbetäubend laut durch deinen Kopf und du schreckst verwirrt aus einem merkwürdigen Traum hoch: Lag da nicht gerade noch die Person neben dir im Bett, an die du eigentlich schon seit Monaten nicht mehr gedacht hast? Hatte dieser Mensch, den du längst als Ex bezeichnest, nicht gerade noch seinen Arm um dich geschlungen? Warum hast du plötzlich dieses seltsame, unangenehme Gefühl im Bauch, dass dir dein Unterbewusstsein im Schlaf eine perfekte Illusion von etwas vorgegaukelt hat, dass du im Wachzustand längst verdrängt hast? Und warum hat sich das Ganze so echt angefühlt, dass dein Herz ein bisschen zu laut klopft?

Na, mal wieder so schlecht geträumt, dass du dir einfach nur noch die Decke über den Kopf ziehen willst?

Du bist nicht alleine: So sehr sind Google-Suchanfragen nach verrückten Träumen gestiegen

Sei beruhigt: Du bist nicht alleine mit deinen nächtlichen Traum-Eskapaden. Und egal ob sie von einer längst verflossenen Liebe handeln, von schockierend lebhaften Verfolgungsjagden, von gruseligen Hexen, familiären Tragödien oder plötzlich auftauchenden Krankheiten: Wahrscheinlich lässt sich dein wild arbeitendes Unterbewusstsein auf die Corona-Pandemie zurückführen.

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Die britische Digital-Agentur "AGY47" hat nämlich herausgefunden, dass Google-Anfragen à la "Warum träume ich gerade so komische Sachen" um ganze 200 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr gestiegen sind. Auch nach wiederkehrenden Albträumen wird im Internet gerade fast viermal so viel gesucht, wie sonst. Aber das Verblüffendste kommt noch: Die Agentur gibt an, dass sich sogar ein ganz bestimmtes Traummuster erkennen lassen würde – am allermeisten würden Menschen tatsächlich Antworten auf die Frage suchen, warum zur Hölle sie plötzlich wieder von ihren Verflossenen träumen!

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Um sage und schreibe 2450 Prozent seien Suchanfragen nach Ex-Träumen seit der Corona-Krise gestiegen. Man muss kein Mathegenie sein, um zu checken: Das ist verdammt viel.

Warum träumen wir gerade so viel?

Krisen beeinflussen den Schlaf, weiß Professor Dr. Michael Schredl. Er arbeitet als wissenschaftlicher Leiter des Schlaflabors des Zentralinstituts für seelische Gesundheit in Mannheim. Tja und was ist die Corona-Pandemie, wenn keine ausgewachsene Krise? Die Krankheitswelle hat unseren Alltag komplett umgewälzt, das gesellschaftliche Leben in den letzten Wochen zum Stillstand gebracht und vielen Menschen nicht nur Angst um die eigene Gesundheit, sondern auch um Familie und Freunde beschert. Wie unsere Welt in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren aussehen wird, wissen wir nicht.

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Und auch wenn man sich tagsüber mit allerlei Kram ablenken kann: Nachts beschäftigt sich das Unterbewusstsein dann eben doch mit der Situation, in der wir uns gerade alle befinden. Und das verändert unseren Schlaf extrem, weiß Schredl: Wer gestresst ist, befindet sich nämlich häufiger in Wachphasen, erklärte der Forscher gegenüber NOIZZ. Dieser veränderte Schlaf führe dazu, dass wir uns besser an unsere Träume erinnern könnten. Und: An Stressträume könne man sich leider besser erinnern, als an Träume, in denen alles harmonisch sei. Heißt also: Eigentlich träumen wir gerade gar nicht mehr – wir vergessen es nur nicht so schnell, wie sonst.

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Warum Träume ich von meiner/m Ex?

"Träume spiegeln aktuelle Gefühle wieder, mit dem Ex-Partner sind wahrscheinlich Stress-Gefühle assoziiert", sagt Schredl. Dass Menschen aber wirklich viel öfter von ihren Expartner*innen träumen würden, als von anderen Dingen, denkt er nicht. Dafür gebe es zu viele andere Traumthemen, die das Gefühl des Stresses darstellen würden. Na gut, das ist plausibel. Aber vielleicht verspürt man, sobald man von einer alten Beziehung träumt, eher das Gefühl, diesem Traum auf den Grund zu gehen, als bei anderen Themen – und befragt deshalb häufiger Google und Co.? Das würde den immensen Anstieg an Suchanfragen definitiv erklären.

Traumcoach Marilyn Devonish interpretiert in diese Ex-Träume noch ein bisschen mehr hinein als der Forscher. Sie erklärte gegenüber der News-Seite "Unilad", dass das Auftauchen von Expartner*innen im Traum metaphorisch dafür stehen könne, wie die Zeit vergeht – und wie unglücklich man ist, dass ein bestimmter Lebensabschnitt (beispielsweise die Vor-Corona-Ära) vorbei sei.

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Wer das Gefühl habe, vom Ex verlassen worden zu sein, könne seine Träume beispielsweise auf Selbstakzeptanz zurückführen. Auch das Gefühl, dass sich niemand um einen sorge oder dass man sich alleingelassen fühle, könnte das Traummotiv des / der Exfreundes*in erklären. Und wenn man die Beziehung beendet habe, weil man sich von der anderen Person dominiert gefühlt habe, könnten diese Träume ein unbewusster Appell sein, auch in der jetzigen Situation wieder zur eigenen Stärke zurückzufinden, glaubt Devonish.

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Was kann ich gegen Albträume tun?

Hand aufs Herz: Richtig cool ist es nicht, von einer alten Liebe, ausfallenden Zähnen oder unheimlichen Gestalten zu träumen – vor allem, wenn man den Kopf schon mit genug anderen Sorgen voll hat. Lassen sich diese Träume also vielleicht in eine andere Richtung lenken oder vermeiden? "Träume lassen sich nicht vermeiden, aber 'bearbeiten'", erklärt Professor Schredl.

Zusammen mit anderen Wissenschaftler*innen der "AG Traum" der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) hat Schredl eine Strategie entwickelt, um Albträume zu minimieren. "Man stellt sich im Wachzustand vor, wie man die Situation im Traum erfolgreich bewältigt, das wirkt sich dann positiv auf die Träume aus.", rät der Wissenschaftler.

Und so geht das:

Schritt eins: Konfrontiere dich selbst mit dem Erträumten, in dem du es nach dem Aufwachen aufschreibst. Dafür bietet sich ein Traumtagebuch an, in das du nachts oder morgens alles notierst. Laut DGSM würde so bei vielen Personen die Häufigkeit der Albträume sinken – auch wenn das Aufschreiben belastend sein könne.

Schritt zwei: Stelle dir die Traumsituation noch mal genau vor. Denk darüber nach, wie du die Situation aktiv bewältigten könntest. Ungünstig seien Fluchtreaktionen wie Weglaufen, Wegfliegen oder Aufwachen, da diese eher eine Vermeidung darstellen, als eine Lösung, warnen die Forscher*innen. Günstig seien Strategien wie Ansprechen einer bedrohlichen Traumfigur oder sich Helfer vorzustellen. Wenn du das getan hast, schreibst du die neue Lösungsstrategie auf.

Schritt drei: Fast geschafft! Damit sich dein neu aufgeschriebenes Lösungsmuster auf deinen Traum überträgt, ist es wichtig, die Strategie einmal pro Tag im Kopf durchzugehen. Male dir dabei so gut es geht die Vorstellung aus, wie du die neue Bewältigungsstrategie anwendest. Ein bisschen Geduld braucht es dabei: Die Schlafforscher*innen raten, diese Übung zwei Wochen lang zu machen.

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Uff, ob das klappt? Eins ist jedenfalls tröstlich: Wir sitzen mit unseren Träumen alle im selben Boot. Und wer weiß – vielleicht ist dein/e Ex gerade genauso mit Träumen von dir gebeutelt, wie es andersherum auch der Fall ist.

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  • Quelle:
  • Noizz.de