Der Ratschlag, wer die Unterschicht nicht kennt sollte einmal Bus oder Bahn fahren ist ja schon ziemlich alt. Doch trifft das auch auf Car-Sharing zu?

In Großstädten sind sie aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Die Rede ist von Fahrzeugen der Car-Sharing-Unternehmen „car2go" und „DriveNow". Eigentlich klingt es nach einer sehr guten Geschäftsidee. Unabhängig von Fahrplänen kann man sich ein Fahrzeug für einen bestimmten Zeitraum mieten und damit durch die Gegend fahren.

Die kleinen Smarts sieht man am häufigsten Foto: Horst Galuschka / dpa picture alliance

Viele Städter greifen auf dieses Angebot zurück. Rund 3.800 Fahrzeuge hat „car2go" in Deutschland und die werden laut eigenen Angaben mehrere hundertausendmal pro Monat angemietet. Die Nutzer brauchen kein eigenes Auto, sparen sich die Steuer und die Reparaturen. Auch eine eigene Garage oder wenigstens ein Parkplatz vor dem Haus sind nicht mehr nötig.

Die Tatsache, dass immer mehr Car-Sharing-Fahrzeuge durch die deutschen Städte rollen, scheint den Unternehmen recht zu geben. Wer schon immer einmal BMW-Cabrio fahren wollte, muss nicht mehr ewig sparen, für knapp 18 Euro pro Stunde wird der Traum wahr.

Doch gibt es sie wirklich noch, die heile Welt des Car-Sharings? Die Wahrheit lautet leider: Wenn man Glück hat! Denn es kommt immer wieder vor, dass die Fahrzeuge ähnlich zugemüllt sind, wie die Berliner U-Bahn. Halbvolle Getränkebecher, volle Aschenbecher trotz Rauchverbot, dreckbespritzte Innenräume und Verspätungen bei der Übergabe kommen immer wieder vor.

Das Verantwortungsbewusstsein für ein Fahrzeug, dass per Knopfdruck auf dem Smartphone zur Verfügung steht ist nicht immer da.

Die Leidtragenden sind meist diejenigen, die als nächstes einen fahrenden Untersatz brauchen. Die müssen dann mit den Hinterlassenschaften des letzten Fahrers leben. Außerdem müssen sie bei den Unternehmen anrufen und die Mängel am und im Fahrzeug melden, sonst riskieren sie, bei der eigenen Übergabe die Schuld in die Schuhe geschoben zu bekommen.

Denn tatsächlich gibt es bei „car2go" und „DriveNow" Sanktionen, die bei Missachtung der Nutzungsregeln verhängt werden.

„Je nach Verstoß gibt es bei uns verschiedene Sanktionen. Die können bis zur dauerhaften Sperre reichen. Beim Thema Alkohol haben wir beispielsweise null Toleranz", sagt Daniel Hörer, Pressesprecher von „car2go".

Außerdem würde Nutzern, die Schäden und Mängel melden, Zeit gutgeschrieben, damit durch das Telefonat kein Zeitverlust für den Kunden entsteht.

Ähnlich ist es auch bei „DriveNow". Die Reinigungskosten werden direkt an den Verursacher weitergegeben. "Leider können wir oftmals nicht genau zuordnen, welcher Kunde für die Verunreinigungen verantwortlich ist. Wir sind froh um jede Meldung. So können wir entsprechend reagieren", sagt Niklas Merk, Pressesprecher von „DriveNow". Zeitgutschriften für benachteiligte Mieter gibt es hier ebenfalls.

So gut die Idee mit dem Car-Sharing auch gemeint ist, im Alltag gibt es einige Probleme. Wie gut das Ganze funktioniert hängt von jedem einzelnen Nutzer ab, aber Idioten sind leider immer dabei. Auch wenn beide Unternehmen angeben, dass keine signifikante Zunahme an Mängeln und Problemen vorliege.

Das Argument, dass Carsharing gut für die Umwelt sei stimmt leider auch nur bedingt. Ja, es sorgt dafür, dass sich immer mehr Menschen gegen ein eigenes Auto entscheiden und ein Großteil der Sharing-Flotte ist elektrisch unterwegs. Die Mieter entscheiden sich aber auch gegen das Fahren mit der U-Bahn oder dem Bus. Allein der Bau von Elektroautos ist schon eine Belastung für die Umwelt.

Allerdings gibt es eine Möglichkeit etwas für die Umwelt zu tun und trotzdem mobil zu bleiben. Das Stichwort lautet „Emmy-Sharing". Die kleinen E-Roller sind in der Stadt genauso zur Fortbewegung geeignet und das Beste: Habt ihr schon einmal einen Roller gesehen, dessen Fußraum und Handschuhfach vermüllt waren oder in denen der Zigarettenrauch stand? Eben!

Quelle: Noizz.de