Ein Splatter-Film ist gar nichts dagegen

Die Bilder der ZDF-Doku "Schweinerei im Schlachthof" (Mittwoch 22.45 h) sind nichts für schwache Nerven: Blutüberströmte Tiere, die mit dem Tod ringen, zucken, schreien. Der Todeskampf ist brutal und in deutschen Schlachthöfen eigentlich verboten: Tiere sollen laut Gesetz ordentlich betäubt sein, bevor sie getötet werden – ansonsten verbluten sie langsam und qualvoll bei vollem Bewusstsein.

Tierquälerei wird schweigend akzeptiert

Dies ist keine Ausnahme – aber ehrlich gesagt auch nichts Neues. Bereits 2017 haben TierschützerInnen der SOKO Tierschutz erschreckende Zustände in Schlachthöfen aufgedeckt. Systematische Tierquälerei scheint in Deutschland stillschweigend akzeptiert – ausgenommen von dem kurzen Aufschrei, wenn sich jemand dem Thema annimmt.

Den Schlachthöfen den schwarzen Peter in die Schuhe schieben zu wollen, ist allerdings unfair: 60 kg Fleisch essen wir hierzulande pro Kopf und Jahr. Dabei möchte der Konsument aber nicht zu viel für seinen Fleischgenuss bezahlen. Billiges Fleisch, wie eben vom Schwein ist besonders beliebt. Um Dumpingpreise an der Fleischtheke halten zu können, wird skrupellos gehandelt – es zählt nur der Gewinn, lebende Tiere sind reines Produkt, das schnell und effektiv hergestellt werden muss.

Mafiöse Zustände

Um möglichst schnell produziertes, billiges Fleisch vertreiben zu können, werden Gesetze von den Schlachthöfen bis aufs Äußerste gedehnt: Eigentlich muss bei Schlachtungen ein unabhängiger Veterinär vor Ort sein, der das ordnungsgemäße Töten der Tiere sicherstellt. Ein Tierarzt, der jedoch beim Schlachthof angestellt ist, wird natürlich nicht seinen eigenen Arbeitgeber verpetzen. Darüber hinaus sind Schlachthöfe lukrativ für ihre Standorte und ihr Treiben wird auch deshalb gerne von Politik und Gesellschaft weitläufig ignoriert. Auch das wird in der ZDF-Doku von Tanja v. Ungern-Sternberg aufgedeckt.

ZDFzoom_Schlachthof Foto: Screenshot / ZDF

Wir sind alle Teil des Schlachthofs

Die Doku erinnert uns wieder daran: Das systematische, grausame Töten der Tiere geht uns alle etwas an und ist leider das verstörende Ergebnis unseres eigenen Tuns. So lange Supermärkte ein ganzes Hähnchen für 2 € anbieten wird nichts besser. Allerdings wird Angebot eben immer von der Nachfrage bestimmt. Diejenigen, die also beherzt zuschlagen und auch noch stolz darauf sind, dass sie sich ein ganzes Lebewesen für einen absoluten Ramschpreis in den Einkaufswagen gepackt haben, sind genauso schuld. Jeder der konsumiert, hat Verantwortung. Ob es uns passt oder nicht. Wer also glaubt, dass es mit rechten Dingen zugeht, wenn McDonalds einen Burger mit Rindfleisch für einen Euro verkauft, der möchte auch keine Missstände sehen.

Am Ende trifft unsere Ignoranz die Schwächsten der Nahrungskette: Die Tiere, die nun mal nicht für sich selbst sprechen können. Natürlich geht es hier nicht darum, Fleischessen per se zu verurteilen, denn es gibt auch gute Wege, Fleisch zu konsumieren. Kleine Bauernhöfe etwa, die mit ihren Tieren fair umgehen und ihren Tod so angenehm wie möglich gestalten. Diese Art der Tierhaltung hat aber ihren Preis. Solange wir aber nicht bereit sind, diesen zu zahlen, wird sich in deutschen Schlachthöfen gar nichts tun.

Quelle: Noizz.de