Der Klimawandel bedroht unsere Umwelt und ist, wie wir mittlerweile alle wissen, menschengemacht. Aber wie bei so vielen Dingen verstehen viele den Ernst der Lage erst, wenn sie Einschränkungen im sonst so komfortablen Leben spüren. Schlechte Nachrichten für jeden Foodie: Mit etwas Pech gibt es diese Einschränkungen bald auf deinem Teller.

Das Erste, was du morgens nach dem Aufstehen brauchst, ist eine große Tasse frisch aufgebrühter Kaffee? Ohne eine ordentliche Portion Schokolade kommt dein Nachmittagstief einer mittelschweren Depression gleich? Beim Italiener isst du am liebsten Pasta mit Tomatensoße und gönnst dir einen guten tropfen Wein dazu? Diese gastronomischen Highlights könnten mit etwas Pech bald schon der Vergangenheit angehören. Denn durch den Klimawandel wird es immer schwieriger, bestimmte Lebensmittel anzubauen. Lange Dürreperioden, zu hohe Temperaturen, Insekten- und Pilzbefall und Wetterextreme könnten in Zukunft zu immensen Ernteausfällen führen, die unsere Lieblingslebensmittel zur Rarität machen.

Fünf Lebensmittel, die wieder zum absoluten Luxusgut werden könnten:

Bye, Schokoriegel und Brownie

Kakaobäume brauchen ganz bestimmte klimatische Verhältnisse, um zu gedeihen: zum Beispiel relativ gleichmäßige Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Die größten Schoko-Produzenten der Welt sind die Elfenbeinküste und Ghana: Rund zwei Drittel der weltweit geernteten Kakaobohnen stammen aus den afrikanischen Ländern. Doch das Klima ändert sich auch in Westafrika, es regnet mal viel zu viel, mal viel zu wenig und die Temperaturen steigen. Das führt zu Ernteeinbußen – denn schon bei einem Plus von einem Grad Celsius beginnen die Kakaobäume zu kümmern. Und was passiert ohne Kakaobäume? Genau, kein Kakao – der Hauptbestandteil vieler unserer liebsten Naschereien.

Anfang des Jahres warnten Wissenschaftler*innen basieren auf Studien des International Center for Tropical Agriculture CIAT, dass 2050 an der Elfenbeinküste und in Ghana fast 90 Prozent der derzeitigen Anbaufläche nicht mehr geeignet sein werden. Noch dringlicher formuliert es die Nachrichtenagentur Bloomberg: Bereits 2030 werde der weltweite Kakao-Bedarf nicht mehr gedeckt sein, weil zwei Millionen Tonnen Kakao fehlen.

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Au revoir, Kaffee am Morgen

Nicht nur Kakaobäume, auch Kaffeesträucher leiden unter steigenden Temperaturen in den Hauptanbaugebieten Brasilien und auf dem afrikanischen Kontinent. Dass es dort immer wärmer wird, stellte schon 2015 eine Studie des internationalen Agrarforschungsinstituts CGIAR fest. Die meisten Probleme machen den Kaffeebohnen zu laue Nächte: Denn Abkühlung gehört zur wichtigsten Voraussetzung für guten Kaffee – wird diese nicht durch kühle Nächte gewährleistet, schadet das der Ernte.

Kaffeebauern versuchen, dem entgegenzuwirken, indem sie mit ihren Plantagen immer höher in die Berge ziehen – dorthin, wo es nachts noch kalt wird. In vielen Kaffeeregionen sind die Gipfel aber schon mehr oder weniger erreicht. Wird es wärmer auf unserem Planeten, wird die Kaffee-Ernte deshalb immer schwieriger – und der Kaffee dadurch weniger. Und was passiert, wenn es eine hohe Nachfrage gibt? Genau, das Produkt wird teurer. In unserer Wohlstandsgesellschaft vergisst man oft, dass Kaffee, genauso wie Schokolade, erst seit Kurzem so günstig und frei verfügbar ist, wie wir es kennen: Vor der Globalisierung galten diese Lebensmittel als Luxusgut – und das könnten sie in Zukunft auch wieder werden.

Ohne Kaffee geht gar nichts? Dann solltest du dir langsam eine Alternative einfallen lassen.

Adiós Tomatensoße und Ketchup

"Rotes Gold": Tomaten sind aus dem Speiseplan der meisten nicht mehr wegzudenken: Ob als Nudelsoße, auf der Pizza, im Salat oder, für alle Durstigen, als Bloody Mary: Die hübsche Frucht ist wohl für viele das liebste "Gemüse". Etwa zwei Drittel der europäischen Tomaten werden in Spanien und Italien produziert, vor allem in der spanischen Region Andalusien. Die trockene Ebene von Almería gilt als der Gemüsegarten Europas – obwohl hier wüstenähnliches, mediterranes Klima herrscht. Hier werden in Reihen um Reihen an Gewächshäusern gigantische Menschen Obst und Gemüse produziert – und die brauchen gigantische Menge Wasser: Allein Tomaten verbrauchen pro Kilogramm rund 110 Liter.

Durch den Klimawandel bleibt der wichtige Winterregen über Spanien immer häufiger aus, auch aus den Pyrenäen kommt nicht genug Regen an. Im Jahr 2050 werden voraussichtlich 9,7 Milliarden Menschen auf der Erde leben, etwa 2,3 Milliarden mehr als heute. Sie alle müssen ernährt werden – und der Klimawandel wird fortschreiten. Heißt: Ernteerträge müssten eigentlich wachsen, der Wasserverbrauch dagegen reduziert werden. Aber wenn jetzt schon zu wenig Wasser da ist, geht diese Rechnung nicht auf. Und im Zweifel müssen Lebensmittel, die besonders viel Wasser brauchen, dann für einen ressourcenschonenderen Pflanzenanbau zurückstecken, auch unsere geliebte Tomate?

Ciao, Weingelage am Wochenende

Du magst Wein? Damit bist du nicht alleine: Auch die aus Asien eingewanderte Kirschessigfliege findet die Reben großartig – und bedroht in weiten Teilen Europa die Ernten. Die Europäische Pflanzenschutz-Organisation EPPO kam schon vor Jahren zu dem Schluss, dass die Ausrottung der weinliebenden Fliege nicht mehr möglich sein wird. Das Klima jedenfalls wird ihr bei ihren Beutezügen keinen Strich durch die Rechnung machen. Ganz im Gegenteil: Die steigenden Temperaturen spielen der Kirschessigfliege gut in die Karten, wie der Journalist Wilfried Bommert uns seine Kollegin Marianne Landzettel in ihrem Buch "Verbrannte Mandeln - Wie der Klimawandel unsere Teller erreicht" schreiben.

Doch das ist nicht alles: Auch steigende Temperaturen und unvorhersehbare Wetterextreme tun den Weintrauben nicht gut. Mindestens die Hälfte der Anbaugebiete weltweit sei in Gefahr, berichten Forscher*innen im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" Anfang des Jahres. Die Wissenschaftler*innen kamen zu einem gruseligen Ergebnis: Bei einem Temperaturanstieg von zwei Grad würden die Regionen, die für den Weinbau geeignet sind, weltweit um 56 Prozent schrumpfen, bei einem Anstieg von vier Grad wären es sogar 85 Prozent. Einzige Lösung: Die Weinsorten ändern, also nur noch robuste Reben anbauen. Mourvèdre statt Pinot Noir, Cabernet Sauvignon und Merlot zum Beispiel. Also schnell noch einen gut sortierten Weinkeller anlegen!

Macht's gut, Bananen?

Vor gar nicht mal ganz so langer Zeit stand die Banane schon einmal für Mangel: In der DDR war die Südfrucht knapp. Dieses Szenario könnte uns bald wieder bevorstehen. Denn so bananen-verwöhnt wir gerade sind, rosig sieht die Zukunft für die Exportfrucht nicht aus. In vielen Ländern wird es Bananenpflanzen wohl in den kommenden Jahren zu heiß und trocken werden – die Stauden gedeihen aufgrund der hohen Luftfeuchte besonders gut in tropischen und subtropischen Ländern. Wie lange die weltweit größten Produzenten Indien und Brasilien diese klimatischen Bedingungen noch bedienen können? Ungewiss.

Bananen

Eine Studie der University of Exeter sagt voraus, dass es schon bei einer vergleichsweise moderaten Erwärmung in zehn Ländern im Laufe der nächsten drei Jahrzehnte zu signifikanten Ernterückgängen kommen – neben Brasilien und Indien sind zum Beispiel auf Kolumbien und Costa Rica betroffen. Aber das ist nicht das einzige Problem der Banane: Auch die Pilzkrankheit Tropical Race 4, kurz TR 4, setzt der Pflanze zu. Der Pilz sitzt in der Erde, befällt die Wurzel und wandert den Stamm hinauf. Dort sorgt er dafür, dass die Pflanze kein Wasser mehr bekommt – und im wahrsten Sinne verdurstet. Weil Bananen meist als Monokulturen angepflanzt werden, ist der Pilz besonders gefährlich. Dem könnte man entgegenwirken, wenn man beim Anbau wieder auf mehr Vielfalt achten würde – die steigenden Temperaturen lassen sich dadurch aber nicht verändern.

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Quelle: Noizz.de