Warum soll man nicht auch mit über 80 supererfolgreiche Apps programmieren?

Als sie nach mehr als vier Jahrzehnten ihre Stelle als Bankangestellte verließ, kaufte Masako Wakamiya ihren ersten Computer. Da war sie gerade pensioniert. Heute gehört die inzwischen 83-jährige Japanerin zu den ältesten App-Entwicklern weltweit. Während sie sich zu Hause um ihre alternde Mutter kümmerte, begann sie, sich über einen Online-Verein mit anderen älteren Menschen auszutauschen. „Seit der Computer mir Flügel verlieh, habe ich eine Menge verschiedener Menschen kennengelernt. Während meiner Zeit bei der Bank kamen die meisten meiner Bekannten aus derselben Branche“, sagt sie.

Als sie begann, anderen Senioren Computer-Grundkenntnisse zu vermitteln, fand sie es frustrierend, wie wenig interessantes Online-Material es für ältere Menschen gibt. Doch im Zeitalter der Smartphones konnte sie keine Handy-App speziell für ihre eigene Generation finden.

„Frau Wakamiya bat mich, eine Gaming-App zu entwickeln, mit der Senioren junge Menschen besiegen können“, erinnert sich Katsushiro Koizumi, Vorstandsvorsitzender der Firma Tesseract, die Programmieren und Software-Entwicklung unterrichtet. „Aber ich habe ihr gesagt: Es wäre absolut großartig, wenn Sie so eine App selbst entwickeln würden“, sagte Koizumi.

Wakamiya lebt in Fujisawa, südwestlich der Hauptstadt Tokio, Koizumi in Shiogama rund 400 Kilometer weiter nordöstlich. Übers Internet brachte er der Gaming-begeisterten Seniorin bei, ihre eigene App „Hinadan“ zu entwickeln. Das Spiel ist nach einem Ausstellungsstand für traditionelle japanische Puppen benannt, den es auf dem jedes Jahr im März gefeierten Mädchenfest gibt. Seine Spieler müssen die Puppen in der richtigen Reihenfolge auf dem Stand anordnen.

Inzwischen ist ihre App 80.000 Mal heruntergeladen worden. Laut Wakamiya gibt es bereits eine englische und eine chinesische Version des Spiels.

Als ihre App herauskam, wurde die Seniorin zu einer Entwicklerkonferenz am Hauptsitz von Apple in Kalifornien eingeladen. Dort traf sie auch Apple-Chef Tim Cook. „Der Chef hat mich umarmt“, erinnert sich Wakamiya, die im April ihren 83. Geburtstag feierte. Er sei so informell im Umgang gewesen, dass sie einfach immer weiter geredet habe, wie mit einem Freund.

Ihr Erfolg hat ihr viele Einladungen eingebracht. Erst im Februar war sie bei den Vereinten Nationen in New York zu Gast. Auf Englisch hielt sie dort den Einführungsvortrag für eine Sitzung über digitale Kompetenz für Senioren.

(Text zusammen mit dpa)

Quelle: Noizz.de