Die Droge ist 120 Mal wirksamer als Morphium – und nur schwer einzuschätzen.

Es ist leicht, eine Überdosis zu bekommen. Diese führt zu Bewusstlosigkeit und kann in einen Atemstillstand und schließlich in den Tod münden.

Es geht um Fentanyl. Das ist ein synthetisches Opioid, das heißt, dass es nicht aus Opium gewonnen, sondern chemisch hergestellt wird.

Fentanyl wirkt – wie alle Opiate – über das Belohnungssystem und sorgt für ein unvorstellbares Glücksgefühl. „Das wird gerne als Orgasmus beschrieben, nur viel, viel stärker und länger anhaltend”, erklärt Dr. Rüdiger Holzbach, er ist Chefarzt am Klinikum Arnsberg.

Ein großes Risiko besteht vor allem bei einer längeren Anwendung: Pflichten werden vernachlässigt, es kommt zu Interessenlosigkeit und Antriebsverlust. Die Menschen ziehen sich sozial zurück, hören auf zu essen und sich um ihre Hygiene zu kümmern.

Anders als andere illegale Drogen wie Cannabis, Kokain oder Heroin kann Fentanyl nicht angebaut und mit einfachen chemischen Prozessen gewonnen werden. Stattdessen muss es aufwändig hergestellt werden, was die Verbreitung auf eigentlich für den medizinischen Bereich produziertes Fentanyl einschränkt.

Denn eigentlich wird Fentanyl in Form von Pflastern in Kliniken verabreicht, vor allem gegen starke Schmerzen, meist an Krebspatienten oder chronisch Kranke. Viele Abhängige fischen die Pflaster wieder aus dem Krankenhaus- oder Altenheimmüll, denn oft werden diese nicht ordentlich entsorgt. Oder sie kaufen Patienten die benutzten Pflaster ab oder gehen zu Ärzten und lassen sie sich selbst verschreiben.

Fentanyl ist gefährlich
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Die besondere Gefahr besteht darin, dass die gebrauchten Pflaster nicht gut dosiert werden können. Meist werden die geviertelt, ausgekocht und anshcließend mit einer Spritze in die Haut initiiert. Doch die Wirkstoffmenge kann nicht abgemessen werden, es kann zu Überdosierungen kommen. Denn der Wirkstoff ist meist nicht gleichmäßig verteilt, auf einem Viertel Pflaster kann fast der ganze Wirkstoff platziert sein.

In der Regel sind Opiatabhängige nicht rein Fentanyl-abhängig, sondern nutzen je nach Versorgungslage unterschiedliche Opiate. In Süddeutschland ist Fentanyl-Konsum häufiger als in Mittel- und Norddeutschland. Das Bundeskriminalamt zählte 2008 14 Todesfälle, die in Zusammenhang mit Fentanyl stehen, im vergangenen Jahr waren es bereits 90. Das bekannteste Todesopfer ist der Musiker Prince.

„Die Behandlung läuft so ab wie die von einem Heroin-Abhängigen”, erklärt Dr. Holzbach: Zunächst gibt es Entzug, danach am besten eine Entwöhnungstherapie. Alternativ gibt es ärztlich geleitete Substitutionsbehandlungen mit dafür zugelassenen Opiaten wie Methadon oder Buprenorphin.

Doch oft werden die Schwerabhängigen nicht mehr clean: Sie sind ein Leben lang auf die Ersatzstoffe angewiesen.

Quelle: Noizz.de