Vergesst „Game of Thrones“! In Deutschland läuft gerade etwas viel Schmutzigeres ab.

Intrigen, Lügen, Gewalt und Sex. Fertig ist das Erfolgsrezept für die gelungene Serie von George R. R. Martin, die seit Jahren bahnbrechenden Erfolg hat.

Nach diesem Erfolgsrezept scheinen aber auch die deutschen Autobauer vorgegangen zu sein – zumindest, was Intrigen und Lügen angeht. Seit Tagen stehen VW, Audi, Porsche, Mercedes und BMW in den Schlagzeilen. Ein Dauerbrenner, der seit Herbst 2015 mit dem Beginn des „VW-Dieselgate" zum Aufregen und Ärgern animiert.

Das Image von VW ist stark beschädigt

In der neuen Staffel von Game of Emissions betreten ein paar neue Akteure die Bühne. Denn plötzlich ist VW nicht mehr der einzige Kandidat auf der Anklagebank. Die deutschen Autobauer stehen alle unter Kartellverdacht, also der gemeinsamen Absprache und Zusammenarbeit, um den Automobilmarkt zu dominieren und den Wettbewerb zu schwächen.

Ein Bund also, der wie die sieben Königslande der Abschreckung von Feinden durch neugewonnene Stärke dient …

Sicher ist:

In den Neunzigern gründeten die deutschen Autokonzerne das „Abgaszentrum der Automobilindustrie" (ADA). Dort wird seitdem an Technologien für Abgasreinigung geforscht. Das Land Baden-Württemberg zahlte 7,5 Millionen Mark Starthilfe.

Ausländische Konzerne wollte man in diesen erlauchten Kreis nicht aufnehmen, um die Forschungsergebnisse nicht an die Konkurrenz zu verlieren. So klagte Opel erfolglos gegen den Ausschluss aus dem ADA. Opel gleicht in diesem Fall Daenerys Tagaryen, die Bedrohung vom anderen Kontinent, gegen die sich die Automobilhersteller aus Deutschland abschotten wollen. Bei „Game of Thrones“ hat die letzte Tagaryen eine riesige Armee hinter sich. Im Falle von Opel ist es der Mutterkonzern GM (General Motors).

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Die Begründung des Bundeskartellamtes: Da nur eine dreijährige Zusammenarbeit vorgesehen sei, wäre dieser Ausschluss zu verschmerzen, solange dabei keine Geräte für die Serienfertigung hergestellt würden. Das einzig saubere an dieser Einrichtung, dürfte tatsächlich der Name gewesen sein.

Fakt ist:

Das ADA gibt es heute noch, 20 Jahre danach. Die Erkenntnisse in Sachen Filtern von Abgasen müssen so bahnbrechend gewesen sein, dass VW sogar noch die Mogelsoftware in seine Fahrzeuge einbaute, die den Dieselskandal 2015 auslöste.

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Nun geht das Rennen um den Kronzeugen-Status los. Wer sich als erstes selbst anzeigt, kann mit Strafmilderung oder sogar Straffreiheit rechnen. So versuchte VW, also das Adelsgeschlecht Stark aus Wolfsburg im Norden Deutschlands, den Lannisters (Mercedes) mit der Selbstanzeige zuvor zu kommen. Allerdings waren die Lannisters mit all ihrer List doch schneller, während BMW als südlichster Autobauer in tyrellscher Manier diesen Winkelzug der Konkurrenz verschlief.

Wer trägt die Konsequenzen:

Im Moment weiß das noch keiner so genau. Es drohen aber Strafen im zweistelligen Milliardenbereich, wie die Welt berichtete. Und wie in „Game of Thrones" sind die Leidtragenden die kleinen Leute. Die deutschen Automobilkonzerne machen zusammen ca. 43 Prozent aller Umsätze im DAX aus. Riester-Rente, Rürup-Rente und Indexfonds werden die Kurseinbrüche der Kontrahenten also direkt an die Vorsorge-Sparer weitergeben.

Gleichzeitig ist es unwahrscheinlich, dass die deutschen Autobesitzer Schadenersatz einklagen können, da schwer nachweisbar ist, dass dieser Schaden explizit durch das Kartell verursacht wurde.

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Und die Moral von der Geschicht‘:

Vermutlich wird es keine geben. Der Staat wird jedenfalls den Teufel tun, die Autobauer allzu stark zu bestrafen. Zu viele Arbeitsplätze hängen daran. Es endet ja nicht bei den genannten Marken. Zulieferer wie Continental oder Bosch sind von den Auswirkungen ebenfalls betroffen, vom Lobbyismus der Branche mal ganz abgesehen.

Genauso, wie bei „Game of Thrones": Am Ende wird das Erscheinungsdatum für das neue Buch immer weiter nach hinten verschoben. Eine spannende Story, Ausgang weiter ungewiss. Wir bleiben dran, bis zur nächsten Folge Game of Emissions.

Quelle: Noizz.de