Rassistischer geht es kaum.

Eine kurze Suchanfrage nach den Worten „Ureinwohner“ und „Kostüm“ auf „Amazon“ offenbart, wie rassistisch das Business mit Halloween- und Faschingkleidung auch 2018 noch ist. Denn dort finden sich gleich bei den ersten Ergebnissen so ziemlich die schockierendesten Beispiele für Blackface.

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Blackface oder Blackfacing nennt man es, wenn sich Weiße mit Schminke die Haut dunkler machen, um so wie ein Mensch einer anderen Herkunft auszusehen – meistens wie Menschen mit afrikanischen Wurzeln. Dazu gehört oft auch das Tragen von traditionellen Frisuren – wie zum Beispiel ein Afro – oder Kleidung, die meistens auf Banalitäten und Klischees reduziert werden, wie etwa Bananen-Röckchen oder Knochenschmuck.

Dieses rassistische Kostüm wird sogar als „Amazon's Choice“ angepriesen Foto: Orlob Karneval / Amazon

Das ist rassistisch und demütigend und etwas, das 2018 niemand mehr machen sollte. Denn hinter vermeintlich „harmlosen“ Halloweenkostümen, die sich Blackface bedienen, steckt eine tiefgehende Diskriminierung der afroamerikanischen und afrikanischen Bevölkerung.

Blackface: Ein dunkler Teil der Geschichte der USA

Blackface stammt aus den Vereinigten Staaten und ist dort eine heikle, historische Angelegenheit. Das rassistische Verhalten hat seinen Ursprung in den Zeiten der Sklaverei und vor allem in den konservativen Südstaaten, der Hochburg der Sklavenplantagen.

In sogenannten Minstrel Shows traten dort im 19. und 20. Jahrhundert zur Unterhaltung weiße Amerikaner als Stereotypen von afrikanischen Sklaven auf. Sie malten sich ihre Gesichter dunkel an, zeichneten sich große Lippen und stellten Menschen mit afrikanischer Herkunft als zurückgebliebene Untermenschen dar. Die Auftritte spiegelten natürlich keine Wahrheiten, sondern nur die Ängste der Bevölkerung vor dem bis dato Fremden und dementsprechende Klischees wieder.

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Mit dieser grausamen Art der Unterhaltung etablierte sich das Blackface als rassistische Darstellung von Afroamerikanern. Noch heute ziehen sich grausame Vorurteile über dunkelhäutige Frauen und Männer durch die amerikanische und internationale Medienlandschaft. Nicht nur Afroamerikaner, sondern alle Menschen mit afrikanischen Wurzeln werden durch diese Stereotypen diskriminiert.

Im Kostümhandel sind solche Bilder leider noch häufig zu finden Foto: Festartikel Müller / Amazon

Blackface drückt aus: du bist kein Mensch, du bist eine Witzfigur zu meiner Unterhaltung

Gerade in Zeiten der „Black Lives Matter“-Bewegung sollte jeder begriffen haben, dass alle Menschen eben genau das sind – Menschen. Und keine witzigen Verkleidungen! Gerade Dunkelhäutige werden im Alltag für ihre Hautfarbe noch immer gedemütgt. Das ist nicht lustig, das ist respektlos. Sich genau diese Hautfarbe für diesen Zweck aufzumalen, ist also einfach vollkommen unsensibel und stumpf.

Wenn du dich also für Halloween in 50 Cent oder Cardi B verwandeln willst und deine Haut mit Make-up dunkel schminkst, reihst du dich in die grausame Tradition von Ministrel Shows ein. Du erinnerst damit nicht nur an die schlimmste Zeit der Afroamerikaner – der Zeit der Versklavung – sondern sendest die Message, dass Menschen mit einer anderen Hautfarbe nichts weiter sind als eine rassistische Karikatur, die du dir für dein Vergnügen aneignest.

Ganz einfach: Blackface erkennt Anderen die Menschlichkeit ab

Leider kommt diese Praxis gerade zu Halloween und Fasching trotzdem noch immer vor. In den USA hat sich deshalb sogar ein Film der Problematik angenommen. „Dear White People“ kam 2014 raus und wurde 2017 noch einmal in eine Serie für Netflix verwandelt, die noch immer auf dem Streamingdienst läuft. Darin geht es um eine afroamerikanische Studentengemeinschaft, die gegen Rassismus auf dem Campus – inklusive Blackface Party – kämpft und auch noch einmal eindringlich erklärt, warum Blackface ganz und gar nicht okay ist – selbst wenn du schwarze Freunde hast. Was übrigens nie ein Argument oder eine Ausrede ist, sich rassistisch zu verhalten.

Quelle: Noizz.de