Spanien ist das neue Italien, sagen viele Medien, denn die Coronavirus-Infektionsraten rasen in die Höhe und somit auch die Todesraten.

Spanien hat das Coronavirus besonders stark getroffen, nun musste sogar eine Eiskunstlaufhalle als Leichenhalle herhalten. Auf den Straßen patrouilliert das Militär, kein Land in Europa hat zurzeit so viele Coronavirus-Kranke wie Spanien. Doch was unterscheidet Spanien von Deutschland und anderen europäischen Ländern, wo die Infektionsraten nicht so stark wie die spanischen in die Höhe schießen? Wir haben einige Vermutungen zusammengestellt.

Der vollständige Lockdown am 14. März

Der Lockdown in Spanien erfolgte ungefähr zeitgleich mit vielen europäischen Ländern, zuvor hatten Schule und Universitäten bereits geschlossen. Das klingt alles sehr vernünftig, jedoch suggerierten die geschlossenen Universitäten und Schulen vielen Freizeit, die zahlreiche Menschen meisten am Strand und in Cafés mir Freunden und Familie verbrachten.

Das ungewöhnlich warme Wetter Anfang März

Ende Februar und Anfang März war das Wetter in Spanien ungewöhnlich warm und die Temperaturen stiegen bis zu 20 Grad an. Das hatte die Folge, dass sich viele Spanier draußen verabredeten und besonders sozial waren, während sie das Frühlingswetter genossen. Dadurch konnte sich das Virus ziemlich schnell von Person zu Person verbreiten. In der spanischen Kultur ist es außerdem üblich, sich zur Begrüßung auf die Wangen zu küssen, dass das Risiko einer Infektion verstärken kann.

Vorstand der Notmediziner vermutete nur eine Handvoll Infektionen in Spanien

Spanische Experten hielten den Virus für noch weit entfernt, weswegen das Land später als andere reagiert hat. Am 9. Februar äußerte sich der Vorstand der spanischen Notfallärzte in Madrid gegenüber den Medien noch zuversichtlich, mit der Aussage, dass es in Spanien nur eine Handvoll Fälle geben wird. Mit dieser Aussage verschätze er sich vehement, die Todesrate ist bereits höher als die von China.

Ende Februar fanden mehrere Fußballspiele statt

Spaniens Premier Minister Sanchez weigerte sich anfangs noch, große Veranstaltungen abzusagen. Aber nicht nur im Land fanden mehrere Events statt: Am 19. Februar fand ein Champions-League-Spiel in Bergamo statt, zu dem 2.500 Valencia Fans aus Spanien hinfuhren. Das Fußballspiel beschrieb Giorgio Gori als "Bombe", die den Virus letztendlich in Italien verteilt haben soll. Einige Tage später flogen 3.000 Atletico Madrid Fans von Spanien aus zu einem weiteren Championsleague Match nach Liverpool und scheinen sich ebenfalls infiziert zu haben.

Am 8. März fanden mehrere große Events im Land statt

Am internationalen Frauenkampftag demonstrierten 120.000 Menschen zusammen, zuvor appellierte Gesundheitsminister Salvador Illa an diejenigen mit Symptomen, nicht an den Demonstrationen teilzunehmen. "Ich möchte betonen, dass Menschen mit Symptomen nicht zur Demonstration gehen sollten ... Menschen mit Symptomen sollten zu Hause bleiben und sich selbst isolieren", sagte er. Doch Personen können auch mit dem Coronavirus infiziert sein, ohne Symptome zu zeigen. Großveranstaltungen sind während Epidemien und Pandemien besonders gefährlich, denn durch ihre Tausenden Teilnehmer hat das Virus eine große Chance sich sehr schnell zu verbreiten.

Angeschlagenes Gesundheitssystem

Spaniens Gesundheitssystem ist sehr fortgeschritten, allerdings hinterließ die Finanzkrise von 2008 große Lücken in der Versorgung und Weiterentwicklung von spanischen Krankenhäusern. Diese Lücken machen sich nun bemerkbar, denn Spanien hat nur ein Drittel der Krankenbetten pro Kopf, die Deutschland hat. Das klingt wenig, aber Spanien hat immer noch mehr Betten pro Kopf als zum Beispiel die USA.

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  • Quelle:
  • Noizz.de