Die Fallzahlen steigen wieder, ein sicherer Impfstoff oder gar ein Medikament gegen das Coronavirus lassen allerdings noch immer auf sich warten. Nun kommen US-Forscher mit einem revolutionären Nasenspray an, das Heilung verspricht – und für jeden verfügbar sein soll. WTF?! – Kann es so einfach sein?

Es klingt nach einer ziemlichen Sensation: Auf der Suche nach Corona-Medikamenten sind US-Forscher nun auf ein Nasenspray gekommen. Damit sollen winzige Nanopartikel verabreicht werden, die das Eindringen von Sars-CoV-2-Erregern in Körperzellen verhindern sollen. Klingt easy, aber was ist dran?

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Experten sind geteilter Meinung. Einige Forscher sehen in dem Ansatz zwar ein interessantes Konzept, weisen aber auf das sehr frühe Forschungsstadium und viele offene Fragen hin. Das Mittel ist bisher kaum erprobt. Rund um den Globus arbeiten Forscher zurzeit an etlichen Corona-Mitteln, nur wenige sind schon auf dem Markt. Da wir dringend auf ein Heilmittel warten, um die Pandemie einzudämmen, werden Studien und Medikamente oft viel früher veröffentlicht oder auf den Markt gebracht, als sonst üblich.

Und wie funktioniert das jetzt genau mit dem Anti-Corona-Nasenspray?

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Die von den US-Wissenschaftlern untersuchten "Nanobodys" sind grob gesagt stark abgespeckte Antikörper gegen den Covid-19-Erreger. Bisher nennen die Forscher ihr Medikament "AeroNabs" – einen Impfstoff ersetzen kann es aber sicherlich nicht, sondern ist eher als Ergänzung zu sehen.

Ein Stoff mit der Bezeichnung "mNb6-tri" dockte im Laborversuch an spezielle Oberflächenstrukturen des Virus an. Er könne dafür sorgen, dass der Erreger erst gar nicht in die Zellen eindringt, heißt es in einer noch nicht von Fachkollegen begutachteten Studie.

Die Wissenschaftler hoffen, dass sich aus den Nanopartikeln ein möglicherweise per Nasenspray oder Inhalierer verabreichbares Medikament entwickeln lasse, dass vor einer Infektion schützen oder im frühen Krankheitsstadium eingesetzt werden könnte. Ähnliche Nasensprays gegen normale Erkältunsgviren sind bereits im Einsatz.

Die Forscher betonen allerdings, dass ihre Experimente rund um die Nanopartikel noch ganz am Anfang stehen würden. Bislang wurde weder an Tieren noch an Menschen untersucht, ob das Mittel tatsächlich wirkt, ob es sicher ist und welche Nebenwirkungen es gibt. Dafür sind aufwendige und zeitintensive Tests nötig.

Was sagen andere Virologen?

Symbolbild: Corona

Mathias Pletz, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Uniklinikum Jena, glaubt zwar, dass der Ansatz helfen könnte – bis der Wirkstoff aber gebrauchsfertig ist, würde noch einige Zeit vergehen:

"Bevor dieser Ansatz verfügbar ist, ist die Pandemie vorbei."

Wenn geltende wissenschaftliche Standards eingehalten werden, dürfte es mindestens fünf Jahre bis zu einem möglichen Einsatz dauern, womöglich länger. Andererseits ist auch vorstellbar, dass im Falle der Corona-Pandemie, Zulassungen für Medikamente schneller erfolgen könnten. Allerdings: Meistens schaffen es nur ein Bruchteil der im Labor erfolgreich getesteten Wirkstoffe überhaupt erst zur praktischen Anwendung.

Auch Roland Stauber, Nanopartikel-Experte an der Uniklinik Mainz, betont, dass es noch keine aussagekräftigen Studie gebe. "Da trennt sich die Realität von interessanten Ansätzen", so der Virologe. Außerdem wisse man noch lange nicht genau, wie sich das Virus außerhalb des Nasen- und Rachenraums verhalte. Es bleibe also abzuwarten, ob und wie "AeroNabs" wirklich helfen könne – auch wenn ein Nasenspray oder Inhalierer gegen Corona einfach verlockend klingen.

[Text: Zusammen mit dpa / sw]

  • Quelle:
  • Noizz.de