Ich studiere an einer Universität in Syracuse, im Bundesstaat New York. Wir waren mitten im Semester – als es wegen des Coronavirus' abgebrochen werden musste. Auf meiner Rückkehr ging so einiges schief in Sachen Corona-Management. So wird das mit der Eindämmung nichts!

Wir waren noch entspannt, als die ersten Berichte über die Lage in Italien-Amerika erreichten, denn Amerika wirkte der Pandemie noch fern. Das Leben ging seinen gewöhnlichen Lauf, bis plötzlich auch Trump endlich einsah, dass das Virus keine Grenzen kennt und die USA genau so betroffen sind.

Wir Studierenden wussten nicht genau, was jetzt passieren würde und sogar das Staff von der Uni war nicht wirklich sicher, wie wir unser Semester fortsetzen werden. Zuvor hatte die größte Universität in der Stadt (Syracuse University) bekannt gegeben, dass auf Online-Kurse umgestellt werden würde. Deshalb dachten wir, das gleiche wird bei uns in der Uni sicher auch passieren. Irgendwann kam dann die E-Mail, dass wir wegen des Coronavirus ebenfalls auf Online-Kurse umsteigen werden. Das war der Zeitpunkt, an dem ich mir dachte, dass ich den Unterricht eigentlich auch von Deutschland aus wahrnehmen kann.

Der Alltag in Amerika nahm seinen normalen Lauf

Auf den Straßen der Stadt war kaum ein großer Unterschied zu erkennen. Menschen auf den Bürgersteigen sind in amerikanischen Kleinstädten sowieso eine Rarität, gerade zur Winterzeit. Unter den Menschen hielt aber kaum einer einen Sicherheitsabstand. Ich habe das Gefühl, dass die USA sehr spät gehandelt haben. China hat gezeigt, wie heikel die Lage ist, dann wurde es in Europa ernst. Die USA haben auf zwei Kontinenten beobachten können, wie sich das Virus verhält und haben trotzdem sehr spät verstanden, was auf sie zukommt. Während Familie und Freunde in Deutschland schon Social-Distancing praktizierten, gingen in den USA alle noch ihrem normalen Alltag nach.

Dann erklärte Trump plötzlich, als sich die Zahlen der Infizierten in Amerika häuften und drastisch steigen würden – und dass alle öffentlichen Gebäude geräumt und geschlossen werden müssten. Unsere Universität ist ein öffentliches Gebäude und musste somit innerhalb von 24 Stunden geräumt werden. Da war die Stimmung dann ziemlich angespannt. Internationale Studierende mussten herausfinden, ob sie überhaupt nach Hause fliegen können und wenn nicht, wo sie dann sonst bleiben sollen.

Die amerikanischen Studierenden fuhren allesamt zu ihren Familien nach Hause und die Uni wurde geschlossen. Ich konnte mir ein Ticket nach Newark und von Newark nach Frankfurt/Berlin kaufen. Das Ticket war unglaublich günstig, für normale Verhältnisse. Von der Wohnung meines Kumpels ging es dann für mich zum Flughafen, wo – entgegen meinen Erwartungen – meine Temperatur nicht gemessen wurde (auf keinem meiner drei Stopps!), auch nicht bei meiner Ankunft in Deutschland.

Keine Temperaturkontrollen, wie in den Medien

Im Flieger und im Flughafen wurde uns zu keinem Zeitpunkt irgendeine Art von Information gegeben, wie wir uns in dieser Lage zu verhalten haben. Ich war ziemlich nervös, gerade in Flugzeugen und Flughäfen scheint die Wahrscheinlichkeit, sich mit Corona zu infizieren, ziemlich hoch. Es wurde nur die Ansage gemacht, dass wir in den Warteschlangen mindestens einen Meter Abstand halten sollten. Ich trug die ganze Reise über eine Maske und Handschuhe, die ich regelmäßig wechselte. Den Meter Abstand hielten die meisten nicht ein.

Ich habe bemerkt, dass ältere Personen die Schlange vermieden haben. Sie durften auch neben den Familien mit Kleinkindern als Erstes in den Flieger steigen. Alle meine Flüge (insgesamt drei) waren komplett ausgebucht. Alle wollten nach Hause fliegen, so lange sie noch konnten. Im Flieger selbst war alles wie sonst … bis auf kleine Unterschiede: Die Flugbegleiter trugen fast alle Masken, die meisten Passagiere auch. Außerdem wurde am Anfang des Fluges angesagt, dass es weniger Service geben würde als sonst. So sind die Flugbegleiter weniger als sonst durch die Gänge gelaufen.

Ich hatte am Tag meines Fluges eine Instastory hochgeladen, in der man sehen konnte, dass ich schon auf dem Weg nach Hause war. Daraufhin hatten mir viele international Studierende geschrieben, dass sie festsitzen oder noch Planen, nach Hause zu kommen. Die meisten von ihnen (New Zealand, Australia, USA) können jetzt gerade nicht nach Hause, da ihre Flüge gecancelt wurden oder sie wegen eines Travelban nicht einreisen dürfen. Ich hatte ziemliches Glück, fast alle Ankünfte am Flughafen Tegel waren am Tag meiner Ankunft gestrichen.

PASSAGIERE AM FRANKFURTER FLUGHAFEN

In der Corona-Hotline erreicht man niemanden

Da ich aus dem Risikogebiet, dem Bundestaat New York, nach Deutschland gereist bin, müsste ich mich eigentlich auf das Virus testen lassen können. Seit meiner Ankunft vor zwei Tagen versuche ich nun, in der Corona-Hotline jemanden zu erreichen, vergebens. Zweimal war ich schon 17 Minuten in der Hotline-Warteschlange, bis dann plötzlich noch in der Line "aufgelegt" wurde. Es ist quasi unmöglich, jemanden zu erreichen. Daher werd ich vorsorglich zwei Wochen alleine leben und besuche vorerst meine Familie und Freundin nicht, damit sie im Fall der Fälle nicht angesteckt werden. Vielleicht komme ich ja irgendwann in der Hotline durch.

Aufgeschrieben von Tuana Ayaydinli

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  • Quelle:
  • Noizz.de