Keine Panik auf der Titanic! Wir erklären dir, wie hoch das Risiko ist, sich anzustecken, wie du dich am besten verhältst und wie man mit der Epidemie umgehen sollte.

Mundschutzmasken werden zur Mangelware, alle wollen Desinfektionsspray, die Aktienkurse an der Börse rauschen in die Tiefe, Kreuzfahrtschiffe werden evakuiert, Messen abgesagt, ganze Städte in Italien sind abgeriegelt – das Cornovirus breitet sich weiter aus und hat spätestens jetzt ganz Europa im Griff. Die Zahl der Infizierten steigt in Deutschland weiter an und auch andere Länder, die bisher vom Coronavirus verschont geblieben sind, melden neue Erkrankungen. Die WHO warnt inzwischen sogar vor einem "pandemischen Potenzial" – das heißt, ein Virus, dass eine globale Epidemie auslösen könnte.

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Kein Wunder also, dass viele Menschen beunruhigt sind. Viel Halbwissen kursiert bei der Fülle an Informationen, die man im Netz finden kann. Wir versuchen einmal, Licht ins Dunkle zu bringen. Hier findet ihr Antworten auf die brennendsten Fragen rund um das Coronavirus – damit ihr nicht gleich in Panik ausbrechen müsst.

Was ist das Coronavirus eigentlich genau?

So sieht der Erreger unterm Mikroskop aus.

Das was in den Medien und von uns salopp als "Coronavirus" tituliert wird, ist eigentlich nur die allgemeine Bezeichnung für eine bestimmte Art von Viren. Bei dem neuartigen Viruserreger, der nun für die vielen Krankheitsfälle zuständig ist, handelt es sich um das Covid19-Virus. Coronaviren wurden zum ersten Mal Mitte der 60er Jahre identifiziert. Sie können sowohl Menschen als auch verschiedene Tiere infizieren, darunter Vögel und Säugetiere.

Coronaviren verursachen in Menschen verschiedene Krankheiten, von gewöhnlichen Erkältungen bis hin zu gefährlichen oder sogar potenziell tödlich verlaufenden Krankheiten wie dem Middle East Respiratory Syndrome (MERS) oder dem Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS). Derzeit wird davon ausgegangen, dass sich die ersten Patienten Anfang Dezember 2019 auf einem Markt in Wuhan in der Provinz Hubei, China, angesteckt haben. Der Markt wurde am 01.01.2020 geschlossen.

Wie kann man sich denn mit Corona anstecken?

Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Das kann direkt von Mensch zu Mensch über die Schleimhäute der Atemwege geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie der Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden. Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Symptome gezeigt hatten.

Derzeit wird davon ausgegangen, dass die Inkubationszeit bis zu 14 Tagen beträgt, das heißt erst dann zeigen sich die ersten Symptome.

Hände waschen, nicht vergessen!

Welche Symptome hat die Krankheit?

Bei Menschen mit einem intakten Immunsystem löst das Cornoavirus erkältungs- bis grippeähnliche Symptome aus – Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber. Einige Betroffene leiden auch an Durchfall. Bei den bisher berichteten Fällen waren vier von fünf Krankheitsverläufen mild.

Wie gefährlich ist das Virus wirklich?

Laut dem Robert-Koch Institut (RKI) erkranken von 100 Infizierten etwa 15 schwer an dem Coronavirus. Sie bekommen Atemprobleme bis hin zu einer akuten Lungenentzündung. Nach den bisherigen Erkenntnissen und Zahlen sterben ein bis zwei Prozent der infizierten Personen – das sind mittlerweile mehr als bei der Grippe.

Im Moment liegt laut RKI die Zahl der weltweiten Coronapatienten bei mehr als 83.000. Sie sind über 52 Länder weltweit verteilt. Die Zahlen können sich aufgrund der aktuellen Lage jederzeit verändern.

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Kann man sich irgendwie schützen oder gibt es Medikamente?

Bisher gibt es noch keine Impfungen oder Medikamente gegen das Virus. Forscher gehen momentan davon aus, dass ein Impfstoff frühestens 2021 verfügbar wäre. Wichtig ist, wie bei anderen Virenkrankheiten wie etwa Influenza und anderen akuten Atemwegsinfektionen eine gute Husten-Nies-Etikette und die üblichen Hygienevorschriften, wie richtiges Händewaschen. Desinfektionsmittel schützen nur dann vor dem Coronavirus, wenn auf ihnen auch explizit eine Wirkung gegen Viren aufgeführt wird.

Außerdem sollte man zu Erkrankten circa ein, bis zwei Meter Abstand halten. Das gilt auch zum Schutz vor einer Übertragung des neuen Coronavirus. Diese Maßnahmen sind auch in Anbetracht der Grippewelle überall und jederzeit angeraten. Dieses Merkblatt gibt euch einen guten Überblick:

Diese Maßnahmen bieten Schutz vor Infektionskrankheiten.

Helfen Atemschutzmasken?

Die oben beschriebenen Regeln sind der beste Schutz davor, dich mit Corona anzustecken. Wenn sich eine bereits erkrankte Person im öffentlichen Raum bewegen muss, kann das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes durch diese Person sinnvoll sein, um das Risiko einer Ansteckung anderer Personen zu verringern. Dabei ist es aber auch wichtig, dass der Mund-Nasen-Schutz korrekt sitzt und bei Durchfeuchtung gewechselt wird.

Es gibt keinen medizinischen Beleg dafür, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Risiko einer Ansteckung für eine gesunde Person verringert. Nach Angaben der WHO kann das Tragen einer Maske in Situationen, in denen dies nicht empfohlen ist, ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen, durch das zentrale Hygienemaßnahmen wie eine gute Händehygiene vernachlässigt werden können.

Sogar die Teilnehmer eines Marathons im japanischen Kumamoto tragen einen Mundschutz aus Furcht vor dem Virus.

Kann ich mich über Obst, Gemüse und Co. aus dem Ausland anstecken?

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hält eine Corona-Ansteckung durch Importwaren für unwahrscheinlich. Das geht aus Erkenntnissen und Einschätzungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) hervor. Das liegt vor allem an der vergleichsweise geringen Stabilität der Viren in der Umwelt.

Es gibt derzeit keine nachgewiesenen Fälle von Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus über den Verzehr von Lebensmitteln oder durch Bedarfsgegenstände. Dennoch sollten die allgemeinen Regeln der Hygiene im Alltag, wie regelmäßiges Händewaschen und die Hygieneregeln bei der Zubereitung von Lebensmitteln beachtet werden. Da die Viren hitzeempfindlich seien, könne das Infektionsrisiko durch das Erhitzen von Lebensmitteln zusätzlich weiter verringert werden.

Wenn ich glaube, dass ich mich vielleicht angesteckt habe – was tue ich?

Personen, die unabhängig von einer Reise einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen telefonisch an das zuständige Gesundheitsamt wenden. Auf keinen Fall solltet ihr einfach so zu eurem nächsten Hausarzt marschieren. Das erhöht das Risiko für andere.

Seid ihr in einem Land gewesen, in dem plötzlich viele Coronafälle aufgetreten sind, solltet ihr unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit circa 14 Tage zu Hause bleiben. Beim Auftreten von Symptomen der Atemwege solltet ihr die oben beschriebenen Hygienevorschriften einhalten und nach telefonischer Voranmeldung mit Hinweis auf die Reise, einen Arzt aufsuchen.

Wenn du in die Quarantäne musst, sind Papiertaschentücher und Isolation angesagt.

Wie sieht eine Quarantäne zuhause aus?

Am besten solltet ihr dafür sorgen, dass ihr ein Zimmer für euch habt, das man gut belüften kann. Kontakte zu anderen Menschen solltet ihr meiden, insbesondere wenn sie einer Risikogruppe angehören. Dazu zählen vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, chronisch Kranke, Ältere und Schwangere.

Eure Mitbewohner und Familienangehörige sollen sich in der Regel in anderen Räumen aufhalten oder einen Mindestabstand von mindestens ein bis zwei Metern einhalten. Die Nutzung gemeinsamer Räume, wie der Küche oder das Bad sollte auf ein Minimum begrenzt werden und möglichst zeitlich getrennt erfolgen. Diese Räume, vor allem Küche und Bad, müssen regelmäßig gereinigt und gut gelüftet werden.

Regelmäßiges gründliches Händewaschen vor und nach der Zubereitung von Speisen, vor dem Essen, nach dem Toilettengang sollten eingehalten werden. Zum Trocknen am besten Einweg-Papiertücher verwenden. Bei Husten oder Niesen auf jeden Fall Mund und Nase mit Einweg-Taschentüchern oder gebeugtem Ellbogen abdecken – und bei Gesellschaft in eine andere Richtung niesen.

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Wie funktioniert eigentlich der Test gegen das Coronavirus?

Coronavirus

Beim Verdacht auf das Coronavirus wird der Erreger in der Regel mit einem molekularbiologischen Test nachgewiesen. Zunächst nimmt ein Arzt eine Probe aus den Atemwegen eines Patienten – entweder einen Abstrich oder ausgehusteten Schleim. Spezialisten bereiten diese Probe dann im Labor auf und suchen mit einem sogenannten PCR-Test nach dem Erbmaterial des Virus.

Vereinfacht gesagt wird dabei ein bestimmter Abschnitt des Viren-Erbguts millionenfach kopiert. Die Kopien werden mit einer sogenannten Sonde farblich markiert. Diese Farbmarkierung kann dann mit komplexen Geräten sichtbar gemacht werden. Sind entsprechende Farbsignale vorhanden, handelt es sich um eine "positive Probe". Unter idealen Bedingungen dauert ein solcher Test im spezialisierten Labor drei bis fünf Stunden. Den Test zahlen alle Krankenkassen, sofern ein Arzt ihn angeordnet hat.

Du willst noch mehr wissen? Ganz ausführliche Infos über das neuartige Covid19-Virus, das wir umgangssprachlich einfach Coronavirus nennen, findest du bei der Weltgesundheitsorganisation WHO in englischer Sprache unter diesem Link.

In Deutschland beschäftigt sich vor allem das Robert Koch Institut mit dem neuartigen Erreger. Alle Infos, die das Institut dazu bereithält, findest du hier.

[Text: dpa/sw]

  • Quelle:
  • Noizz.de