Eine neue Studie aus Großbritannien kommt zu einem erschreckenden Ergebnis: Schwarze und Asiat*innen haben ein höheres Sterberisiko in Bezug auf das Coronavirus als Weiße. Doch warum ist das so? Und welche weiteren Risikogruppen gibt es?

Macht Corona gleich? Oder verstärkt es nur die gesellschaftlichen Unterschiede, die schon lange existieren? Letzteres legt eine britische Studie nah, die zwar noch keine veröffentlichungsreifen Endergebnisse hat, als größte ihrer Art aber eine erschreckende Tendenz feststellt: Schwarze Menschen und solche mit asiatischem Hintergrund scheinen ein höheres Sterberisiko in Verbindung mit Covid-19 zu haben als Weiße.

Die Ergebnisse werden auf dem Server medRxiv präsentiert und wurden noch nicht für die Endveröffentlichung freigegeben. Die Verfasser*innen der Studie stellen darin einige Risikofaktoren fest, die mit dem Tod infolge von Covid-19 zusammenhängen. Forscher*innen der Universität Oxford und der London School of Hygiene & Tropical Medicine die im Auftrag der Zweigstellen des National Health Service England arbeiteten, analysierten zwischen dem 1. Februar und dem 25. April Patientenberichte von 17,4 Millionen Erwachsenen, die im Vereinigten Königreich leben. Eine Studie zum Coronavirus in dieser Größenordnung gab es noch nie.

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Männer über 60 gefährdet

Insgesamt wurden 5. 683 Todesfälle unter den untersuchten Patient*innen auf Covid-19 zurückgeführt. Im Hinblick auf Alter und Geschlecht wurde festgestellt, dass der Tod durch die Krankheit häufig bei männlichen Patienten über 60 Jahren eintrat. Auffällig war zudem auch, dass Schwarze und Menschen mit asiatischem Hintergrund im Vergleich zu Weißen einem höheren Sterberisiko ausgesetzt sind.

Sterberisiko wegen Marginalisierung

Zurückzuführen sei dies zum einen auf Vorerkrankungen wie Herzleiden oder Diabetes und zum anderen auf den eingeschränkten Zugang zu angemessener Gesundheitsversorgung. Menschen mit Migrationshintergrund leiden zudem im Vergleich noch immer häufiger unter anderen sozioökonomischen Belastungen, die ihr Sterberisiko ebenfalls erhöhen.

Symbolbild: Asiat*innen haben wohl ein höheres Sterberisiko in Bezug auf Corona

Die Ergebnisse der Studie bestätigen auch frühere Befunde, nach denen Männer ein höheres Risiko für den Tod durch Covid-19 haben, sowie Menschen im Alter und Menschen mit schwerem Asthma.

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"Wir brauchen hochgenaue Daten darüber, welche Patienten am stärksten gefährdet sind, um die Pandemie zu bewältigen und die Patientenversorgung zu verbessern", sagte einer der Autoren der Studie, der Arzt Liam Smeeth in einem Statement von der Universität Oxford. Und weiter: "Die Antworten, die diese Analyse liefert, sind für Länder auf der ganzen Welt von entscheidender Bedeutung. Zum Beispiel ist es sehr beunruhigend zu sehen, dass die höheren Risiken für Menschen mit BME [Black and Minority Ethnic]-Hintergrund auf nicht identifizierbare Gesundheitsbedingungen zurückzuführen sind."

Mehr Datenanalysen benötigt

Doch die neue Studie sei für die effektive Eindämmung des Coronavirus noch nicht ausreichend und weitere Datenanalysen würden benötigt. "In einem globalen Gesundheitsnotstand brauchen wir schnelle und präzise Antworten. Das bedeutet, dass wir sehr große, sehr aktuelle Datensätze benötigen. Das Vereinigte Königreich verfügt über eine phänomenale Abdeckung und Qualität der Daten", sagte Dr. Ben Goldacre, Direktor des DataLab im Nuffield Department of Primary Care Health Sciences an der Universität Oxford, Arzt und Co-Leiter der Studie. Weitere Analysen sind derzeit im Gange und können verwendet werden, um die Verbreitung von Covid-19 zu bewerten und zu modellieren, um auf die Bedürfnisse der lokalen Gesundheitsdienste einzugehen und sichere Lockdown-Maßnahmen einzuführen.

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  • Quelle:
  • Noizz.de