Das Robert-Koch-Institut veröffentlichte neue Zahlen, laut deren die Reproduktionsrate auf 1,0 gestiegen ist. Sollten wir mit den Lockerungen noch ein bisschen warten? Oder anders gefragt: Warum zur Hölle können denn nicht alle mal den Ball flach halten?

Klar, ist das alles doof gerade. Manche von uns sitzen schon seit guten 5 Wochen in Isolation. Vielleicht haben sie kleine Kinder, die laut sind und anstrengen, vielleicht haben sie einen doofen Partner der nervt oder aber sie sind einsam und ihnen fällt die Decke auf den Kopf. Man braucht kein Hellseher zu sein, um zu wissen: Die Nerven liegen allseits blank derzeit.

Corona ist noch nicht vorbei

Das Robert Koch-Institut hat im neusten Lagebericht allerdings eröffnet, dass die Reproduktionsrate des Coronavirus auf 1,0 gestiegen. Anfang März lag diese entscheidende Kennziffer noch bei 3, am 8. April bei 1,3, in den vergangenen Tagen bei 0,9 - jeweils mit einer gewissen Schwankungsbreite. Diese Kennzahl gibt an, wie viele Menschen eine erkrankte Person im Durchschnitt infiziert. 1,0 bedeutet also, dass jede infizierte Person einen weiteren Menschen ansteckt. Klingt zunächst wenig, ist aber ziemlich uncool. Vor allem, weil sich ein steigender Trend spätestens im Juli sehr kritisch auf unser Gesundheitssystem auswirken könnte, wie Merkel ziemlich eindeutig erklärt:

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Lockerungen sind ok – müssen aber auch eingehalten werden

Auch wenn wir es geschafft haben, die Kurve niedrig zu halten und hierzulande auch der gefürchtete Ausnahmezustand in den Krankenhäusern ausgeblieben ist, sind wir längst nicht durch mit der Pandemie. Nach wie vor besteht die Gefahr, dass zu lockere Maßnahmen dazu führen, dass die Ansteckungskurve wieder in die Höhe schnellt.

Daher wurde auch lautstark und intensiv diskutiert, wie und wo gewisse Lockerungen stattfinden. In Öffis in Berlin etwa ist es seit dieser Woche Pflicht, einen Mundschutz zu tragen, ob diese Pflicht auch auf den Besuch in Supermärkten ausgeweitet wird, ist noch nicht klar. Allerdings sind nun auch Geschäfte mit einer Größe von bis zu 800 Quadratmetern geöffnet – vorausgesetzt sie weisen ein Schutzsystem vor. Immerhin.

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Eindeutig ist: Wenn zu schnell zu sehr gelockert wird, sind wir ganz schnell wieder bei flächendeckenden Ansteckungen und dann dürfte uns wieder ein heftigerer Lockdown ins Haus stehen. Warum also Social Distancing und Isolation nicht ein bisschen ernster nehmen – auch wenns schwerfällt, wir das alles schon lange genug durchmachen und sich eine eigenartige Routine eingeschlichen hat?

Symbolbild: Mundschutz Corona

Warum können wir es denn nicht noch ein bisschen aushalten?!

Vor allem beim aktuell guten Wetter dürfte es einem schwer fallen, nicht ans Angrillen, gemeinsames Bierchen mit Freunden oder gar an den nächsten Sommerurlaub zu denken. Die Sehnsucht, ein Leben zu führen, in dem wir Familie und Freunde um uns haben, ist groß – und das ist auch verständlich, geht uns ja schließlich allen so. Allerdings ist das, was uns erwartet, wenn wir zu unbedarft mit Corona umgehen, noch viel schlimmer.

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Geht man derzeit eine schnelle Runde im Park spazieren oder schaut aus dem Fenster, sieht man täglich Leute, die sich ohne Hintergedanken bewegen und verhalten. Man könnte auch sagen: Sie legen eine Corona-Ignoranz an den Tag, die ihresgleichen sucht. Die aktuell aufkeimende Diskussion darüber, inwiefern die Maskenpflicht Grundrechte verletzt, lässt einen auch nur ungläubig den Kopf schütteln. Man möchte all jenen noch mal ganz deutlich sagen, dass dummes Verhalten und Egoismus noch nie geholfen haben. Wie wäre es also, wenn wir alle noch ein paar Wochen aushalten, unseren Bewegungsdrang mit Solo-Joggingtouren beruhigen und abwarten. Nur so wird es besser. Ein Fakt, den keiner mag, der aber dennoch wahr ist.

  • Quelle:
  • Noizz.de