Daraufhin deuten zumindest die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage. Vor allem junge Erwachsene leiden in der Coronavirus-Pandemie an depressiven Symptomen. Schuld daran: Isolation und Einsamkeit.

Während der coronabedingten Einschränkungen hat sich die Belastung mit schweren depressiven Symptomen in der Bevölkerung nach ersten Ergebnissen einer Online-Befragung der Privaten Hochschule Göttingen (PFH) wohl merklich verstärkt. Vor allem für die Gruppe der 18- bis 25-Jährigen sei ein Anstieg im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie zu beobachten, sagte Youssef Shiban, Professor für Klinische Psychologie and der PFH.

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Das sei auch deshalb bedenklich, weil die Suche nach einem Psychotherapieplatz schon vor der Corona-Krise mit deutlichen Wartezeiten verbunden gewesen sei. Es gebe Hinweise, dass Auswirkungen von Quarantänemaßnahmen wie Depressivität und Stressreaktionen längerfristig bestehen bleiben könnten, so Shiban. Bisher nahmen rund 2.000 Menschen online an der Befragung teil. Geplant ist ein Vergleich zwischen Bundesländern sowie mit Norwegen und Kanada.

Die Ergebnisse aus Kanada sind alarmierend

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"Zu Beginn der Pandemie haben wir mit einem Anstieg psychischer Belastung durch die Beschränkungsmaßnahmen gerechnet", erklärt Shiban. Nun deute sich an, dass diese sehr viel stärker als bisher befürchtet sein könnten. Eine vergleichbare Studie zum SARS-Ausbruch in Kanada 2003 zeigt, was uns und unserem Seelenheil droht: In einer Studie unter der Leitung von Hawryluck im Jahr 2004 zeigten sich bei 30 Prozent der von Quarantäne-Maßnahmen betroffenen Studien-Teilnehmer Symptome von Depressionen und posttraumatischen Belastungsstörungen", so Shiban.

Kooperationspartner der Befragung sind die Universität Regensburg, die Inland Norway University of Applied Sciences und die Carleton University im kanadischen Ottawa. Die Forscher verwenden den sogenannten ISR-Fragebogen – ein Instrument, mit dem Symptome für psychische Störungen erfasst werden. Gemäß der Normstichprobe des ISR wäre ein Anteil von schwerer Depressivität in der Allgemeinbevölkerung von einem Prozent zu erwarten, sagte Shiban. "In unserer Studie konnten wir hingegen einen Anteil schwerer Depressivität von fünf Prozent beobachten."

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[Text: Zusammen mit dpa / sw]

Quelle: Noizz.de